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Stilikone Alexandra Golovanoff : „Nicht perfekt zu sein, macht es charmant“

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„Schönheit ist für mich wirklich ein Thema“, sagt sie. Für ihre Mutter, die halb aus Russland und halb aus der Bretagne stammt, ist das alles nicht so wichtig. „Sie ist ganz natürlich, trägt nur ein bisschen Feuchtigkeitscreme auf, das war's. Eigentlich sehr deutsch, oder?“ Sie kann sich die Bemerkung erlauben, denn ihr Vater, ein gebürtiger Russe, liebt Deutschland und spricht Deutsch. Daher kennt sie sich auch jenseits des Rheins aus. „Wir sind oft nach Bayern in den Urlaub gefahren. Das ist auch der Grund dafür, dass ich Deutsch in der Schule gelernt habe.“

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Aber sie hat nur die ersten vier Jahre ihres Lebens in Moskau verbracht und ist dann in Paris groß geworden – ihre Eltern haben noch heute am linken Seine-Ufer ihr Antiquitätengeschäft. Paris prägt, auch wenn man unkonventionelle Eltern hat und auf eine katholische Schule geht. „Ich creme mich ein, seit ich zehn Jahre alt bin“, sagt sie. Der Schock mit 17 Jahren hatte ebenfalls Wirkung. „Diese Frau schien wirklich Angst um mich zu haben“, sagt sie. „Und ich bin dann immer wieder hingegangen. Auch wenn es vielleicht nicht wirkt: Man fühlt sich danach besser, so wie wenn man zum Friseur gegangen ist.“ Aber weil sich auch im Beauty-System nur hält, wer die Regeln dieses Systems kennt und gleichzeitig nicht zu wichtig nimmt, hat sie sich eine paradoxe Strategie zugelegt: „Meine Vorstellung von Schönheit ist es, so natürlich wie möglich zu sein.“ Ihr morgendliches Ritual dauert fünf Minuten: Sie cremt sich nur ein.

„Nicht perfekt zu sein macht schön“

Der dann doch recht entspannte Umgang hat viele Gründe, zum Beispiel chemische: „Eigentlich ist es ja nicht gut, wenn man so viel Chemie an seinen Körper lässt. Ich hätte meine Haut gerne so schön, dass ich kein Make-up benutzen müsste.“ Aber im Fernsehen geht das nicht anders. „Daher ist Make-up für mich mit Arbeit verbunden.“ In ihrer Sendung „La mode, la mode, la mode“ muss sie vor den Großen bestehen. Karl Lagerfeld mochte sie, Designer wie Julien Dossena oder Nicolas Ghesquière nehmen sie ernst, und mit Pariser Protagonisten wie Pierre Hardy ist sie in einer Clique. Alle haben sie beim Start der eigenen Marke unterstützt.

Vor allem geht es ihr aber um eine Ästhetik des Lässigen. Zum Beispiel bevorzugt sie bei Haaren den out of bed look. Perfekt zu sein, das geht nicht: „Wenn man perfekte Haare hat, darf nicht alles andere stimmen. Und wenn die Nägel perfekt sind, dürfen es die Haare nicht ein.“ Ihr Trick für die Frisur, wenn man am Abend eingeladen ist: nicht am gleichen Tag zum Friseur gehen, sondern einen Tag vorher. „Man muss einmal drüber schlafen – dann sieht's gut aus. Nicht perfekt zu sein macht es charmant, verführerisch, schön. Perfekt zu sein, das ist nur ein Bild, eine Vorstellung. Und ein Bild ist nicht attraktiv.“

Diese Grundregel gibt sie weiter. So wollte ihre Tochter Mila, als sie noch 14 Jahre alt war, Make-up auftragen, bevor sie zur Schule ging, weil es die anderen auch so machten. „Nein, das tust du nicht“, hat sie da gesagt. „Du hast die schönste Haut der Welt. Warum willst du sie hässlich machen? Du solltest dich so annehmen, wie du bist.“ Und Mila, heute 18 Jahre alt, hat es verstanden: „Sie ist sehr natürlich.“ Nicht ganz unwahrscheinlich, dass die Wirtschaftsstudentin trotzdem in die Beautybranche geht.

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