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Berliner Designer : „In Seoul spürt man Modebegeisterung“

Der Concept Store von Andreas Murkudis (rechts) gehört zu den wichtigsten Mode-Adressen in Berlin. In dem Geschäft an der Potsdamer Straße verkauft er auch die Entwürfe seines Bruders, des Modedesigners Kostas Murkudis. Bild: Helmut Fricke

Andreas Murkudis ist Besitzer des Concept Stores, einer der wichtigsten Mode-Adressen in Berlin. Die Besonderheit: Murkudis verkauft seit Kurzem nun auch koreanische Modelabels. Ein Interview.

          1 Min.

          Andreas Murkudis, in Ihrem Berliner Geschäft verkaufen Sie jetzt auch koreanische Modelabels. Wie sind Sie darauf aufmerksam geworden?

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Zum ersten Mal vor zweieinhalb Jahren, auf der Fashion Week in Seoul. Seitdem war ich in jeder Saison dabei. Das ist für mich die am besten organisierte Modewoche überhaupt. Man verpasst nichts, und die Talente sind sichtbar. In Tokio ist das zum Beispiel anders. Die japanischen Labels, die ich kaufe, entdecke ich eher privat oder in Paris. In dem Gebäude von Zaha Hadid in Seoul sind es hingegen gut 40 Schauen, und man spürt eine große Begeisterung für Mode. Die Jugendlichen zeigen sich dort, und sie haben dabei einen Spaß, der in dieser Konzentration anderswo nicht zu erleben ist.

          Was entdecken Sie dort, das man noch nicht kennt?

          Ich habe dort zum Beispiel Jin Teok getroffen, heute eine meiner liebsten Designerinnen. Damals kannte ich sie gar nicht. Es stellte sich heraus, dass sie 83 Jahre alt ist und seit 50 Jahren Mode macht, die eher minimalistisch ist, schöne Stoffe, eine tolle Kollektion. Oder Rokh, ein Südkoreaner, der früher bei Céline gearbeitet hat und jetzt in der zweiten Saison eine eigene Kollektion macht.

          Und Sie verkaufen das jetzt auch?

          Ja. Zum Gallery Weekend plane ich eine Präsentation mit den zehn besten koreanischen Designern. Zwei Marken habe ich schon jetzt gekauft. Dabei ist ein jüngeres Label, das heißt Ader Error, das sich mit seiner Mode vom Modesystem distanzieren möchte: Es gibt alles nur in einer, höchstens zwei Größen, es ist unisex und recht günstig, eine Mütze kostet zum Beispiel 30 Euro. Wenn man die Leute hinter Ader Error an einem kühlen Apriltag in ihrem Laden in Seoul besucht und nach der Sommerware fragt, antworten sie: Solange es nicht wärmer ist, verkaufen sie weiter Winterware. Sie sind entspannt, und es funktioniert. Jetzt im Januar, zur Fashion Week in Berlin, bekommen wir eine Kollektion von Ader Error mit mehr als 400 Teilen.

          Funktioniert diese Mode auch in Südkorea?

          Man hat den Asiaten oft vorgeworfen, sie würden sich vor allem an großen Marken orientieren. Jetzt überlegen sie sich aber, was es sonst noch gibt, was nicht jeder kennt, also Marken, die nicht Dolce & Gabbana oder Gucci sind. Wir sehen das an unseren asiatischen Kunden. Sie kaufen natürlich auch mal Céline, aber ansonsten viele kleinere Marken wie Sara Lanzi oder Roberta Furlanetto. Das interessiert sie mehr als das 65. Marni-Kleid.

          Die Kunden suchen nach etwas, das sie noch nicht kennen?

          Ja, wir verkaufen diese Marken wahnsinnig gut, ohne sie groß zu bewerben. Man fasst die Sachen an und greift dann auch schnell zu.

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