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Modedesign : Der große Trip

„Lebe in meiner eigenen Uniform“

Das müssen nicht zwingend Teile von Joseph sein, die trägt Trotter selbst auch nicht ausschließlich. „Gebe ich ungern zu, aber die dunkelblaue Hose, die ich heute trage“, ein Culotte-Modell, „ist von Céline. Aber der Kaschmirpullover ist von Joseph“, versichert sie noch schnell hinterher. Während Trotter erzählt, stülpt sie abwechselnd mal die rechte Hand in den linken Kurzärmel, mal den linken Arm - an dem im Übrigen noch eine große Rolex-Uhr mit blauem Zifferblatt sitzt - in den rechten Ärmel. „Ich lebe ja selbst in meiner eigenen Uniform.“

Dazu gehören unter anderem mehr als ein Dutzend alter Jeans der französischen Marke A.P.C., die ihr Mann zuvor „eingetragen“ hat. Jedes Jahr zu Weihnachten schenkt Trotter ihm ein brandneues Modell, und zum Fest im darauffolgenden Jahr bekommt sie das Paar zurück und trägt es fortan selbst - dann mit dem gewissen persönlichen Charakter.

Gut möglich, dass Louise Trotter damals vor fünf Jahren gerade deshalb die richtige Kandidatin für den Joseph-Job war, weil sie neben ihrem praktischen Anspruch an Mode auch so lange wühlt, bis sie deren Charakter, also eine bestimmte Haltung, gefunden hat. Die war bei Joseph in den Jahrzehnten zuvor verlorengegangen.

Joseph Ettedgui gründete die Marke in den frühen achtziger Jahren, er erfand den ersten Concept Store an der Londoner Fulham Road und kreierte mit diesen Bausteinen ein kleines Lifestyle-Imperium. „Dieser Joseph-Stil war auch eine Uniform für sich, den man überall wiedererkannt hat“, erinnert sich Trotter, deren Leidenschaft für Mode maßgeblich von der Joseph-Zeit damals geprägt wurde.

Ähnlich reduziert wie in den Neunzigern

Anschließend wechselte die Marke öfter den Eigentümer und verlor zunehmend an Richtung, bis sie im Laufe der nuller Jahre an die japanische Onward Holding ging. 2009 holte man sich Trotter ins Haus. Dass die mit den als nicht ganz einfach geltenden Onward-Besitzern klarkommen dürfte, könnte schon wieder ihrem Privatleben geschuldet sein. Wenn man schon mit einem Japaner verheiratet ist.

Die Markenstrategie in ihren Worten: „Ich würde niemals auch nur eine Minute lang denken, dass ich etwas Ähnliches schaffen würde wie der Gründer der Marke. Aber trotzdem glaube ich, dass vieles heute gar nicht mal so anders läuft als in den Neunzigern, die Leute sehnen sich nach einer persönlichen Uniform, das war damals nicht anders.“

Es spricht wirklich einiges dafür, dass sich die Leute heute nach einer ähnlich reduzierten Ästhetik wie damals in den Neunzigern sehnen. Jener Zeit, als viele den glitzernden Eighties-Quatsch satthatten, während man heute im Leben sowieso von allem zu viel hat, zu viel im Kleiderschrank, zu viel um die Ohren, zu viele Möglichkeiten.

Auch eine Marke hat heute viel mehr Verpflichtungen. „Man muss zum Beispiel viel mehr Länder auf einmal bedienen“, erklärt Trotter. Heute muss ein Haus für Kunden in Moskau wie Miami entwerfen und auch ein paar Teile für den australischen Sommer in der Kollektion haben, obwohl dann in Europa Winter ist. „Keine Marke arbeitet heute mehr für einen einzigen Markt oder gar nur das Heimatland.“ Und wer würde das besser verstehen als eine Designerin, die immer unterwegs ist.

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