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Familie von Arnim : „Wir glauben an Qualität und Langlebigkeit“

Aufregend, strahlend, stylisch

Valentin von Arnim gibt sich betont locker, trägt lieber Strickblazer und Sneaker statt Anzug und Budapester und betont immer wieder, wie viel er mit seinen Mitarbeitern auf Augenhöhe diskutiert. Wenn der 39 Jahre alte Unternehmer seine Kundinnen beschreibt, benutzt er Marketing-Begriffe wie „aufregend“, „strahlend“ und „stylish“. Er bewegt die Hände, als würde er etwas erfühlen, wenn er über die weichen Stoffe der Kleider spricht, die im Raum nebenan unter den hohen Decken des Showrooms hängen.

Der Strick, die Stoffe sind bei Iris von Arnim noch wichtiger als die meist klassischen, aber manchmal auch sehr trendigen Formen der Kleider. Das Unternehmen gibt doppelt so viel Geld für die Produktentwicklung wie für das Marketing aus. Jede Saison kommt eine neue Stricktechnik oder ein neues Material hinzu. So versucht es, sich von anderen Kaschmir-Marken abzugrenzen, die ihre Produkte oft für weniger Geld verkaufen.

Denn in Deutschland gibt es kaum noch Designer, die sich ins oberste Luxussegment trauen, wo ein Pullover für 500 Euro zu den günstigen Produkten gehört. Abseits von Hamburg, Sylt und München sind nicht viele Deutsche bereit, ganze Monatsgehälter in ein Kleidungsstück zu investieren. Auch deshalb sieht Valentin von Arnim noch viel Potential auf dem Markt. Er hofft, die Frankfurter Banker als Kunden zu gewinnen, wenn die Kleidervorschriften nun immer lockerer werden und sich die Angestellten nach bequemen, hochwertigen Alternativen umschauen. Der Unternehmer gibt allerdings zu, dass Frankfurt ein schwieriger Markt ist, hier gehören teure Autos mehr zum guten Ton als Designermode.

Trotzdem würde Valentin von Arnim nie eine günstigere Parallellinie herausbringen, wie es schon viele Designer gemacht haben, um den Kundenkreis zu erweitern. Massenware ist nicht sein Ding. „Wir glauben an Qualität und Langlebigkeit“, sagt er. Zwei Drittel der Kleider werden in Italien hergestellt, die handgestrickten Teile in Polen, wo mehr Arbeiter mit der benötigten Expertise zu finden sind. Auch China ist ein Produktionsland. Valentin von Arnim sagt, seine Marke brauche das technische Wissen, das dort zu finden sei.

Seit der Sohn in das Unternehmen eingestiegen ist, hat sich viel getan: Valentin von Arnim hat einen Onlineshop aufgebaut, eine Herren-Kollektion entwickelt, mehr Auslandskunden gewonnen. Nur die Inlandskunden sind weniger geworden. „Durch den Wandel im Markt, gibt es heute einfach weniger Geschäfte in ländlichen Regionen“, sagt er. Der Einbruch des stationären Handels ist auch für ihn ein Problem, wenn auch weniger als für andere Marken. Zwanzig Prozent des Umsatzes macht Iris von Arnim mittlerweile über den Online-Handel. Drei eigene Läden auf Sylt, in Düsseldorf und München verkaufen die Kaschmir-Pullover. Es gab auch mal eine eigene Boutique in Kitzbühel, aber die wurde wieder eingestampft. „Wir wachsen stetig und gesund“, sagt er dazu nur ausweichend.

Der ehemalige Banker ist zwischen den Entwürfen seiner Mutter aufgewachsen, das Kinderzimmer lag direkt neben dem Büro der Designerinnen. Während seine Grundschulkameraden Sonnen, Strichmännchen und Autos malten, zeichnete er Pullover. Mit 19 wollte er dann nur noch raus, es war zu viel Mode um ihn herum. Er schob den Gedanken, dass er mal das Familienunternehmen übernehmen würde, vor sich her, genoss das Studium und die Arbeit in Amerika. Er arbeitete gerne, oft 120 Stunden in der Woche, in der Freizeit ging er feiern. Dann rief ihn seine Mutter an und fragte, ob er nicht zurückkommen wolle. Er sagte ja.

Das Unternehmen

Die Unternehmerin Iris von Arnim begann mit dem Stricken, als sie sich nach einem Autounfall im Krankenhaus wiederfand. Aus diesem Zeitvertreib erwuchs in den späten siebziger Jahren ein internationales Modeunternehmen, das heute einen Umsatz im unteren zweistelligen Millionenbereich verzeichnet und 50 Mitarbeiter beschäftigt. Die Iris von Arnim GmbH ist bekannt für hochwertige Kaschmirpullover, die zu großen Teilen in Italien gefertigt werden. Seit 2006 arbeitet auch Iris von Arnims Sohn Valentin im Unternehmen, seit 2009 als Geschäftsführer neben seiner Mutter. Valentin von Arnim kümmerte sich zunächst um den internationalen Vertrieb und das Marketing. In den vergangenen Jahren aber hat sich Gründerin Iris von Arnim aus dem operativen Geschäft zurückgezogen, und seitdem ist ihr Sohn die Nummer eins im Unternehmen. Der ehemalige Investment-Banker hat Kunstgeschichte und Wirtschaft am Williams College in Massachusetts studiert und danach vier Jahre in New York gelebt. Das pulsierende Leben der Stadt vermisst er heute noch. Wenn der 39 Jahre alte Unternehmer genug von Hamburg hat, reist er in die Berge zum Skifahren.

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