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Mode in der Politik : Gibt es auch in Pink

Jung, weiblich, mächtig, trägt Pink: Alexandra Ocasio-Cortez im April im Kapitol in Washington. Bild: Reuters

Die lieblichste aller Farben mag für vieles stehen, aber kaum für die Demonstration von Macht. Das könnte sich jetzt ändern. Die ersten Politikerinnen tragen es schon.

          Diesen Auftritt kann man schwer vergessen: Anfang April, die Verleihung des Deutschen Computerspielpreises stand an, und Digitalstaatsministerin Dorothee Bär, für die dieser Anlass ein Termin war, kam in einem Kleid, das mehr Kostüm war. Die Berliner Designerin Marina Hoermanseder hatte es entworfen, einen Rock aus Schnallen in Blau, an der Seite zwei pink schimmernde Streifen. Dazu ein knappes Bustier, ebenfalls in Pink, aus Leder. Ein Mitglied der CSU als „Wonder Woman“, klar, dass Dorothee Bär damit die Aufmerksamkeit an diesem Abend für sich gesichert hatte. Wer jemals angezweifelt hat, dass Politik auch Personality-Show ist, dürfte nach dieser Veranstaltung vom Gegenteil überzeugt worden sein. „Wonder Bär Woman“ fiel auf im schulterfreien Kleid mit Schnallen.

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Das Pink dieses Looks war allerdings keine große Überraschung; in Pink ist sie öfter zu sehen. Die Digitalstaatsministerin trägt pinkfarbene Hose zur pinkfarbenen Bluse zur Kabinettssitzung im Kanzleramt. Oder, wie im März, einen pinkfarbenen Mantel zur Vorstellung eines Flugtaxis in Ingolstadt, zwischen Männern in Grau-Schwarz. Oder, wie am vergangenen Mittwoch, ein Kleid in Pink zu spitzen Schuhen in Pink zum Treffen der Digitalminister der G-7-Staaten in Paris.

          Und sie ist nicht allein. Von der CDU ist zum Beispiel Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner dabei – mal in Blazern in zartem Rosé, mal in Knallpink – und von der SPD die jetzt wegen Plagiatsvorwurf in ihrer Doktorarbeit unter Druck geratene Familienministerin Franziska Giffey – sie trägt hin und wieder Kleider in Pink.

          Pink liegt total im Trend

          Wenn Mode unter deutschen Politikern lange Zeit mehr Tabuthema war, als das in anderen Ländern der Fall ist, etwa in Frankreich, wo Ministerinnen unter François Hollande früher freimütig mit Designer-Handtaschen Richtung Elysée-Palast stolzierten, oder in Großbritannien, wo Theresa May von Beginn an keinen Hehl aus ihrer Leidenschaft für Schuhe gemacht hat, dann dürften wir mit diesem Pink jetzt mal tatsächlich total im Trend liegen. Auch in den Vereinigten Staaten ist Pink ein Thema, etwa für Nancy Pelosi, Sprecherin des Repräsentantenhauses, die sich als Gegenspielerin von Donald Trump sogar in einem Kleid in Knallpink im Januar vereidigen ließ und kurz darauf, für ein offizielles Foto, pinkfarbene Schuhe zum magentafarbenen Hosenanzug trug.

          Sprecherin des amerikanischen Repräsentantenhauses Nancy Pelosi Bilderstrecke

          Oder für ihre Demokraten-Kollegin Alexandria Ocasio-Cortez (AOC). Die hält nach ein paar Monaten im Amt, mit 29 Jahren jüngste Abgeordnete im Repräsentantenhaus, schon inoffizielle Titel wie Politik-Popstar und Rockstar und rising star, und dass sie diesen Star-Kult auch mit einem Look pflegt, der sich aus mehreren Markenzeichen zusammensetzt, zeigen die große Brille, der Mittelscheitel, der kirschrote Lippenstift. Hin und wieder trägt sie dazu Knallpink.

          Und während es der britischen Premierministerin durchaus nachzusehen ist, im Brexit-Chaos keinen Kopf für diese aktuelle Trendwende zu haben, sie sich stattdessen häufig an die Farbe Tory Blue hält, distanzieren sich einige ihrer politischen Gegnerinnen auch optisch, mit politischem Pink. Die schottische Ministerin Nicola Sturgeon, die in natürlicher Opposition zum Brexit steht, zum Beispiel.

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