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Modedesign : Der große Trip

Working mums von heute eben

Die Trotters sind deshalb zu einem speziellen System übergegangen; so manche der Familien, die jetzt wieder ganze Vierertische und Abteile in den ICEs blockieren, während sie zu ihren Lieben quer durch Deutschland fahren, würden sie dabei womöglich mit gemischten Gefühlen beobachten. „Wir teilen uns auf“, erklärt Trotter die Methode. „Selbst wenn wir alle auf dem Weg nach Paris sind, würden wir niemals zu fünft in den Zug steigen.“ Stattdessen nimmt ihr Mann, Yuske Tanaka, ein japanischer Fotograf, die beiden Älteren und reist mit ihnen in einem Zug, während Trotter mit der Jüngsten einen anderen nimmt.

„Oft schaue ich schon neidisch auf diese anderen Leute, die dort einfach sitzen und einen Film gucken oder so was“, sagt Trotter. „Dann komme ich in Paris an und denke, was, jetzt muss ich auch noch zur Arbeit? Aber natürlich ist es eigentlich toll, auf diese Weise zweieinhalb Stunden nur mit meinem Kind verbringen zu können.“ Working mums von heute eben.

„Was für eine Verschwendung“

So gesehen ist es fast selbstredend, dass Trotter damals vor zwei Jahren, als sie mit ihrer jüngsten Tochter Gaia schwanger war, so lange gearbeitet hat - und somit auch gependelt ist -, dass sie sich bei Eurostar informieren musste, was passieren würde, wenn die Fruchtblase während der Fahrt platzt. Der Zug wird in solchen Fällen wohl angehalten.

Was für Mode entwirft jemand, der so lebt, dessen eigene Kleider ständig mit hin und her reisen? „Wenn ich Leute mit viel Gepäck sehe, denke ich jedes Mal, ob die wirklich wissen, was sie sich da antun“, sagt Trotter. „Ich bin bei diesem Thema mit mir selbst richtig streng und werde wütend, wenn ich irgendein Teil aus dem Koffer gar nicht trage. Was für eine Verschwendung, es überhaupt mitzunehmen.“

„Stil in Paris viel traditioneller“

Trotter geht es bei Stücken um Klassik und Langlebigkeit, und weil ihr das für ihren eigenen Kleiderschrank doch zu wenig wäre, sie also weiß, dass Basics kaum genügen würden, um einer angestaubten Marke neues Leben einzuhauchen, fügt sie schnell hinzu, dass die Teile auch wie „unglaublich von heute“ aussehen müssen. „Beim Entwerfen hilft es mir, in beiden Städten zu leben.“ In London und Paris.

„In Paris mag man die klassischeren Stücke, der Stil ist viel traditioneller. Aber sobald ich mit dem Zug in London ankomme, fühle ich mich wie ein Konsument. Die Mode dort ist so viel schneller, mir fällt plötzlich dieses und jenes auf, das ich unbedingt haben möchte.“

In ihrer Arbeit ergibt der London-Paris-Mix eine Art Uniform, aus klassischen Teilen wie schlichten Wollmänteln, schwarzen Hosen, mit denen schon der Gründer der Marke, Joseph Ettedgui, in den Neunzigern erfolgreich war, und Stücken, die man unbedingt haben möchte.

No-Nonsense-Mode

Dicke gemusterte Strickpullover zum Beispiel, von denen die schönsten Modelle wie jetzt in den Joseph-Läden in London meistens ausverkauft sind. Oder maskulin anmutende Teile, die trotzdem für Damen sind. „Ich selbst habe ja auch nicht stundenlang Zeit, mir Gedanken über mein Outfit zu machen. So geht es, glaube ich, vielen Frauen. Deshalb finde ich diese Uniform-Idee, dass jedes Teil seinen Sinn hat, sehr reizvoll.“

In Zeiten, da es weder an Modeprodukten noch an Marken mangelt, Konsumenten stattdessen mit immer neuen Ideen und Kollektionen überschüttet werden, könnte der Gedanke einer persönlichen Uniform, die man sich bewusst aus wenigen Stücken zusammenstellt, tatsächlich wichtig sein. Da immer mehr Kunden dabei so leben wie Trotter - gut, vielleicht nicht ganz so extrem -, aber Arbeitsplätze heute nicht mehr an bestimmte Arbeitsorte gebunden sind, dürfte es für diese No-Nonsense-Mode, die trotzdem ein gewisses Etwas hat, eine Zielgruppe geben.

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