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Image-Direktor von Cartier : Der Wächter des Schatzes

Auf der ganzen Welt sucht er nach den Pretiosen: Pierre Rainero. Bild: Cartier

Bei Cartier ist Pierre Rainero nicht nur ein Manager. In dem französischen Traditionshaus hütet er ein großes Erbe voller Geschichten und Geheimnisse.

          6 Min.

          Selbst die Buchhaltung ist wertvoll. Anders wertvoll als der eigentliche Schmuck, anders als etwa ein Cartier-Collier von Elizabeth Taylor, deren Sammlung vor zwei Jahren für umgerechnet 89 Millionen Dollar versteigert wurde. Aber die Bücher in den Archiven von Cartier haben durchaus ihren Wert. In ihnen stecken ziemlich saftige Geschichten. Sie dokumentieren jedes einzelne Schmuckstück, sein Gewicht, seinen Preis, die Art von Steinen, die verwendet worden sind, seine Herstellungsweise - und auch seinen Käufer. „Nehmen wir mal an, Sie suchen nach einem Stück, das Ihr Vater vor vielen Jahren in Auftrag gegeben hat“, sagt Pierre Rainero, der Cartier kennt wie wenige andere. „Und dann erfahren Sie aus den Büchern noch von einem weiteren Stück, das allerdings nicht für Ihre Mutter gedacht war.“ Rainero schmunzelt ein bisschen. „Das wäre schon ein Problem. Oder denken Sie an Verwandte, die sich fragen, warum jemand anderes aus der Familie vielleicht dieses oder jenes Stück erhalten hat.“

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Was in den Büchern von Cartier steht, das soll auch dort bleiben. Sie sind in Genf gelagert, an einer unbekannten Adresse. Nur wenn alle Familienmitglieder ihre Einwilligung geben, darf ein Nachkomme überhaupt einen Blick in die Bücher werfen. Ihr oberster Beschützer heißt Pierre Rainero. Die vom Haus vorgegebene Verschlossenheit weiß er mit eigener Freundlichkeit zu kompensieren. Von der Pariser Firmenzentrale aus hütet er das Erbe von Cartier, die Schmuckstücke, die Archive und somit auch die Geschichten über Liebe und Verzweiflung, über Wiedergutmachungen und Erpressungen, über Trost, der in Saphirblau schillern kann. Saphire liegen an dieser Genfer Adresse genug sowie Rubine, Diamanten, knapp 1500 Stücke umfasst die eigene Sammlung des Hauses, die Rainero seit dreißig Jahren hütet.

          Rainero hat eine ernstzunehmende Sammlung aufgebaut

          Gut, sein richtiger Titel ist etwas offizieller: „Direktor für Image, Stil und das kulturelle Erbe“. Dafür reist der Franzose um die Welt. Rainero ist dabei besonders erfolgreich in den historical countries, an Orten, wo Leute wohnen, die sich seit Jahrzehnten für Cartier begeistern können, Frankreich, Großbritannien, die Vereinigten Staaten. Rainero trifft seine Kunden auf Messen, „sowohl Männer als auch Frauen, junge und alte, jene in ihren Zwanzigern und solche, die schon in ihren Dreißigern gesammelt haben und heute bereits siebzig Jahre alt sind“.

          Dagegen ist Cartiers eigene Sammlung vergleichsweise jung. Erst vor dreißig Jahren begann das Traditionshaus, das Louis Cartier im Jahr 1847 gegründet hatte, damit, eine ernstzunehmende Sammlung aufzubauen. Gerade einmal siebzig Stücke besaß das Haus zu dem Zeitpunkt. Von siebzig auf 1500 hat es Rainero in den vergangenen drei Jahrzehnten gebracht.

          Die Achtziger waren gute Jahre. Es war die Zeit, als die Schätze der Duchess of Windsor auf den Markt kamen, als langsam eine Generation verschwand, die besonders viele dieser Kostbarkeiten besaß. Dann folgten mal wieder maue Jahre. „Stücke aus dem 19. Jahrhundert sind besonders selten“, sagt Rainero. Und in derselben Familie bleiben dabei die wenigsten: „Wir sind auf der Suche nach ihnen, aber wir haben oft keinen blassen Schimmer, wo und in welchen Händen sie sich heute befinden.“ An den Schmuck aus dem eigenen Haus zu kommen sei deshalb eher eine Frage der passenden Gelegenheit. „Gut, manchmal provozieren wir solche Gelegenheiten auch“, wieder ein Schmunzeln und ein Schimmer auf Raineros brauner Brille, wenn er den Kopf bewegt. „Wir schalten Anzeigen: ,Cartier sucht Cartier‘.“

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