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Interview mit Sidney Toledano : „Rihanna hilft uns bei der Markenbildung“

Sidney Toledano (links) und Rihanna vor einer Dior-Schau im Juni. Bild: AFP

Sidney Toledano, der Geschäftsführer von Dior, spricht im Interview über Modehandel in Zeiten des Boutiquensterbens, den Designer Raf Simons und die Zusammenarbeit mit Stars.

          6 Min.

          Monsieur Toledano, was treibt Sie nach Deutschland?

          Alfons Kaiser
          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Da gibt es mehrere Gründe. Gestern war ich in Pforzheim bei Henkel & Grosse, unserer Schmuckfirma. Sie hatte schon zu Monsieur Diors Zeiten eine Lizenz, seit 1955. Im Jahr 2005 habe ich die Firma für Dior gekauft. Sie stellt für uns nicht die „Haute Joaillerie“ von Victoire de Castellane her, sondern den Modeschmuck, den unser Chefdesigner Raf Simons selbst entwirft. Tolle Qualität! Die Mitarbeiter hatten erst am Morgen Rafs Zeichnungen bekommen und werkelten am Nachmittag schon an den Prototypen. Sie sehen: Wir verkaufen nicht nur unsere Produkte in Deutschland, wir lassen sie auch teils hier herstellen.

          In Düsseldorf und in Frankfurt haben Sie gerade neue Boutiquen eröffnet. Es war jeweils nicht ganz klar, wann die Läden öffnen. Wie kommt das?

          Ganz einfach: Sie machen erst ihre Türen auf, wenn ich sie gesehen habe. Als ich 1994 bei Dior anfing, war München der erste Laden, den wir in Deutschland aufgemacht haben. Vorher waren wir hier kaum existent, nur über Kaufhäuser und Boutiquen. Bis vor etwa einem Jahrzehnt waren Multi-Brand-Stores für uns die besten Adressen, um Mode zu verkaufen, weil sie die örtlichen Kunden kannten.

          Seitdem hat sich der Luxusmode-Handel stark verändert. Die großen Marken eröffnen viele eigene Läden und ziehen sich aus dem Großhandel und den Boutiquen zurück. Ihr Düsseldorfer Geschäft steht symbolisch dafür: An der Königsallee 30 residierte jahrzehntelang Eickhoff, ein wichtiger Mode-Einzelhändler, der vergangenes Jahr aufgab. Und dann kamen Sie.

          Nein, dann kam er! Bei Eickhoff haben wir lange sehr erfolgreich unsere Mode verkauft. Dann sagte Albert Eickhoff mir, dass er aufhören will – und ob wir die Fläche haben wollten. Es war also ein logischer Schritt, weil wir eben nicht nur unsere Mode, sondern auch all unsere Accessoires und Schuhe in schönem Ambiente selbst inszenieren wollen.

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          Der Frankfurter Laden ist kleiner.

          Das einzige Problem in Deutschland: Es gibt nicht viele gute Lagen. Die Goethestraße ist ziemlich kurz.

          Und man muss viel „key money“ bezahlen, um Ladenflächen vom Vormieter übernehmen zu können.

          Das „key money“ ist zumindest in Deutschland nicht das Problem. Es geht darum, Flächen zu finden. Die Luxusmeilen sind kleiner als in Paris oder London. Man muss die Gelegenheit abwarten, wie auch in Frankfurt, wo Louis Vuitton umgezogen ist und Platz für uns frei wurde.

          Der Luxusmarkt in Deutschland entwickelt sich gut. Woran liegt’s?

          Noch vor 30 Jahren habe ich gesagt: Die Deutschen lieben Autos, sie reisen gern, sie kaufen Häuser in Spanien. Das hat sich gewandelt. Sie kaufen heute auch viel mehr Luxusprodukte. Zudem gibt es viele Touristen aus Asien, denn Deutschland ist freundlich, sicher, international beliebt, die wirtschaftliche Lage ist gut – und der Service stimmt.

          Wenn große Marken wie Dior immer mehr eigene Geschäfte eröffnen, kommen Einzelhändler und Kaufhäuser in immer größere Schwierigkeiten.

          Das ist aber auf der ganzen Welt so. Der einzige interessante Multi-Brand-Ansatz heute sind Concept Stores wie Colette oder L’Eclaireur in Paris oder Dover Street Market in London.

          Man muss also spezialisiert sein und eine bestimmte Zielgruppe ansprechen.

          Ja. Wir haben zum Beispiel einen Pop-up-Store mit Colette gemacht, das ist etwas Besonderes, weil die Kunden sehr trendig sind. Wenn man nicht diese besonderen Kunden hat, steht man in Konkurrenz zu Mono-Brand-Stores.

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