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Interview mit Sidney Toledano : „Rihanna hilft uns bei der Markenbildung“

Aber die großen Marken treiben doch den Einzelhändler geschäftlich in die Enge. Denn sie geben ihm vor, dass er nicht nur Bestseller zu ordern hat, sondern auch andere Kollektionsteile, die nicht so attraktiv sind.

Nein. Wir müssen unsere Marke stets auf bestmögliche Art darstellen. Der Kunde will einfach mehr sehen und kaufen als das, was die Händler von uns ordern. Aber wie gesagt: Den professionellsten von ihnen geht es gut. Herr Eickhoff hat selbst entschieden aufzuhören. Wir machen ja auch teils weiter mit Kaufhäusern. Die großen Häuser wie Galeries Lafayette, Bon Marché, Harrod’s, KaDeWe, Rinascente haben inzwischen große Abteilungen für bestimmte Kategorien wie Schuhe, und es gibt Shop-in-shops. Da funktioniert die Balance – in Amerika sind wir zum Beispiel bei Bergdorf Goodman, Neiman Marcus und Saks vertreten.

Die Umsätze haben sich jedenfalls stark verlagert. Als Sie vor 21 Jahren bei Dior begannen: Wie viele Läden hatte die Marke da?

Sieben. Heute sind es weit mehr als 200. Mehr als 90 Prozent unseres Geschäfts machen wir inzwischen in eigenen Geschäften. Wir brauchen viel Fläche, wir brauchen unser eigenes Personal, wir müssen viele Produkte zeigen. Wir wollen uns aber nicht selbst belügen. Es muss alles passen, so wie jetzt in Düsseldorf oder Frankfurt: die Kunden, der Geschäftsführer, das Team.

Vor gut vier Jahren haben Sie John Galliano wegen antisemitischer Äußerungen vor die Tür gesetzt. Dann dauerte es ein Jahr, bis Sie den neuen Designer Raf Simons vorstellten. War das Marketing? Die Szene hat ein Jahr lang über mögliche nächste Dior-Designer gerätselt.

Natürlich nicht, auch wenn wir Marketing-Genies sind. Der Markt hatte eben riesige Erwartungen. Und bei der Suche muss man an die Geschichte der Marke denken, an die Mitarbeiter, die Zukunftsaussichten, Managementfragen – da gab es natürlich viele Diskussionen. Am Ende haben wir uns für Raf entschieden, und es war genau die richtige Wahl.

Was hat letztlich den Ausschlag gegeben für ihn als Designer?

Es ging natürlich um die Wurzeln und die Werte der Marke. Die Entwicklung mit neuen Produktgruppen zum Beispiel war vorgezeichnet. Wir sind ja kein Start-up. Die Firma war schon groß, wir konnten nicht von vorne anfangen. Und da ist dann die Frage, wer Dior am besten weiterentwickelt und Neues in die Tradition bringt. Nicht zuletzt war er überzeugend durch seine Persönlichkeit.

Er ist ein moderner Designer, Marc Jacobs zum Beispiel ist ein paar Jahre älter.

Ich mag sie alle: Raf, Phoebe Philo, Marc Jacobs. Das sind die Designer von heute und von morgen. Raf ist Perfektionist. Wenn man ihn beim Fitting sieht, ist das beeindruckend. Er hat ein Auge wie ein Architekt oder ein Maler. Er sieht Dinge, die wir nicht sehen. Er kennt sich mit moderner Kunst aus, mit Design, mit Couture – und er weiß, dass die Frau das am Ende tragen können muss. Raf passt perfekt. Vielleicht wäre es aber natürlich auch mit Marc ein Erfolg geworden.

Wie oft treffen Sie Ihren Chefdesigner?

Wir können jederzeit miteinander reden. Manchmal haben wir Meetings, manchmal klopfe ich an die Tür. Unsere Kommunikation ist sehr unkompliziert.

Aber es ist nicht einfach, mit Genies zusammenzuarbeiten. Das sind Künstler, und Sie sind ein Geschäftsmann.

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