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Wurde in aller Welt gefeiert: Ingo Maurer Bild: Picture-Alliance

Ingo Maurer gestorben : Die Glühbirne ließ ihn nicht los

Ingo Maurer wuchs in dunklen Zeiten auf, dann wurde er zum in aller Welt gefeierten Lichtpoeten. Am Montag ist der „Magier des Lichts“ im Alter von 87 Jahren in München gestorben. Ein Nachruf.

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          Zum Licht fand er als kleiner Junge. Ingo Maurer, Jahrgang 1932, wuchs in Niederzell auf der Bodensee-Insel Reichenau auf. Sein Vater war dort Fischer. „Als Junge war ich sehr viel auf dem See“, erzählte Ingo Maurer dieser Zeitung einmal. „Ich lag auf dem Rücken in einem Boot und schaute verträumt in den Himmel.“ Die Reflexion der Sonnenstrahlen auf dem Wasser und in den Blättern der Bäume habe sich in sein Gedächtnis eingebrannt. Und auch, wie herrlich das Licht durch die Fenster der Kirche St. Peter und Paul in Niederzell nach draußen fiel.

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Ingo Maurer wuchs in dunklen Zeiten auf, auch wenn der Krieg auf der Reichenau fern zu sein schien. Nach dem Krieg begann er eine Lehre zum Schriftsetzer in Konstanz und studierte dann Grafik in München. In der Stadt, der er zeitlebens treu blieb, wurde er zum „Lichtpoeten“, als der er in aller Welt gefeiert wurde. Seinen Durchbruch hatte er 1966 mit der Bulb, einer überdimensionierten gläsernen Skulptur, geformt wie eine Glühbirne. Er wollte ihr ein Denkmal setzen, weil sie, wie er glaubte, „die ideale Symbiose von Poesie und Technik“ sei. Der Entwurf und viele weitere seiner Arbeiten findet sich nicht nur in den Sammlungen der wichtigsten Museen der Welt, darunter im Museum of Modern Art in New York. Mit Bulb begann auch die Erfolgsgeschichte des Münchner Unternehmens, das bis heute seinen Namen trägt.

          Die Glühbirne, die allabendlich das letzte Feuer in unseren Wohnungen entfachte, ließ ihn nicht los. Statt sie, wie andere Designer, unter einem Schirm zu verstecken, verlieh er ihr kleine Flügel, ließ Schmetterlinge um sie kreisen oder machte aus ihr ein Hologramm, das von einem LED-Spot angestrahlt wird. Ingo Maurer ging aber auch mit der Zeit: Er war einer der ersten, der in den achtziger Jahren mit Niedervolt-Halogen-Systemen experimentierte, der schon 2001 eine LED-Schreibtischleuchte auf den Markt brachte und 2006 OLEDs verwendete.

          Lampen als Kunstobjekte: Glas-Hologramm für die Wand von Ingo Maurer

          Ingo Maurer erleuchtete aber nicht nur Wohn- und Schlafzimmer, sondern auch große Räume, bespielte U-Bahn-Stationen und Messehallen – bis zuletzt, obwohl er seit einiger Zeit des Öfteren auf einen Rollstuhl angewiesen war. Sein letztes Meisterwerk wurde erst am Samstag vorgestellt: Seither erstrahlt das Münchner Residenztheater in neuem Licht. Dafür hat Maurer eine zwölf Meter lange Wolke aus 3000 reflektierenden Silberblättern geschaffen, die durch sieben goldfarbene Ventilatoren ständig in Bewegung gehalten werden.

          Im Fragebogen des Magazins dieser Zeitung hat er noch im Mai auf die Frage, was sein größtes Talent sei, geantwortet: die Ungeduld. Am Montag ist der „Magier des Lichts“ im Alter von 87 Jahren in München gestorben.

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