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Familie von Arnim : „Wir glauben an Qualität und Langlebigkeit“

King of Cashmere: Valentin von Arnim übernimmt das Reich seiner Mutter Iris. Bild: Lucas Wahl

Wenn die Mutter als Mode-Ikone und Queen of Cashmere gilt, ist die Nachfolge heikel – für Valentin von Arnim war es „ein langer Weg“. Und der Weg vom Banker zum Designer.

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          Der Mann, der Valentin von Arnim gerne wäre, kann sein Auto selbst reparieren. Er geht surfen, gleitet über die Wellen, die kalte Gischt in seinen Augen macht ihm nichts aus. Nach dem Sport gönnt er sich ein Glas exzellenten Rotwein, gehüllt in einen 950 Euro teuren Kaschmirpullover mit Rippenbündchen und Waffel-Piqué-Muster von Iris von Arnim. Vielleicht hat der eine satte orange Farbe oder ein knalliges Pink, wie es Valentin von Arnim schon als Banker an der Wall Street gerne trug. Seine Vorgesetzte nannte ihn damals „Surfer Boy“, erzählt der heutige Unternehmenschef.

          Valentin von Arnim ist vor zwölf Jahren in das Strickunternehmen seiner Mutter Iris eingestiegen. Die inzwischen 73 Jahre alte Hamburgerin ist eine Institution in der deutschen Modebranche. Iris von Arnim war die Erste, die sich hierzulande an das Design von Strick wagte. Anfang der siebziger Jahre, nach einem schweren Unfall im Krankenhaus und einem Joint zu Rolling-Stones-Klängen, fing sie an, bunte Pullover mit oft wilden Prints zu stricken. Besonders bekannt ist auch heute noch ein weites Exemplar in Regenbogenfarben. Iris von Arnim hatte damals keine Ahnung von Betriebswirtschaft und Unternehmensführung, aber sie biss sich durch, später auch als alleinerziehende Mutter – mit einer „Street-Smartness“, wie ihr Sohn es nennt.

          Heute sind die Kleidungsstücke wesentlich schlichter als früher. Iris von Arnim hat rund 200 Kunden, die die Pullover, Seidenhosen und Shirts in eigenen Läden vertreiben – und einen Umsatz im unteren zweistelligen Millionenbereich. 15 Mitarbeiter arbeiten vor den Toren Hamburgs, 35 weitere in einer Gründerzeitvilla im vornehmen Harvestehude. Dort hat nicht nur die Marke ihren Sitz, sondern auch Iris von Arnim ihre Wohnung.

          Aus Mami wird Iris

          Man merkt Valentin von Arnim an, dass er gerne etwas weiter weg vom Zuhause seiner Mutter arbeiten würde. Er habe über einen Umzug nachgedacht, sagt er, dann wäre er unabhängiger. Aber wer gibt schon eine Villa in Harvestehude auf? Und seine Mutter, die noch immer Kreativchefin des Unternehmens ist, sei ohnehin gerade viel auf Sylt. Mittlerweile hat sie auch das große Büro mit Gartenzugang aufgegeben und ist drei Stockwerke weiter nach oben gezogen. Das habe Jahre gedauert, sagt der Sohn. Er nennt seine Mutter nicht mehr „Mami“, seit er seine Stelle bei Goldman Sachs in New York aufgegeben hat und zurück nach Hamburg gegangen ist. Stattdessen sagt Valentin von Arnim: „Mit Iris und mir war es ein langer Weg.“ Er meint damit den Generationenwechsel in dem Unternehmen. „Iris dachte: Er kommt, und – Peng! – sind wir ein modernes Unternehmen.“

          Seine Mutter hatte sich getäuscht, obwohl Valentin von Arnim sehr viel technikaffiner ist als seine Mutter, die weder einen Computer noch einen E-Mail-Account hat. Nach vielen Auseinandersetzungen holten sich die beiden schließlich Berater ins Haus, die den Übergang erleichtern sollten. Valentin von Arnim lernte, anders mit seiner Mutter zu sprechen, zum Beispiel nicht zu antworten: „Was für ein Quatsch!“, wenn sie über Dinge redet, die nicht ihm, aber ihr wichtig sind, sondern erst mal zuzuhören und dann vorsichtig Alternativen vorzuschlagen. „Wir haben es gemeistert“, sagt er jetzt erleichtert. Seine Mutter habe lockergelassen.

          Iris von Arnim war eine leidenschaftliche Chefin. Wenn Kollektionsteile am Ende der Saison im Lager landen, weil niemand sie kaufen wollte, fühlt sie sich persönlich beleidigt. Sie ist nicht leicht zu ersetzen, heute kümmern sich drei Leute um die ehemaligen Aufgaben der Gründerin. Iris von Arnims Meinung zählt immer noch viel, aber ihr Sohn hat einen anderen Führungsstil etabliert.

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