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Jacqueline Karachi von Cartier : Juwelen im Kopf

Collier, das auch als Tiara getragen werden kann, aus Perlen, Diamanten im Kissenschliff, Brillanten. Die Perle in Tropfenform ist mit ihrem Gewicht (8,3 g) und ihrer silbrigen Anmutung eine Rarität Bild: Foto Hersteller

Jacqueline Karachi lebt für die Juwelen. Vor allem bei den seltenen Steinen kommt die Kreativ-Direktorin von Cartier ins Schwärmen. Warum wir im goldenen Zeitalter des Luxus-Schmucks leben.

          Jacqueline Karachi ist stark erkältet. Eigentlich müsste sie jetzt draußen im milden Licht von Paris stehen und richtig durchatmen. Stattdessen hustet und schnieft die Kreativ-Direktorin in einem halbdunklen Raum, der von Klimaanlagen gekühlt wird. Die Luft hier ist nicht für Menschen gemacht, schon gar nicht für erkältete. Da ist auch der bunte Schal über der weißen Bluse, den Karachi heute wie zum Schutz trägt, zwecklos. Die Luft hier ist auf die Juwelen abgestimmt.

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Hinter vielen Sicherheitstüren, auf einer der oberen Etagen des Cartier-Hauses an der Rue de la Paix im Zentrum von Paris, geht es nicht um Menschen. Somit geht es auch nicht um Jacqueline Karachi. Und niemand weiß das besser als die Kreativ-Direktorin der Linie Cartier Prestige selbst. Jacqueline Karachi führt kein Leben in der Öffentlichkeit.

          Von der Französin, die seit 32 Jahren bei Cartier beschäftigt ist (in der Welt des Luxus sind das mindestens sieben Designer-Leben), weiß kaum jemand. Wer ihren Namen bei Google eintippt, findet wenige Hinweise zu ihrer Person, zu ein paar anderen Jacqueline Karachis – und zu Jacqueline Kennedy. „Öffentlichkeit brauche ich nicht, will ich nicht“, sagt die Kreativ-Direktorin in einem Nebenzimmer des Showrooms. Ihr Leben scheint so gut gesichert wie die Juwelen, die hier lagern.

          „Heute sind fast alle Designer hier Frauen“

          Zur diesjährigen Pariser Biennale hat ihr Team mehr als 100 Stücke entworfen. Karachi selbst entwirft kaum noch etwas, sie muss den Überblick behalten, wenn man schon jemanden hat, der das Haus seit mehr als drei Jahrzehnten kennt. „Ich weiß gar nichts, überhaupt gar nichts“, sagt sie denn auch gleich. „Das ist wichtig. Nur so bleibt man neugierig.“ Nur so findet man den besten Rahmen für den Stein, der für sie nicht nur ein unbelebtes Objekt ist. „Wir versuchen seinen Geist zu verstehen“, sagt sie. „Dann überlegen wir uns in größter Demut ein Design für ihn, um ihn so nur noch mehr zu veredeln.“

          Sie sucht das Ewige in all der Vanitas: An Steinen erkennt Jacqueline Karachi viel mehr als nur unbelebte Natur Bilderstrecke

          Wenn sie über die Schmuckstücke spricht, dann erzählt sie vor allem von den Steinen: „Hier haben wir einen Kaschmir-Saphir, über 29 Karat, schauen Sie sich das Dunkelblau des Steins an. Da müssen wir bescheiden sein.“ Oder: „Das ist ein ganz außergewöhnlich schwerer Tansanit. So einen findet man selten, fast 80 Karat.“ Jacqueline Karachi lebt ein Leben für die Juwelen. Dazwischen erzieht sie im 18. Arrondissement von Paris ihre zwei Kinder, macht Yoga und ist verheiratet. „Aber meinen Nachnamen wollte ich nach der Hochzeit schon behalten. Das ist doch mein Name.“ Wer korrekt sein will, muss hier also von Jacqueline Karachi-Langane schreiben. „Und überhaupt: Ich habe unter meinem Mädchennamen ja schon gearbeitet.“ Karachi, heute in den Fünfzigern, studierte zunächst Gravur an der Pariser Kunsthochschule École Boulle. „Das Fach war nicht allzu weit von den Schmuckateliers entfernt.“ Für sie sah das allerdings anders aus. Als sie im Jahr 1982 bei Cartier anfing, entwarfen vor allem Männer den Schmuck für Frauen. „Ich war erst die zweite weibliche Designerin.“

          Bei den Juwelieren herrscht beste Stimmung

          Natürlich ist das Entwerfen von Schmuck auch eine Frage von Kraft, und von der haben Frauen von Natur aus weniger. „Aber zugleich wissen Frauen intuitiv, was andere Frauen tragen wollen. Wir erreichen sie damit anders. Frauen fühlen sich durch unsere Entwürfe heute auf ungewöhnliche Weise berührt“, sagt Karachi, die mit leiser Stimme klare Ansichten vertritt. Wenn man sie fragt, wie viele Frauen heute bei ihr im Atelier arbeiten, zählt sie erst mal durch, als ob sie sich gedanklich selbst auf den neuesten Stand bringen wollte. „Ich muss tatsächlich immer zählen. Jedes Mal ist es eine mehr. Aber heute sind fast alle Designer hier Frauen.“

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