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Einstecktücher : Hier entsteht ein neues Muster der Männlichkeit

Einstecktücher der Marken Braska, Hackett, Hermès, Boss und Olymp in verschiedenen Rundkolben und Reagenzgläsern im Labor der anorganischen Chemie am Campus Riedberg der Goethe-Universität. Bild: Vogl, Daniel

Der Niedergang der Krawatte schreitet weiter fort. Immer mehr Männer tauschen den Schlips gegen einen gemütlicheren Freizeitlook ein. Könnte das etwas weniger populäre Einstecktuch eine Renaissance erleben?

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          Darf man an dieser Stelle daran erinnern, dass es um ein paar Instanzen im Leben des Mannes am Ende dieses Jahres nicht besser bestellt ist als am Anfang? Um Autos zum Beispiel, im Zuge des Abgasskandals. Und mit dem Niedergang der Krawatte, der in diesem Jahr ebenfalls fortschritt, droht eine weitere Bastion der Männlichkeit in sich zusammenzustürzen.

          Jennifer Wiebking
          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Krawatte hängt vielleicht noch tiefer durch. Selbst Männer, die sich auf einer zweistündigen Zugfahrt vom Geschäftstermin nach Hause auf dem Handy nur mit Bundesliga-Ergebnissen beschäftigen, tragen dabei jedenfalls häufig keine Krawatte mehr. Was wird da aus dem Freizeitwert, wenn man auch zur Arbeit so aufkreuzt, wie man auf der Couch des Kumpels zum Fußballgucken landet? Was trennt dann ernsthafte Schreibtisch-Arbeit und Zeit, in der man bedingungslos am Smartphone daddelt? Klar, es gibt noch das Jackett, aber das heißt heute schnell Freizeitjacke.

          Die Lösung könnte lauten: ein Einstecktuch. Das macht was her und wirkt trotzdem nicht so bemüht wie eine Krawatte. Es kann schlicht sein, wie das Modell von Hackett in Dunkelblau (Mitte) mit schmaler Paisley-Borte, oder so wild gemustert, dass das Gegenüber sich daraus sein eigenes Bild machen muss. Wenn die Zeit der Krawatte allmählich um ist, dann ergibt sich mit den Tüchern ein neues Muster. Auf dem Modell von Olymp (erstes von rechts, blau-weiß) könnte alles und nichts abgebildet sein: Buchrücken? Zigarettenstummel?

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          Die Kraft der Abstraktion, schon auf der Krawatte ein schönes Thema, weiß auch Jörg Broska auf seinen Einstecktüchern zu nutzen, selbst wenn dieses Broska-Modell (viertes von links, blau-rot) blumig ist. Die Tücher von Boss (erstes von links, in lila) und Hermès (drittes von links, in rot) muss man sich dagegen genauer anschauen. Mit etwas Vorstellungskraft erkennt man darin dann: Rot! Und Weiß! Bayern-München-Farben. Okay, aber nur dann.

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