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Teures Langohr : Im Glanz des silbernen Häschens

Das silberne Häschen konnte man bei dem Auktionshaus Christie’s in New York ersteigern. Bild: AFP

An Jeff Koons kommt im Kunstmarkt keiner vorbei. Sein silberner „Rabbit“ hat bei einer Auktion mehr Geld eingebracht als jedes andere Werk eines lebenden Künstlers.

          Da ist er wieder, Jeff Koons. Nämlich als der lebende Künstler mit dem höchsten Preis für eines seiner Werke. Und es ist ein „Rabbit“, ein Kaninchen, gut einen Meter hoch, aus hochglanzpoliertem rostfreiem Edelstahl. Bei Christie’s in New York bewilligte am Mittwochabend sein neuer Besitzer dafür 80 Millionen Dollar. Das bedeutet, dass er inklusive des obligatorischen Käuferaufgelds 91,075 Millionen Dollar für den neuen Hausgenossen samt seiner Möhre aufbringen muss – die Schätzung lag bei 50 bis 70 Millionen Dollar.

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Das Auktionshaus gibt prinzipiell keine Auskunft über seine Kunden. Allerdings nennt die „New York Times“ den Kunsthändler und früheren Goldman-Sachs-Banker Robert E. Mnuchin als Käufer. Er wurde gesehen, wie er in der Auktion von einem – für kaufwillige Bieter typischen – Gangplatz vorn im Saal aus das siegreiche Gebot abgegeben haben soll. Das ist deshalb charmant, weil Robert E. Mnuchin der Vater von Donald Trumps Finanzminister Steven Mnuchin ist. Natürlich kann er den „Rabbit“ auch im Auftrag erworben haben.

          Man muss kein Spielverderber sein, um zu sagen, dass dieser neuerliche Weltrekord für Koons nicht wirklich unerwartet kommt. Das silbrige Häschen aus dem Jahr 1986 hat einiges auf seiner Seite: Es existiert in nur vier Exemplaren, und sein Vorbesitzer war S.I.Newhouse, der 2017 gestorbene Verlags-Tycoon. Die kostspieligen Werke aus seiner Sammlung vermarktet der Kunsthändler Tobias Meyer, der für seine Vertrautheit mit dem Höchstpreismarkt bekannt ist. Das war gewiss kein Blind Date im Auktionssaal, so läuft das Business.

          Für die Annalen: Bis vor zwei Tagen war David Hockney der Zeitgenosse mit dem teuersten Werk, nämlich seinem Gemälde „Portrait of an Artist (Pool with Two Figures)“ von 1972, das im November 2018 am selben Ort für 80 Millionen Dollar zugeschlagen wurde. Der anonyme Bieter bezahlte mit Aufgeld 90,31 Millionen Dollar dafür. Mit dieser Summe hatte sich der 81 Jahre alte britische Künstler in weitem Abstand vor – genau! – Jeff Koons gesetzt, dessen „Balloon Dog (Orange)“ seit 2013 den Rekord gehalten hatte mit dem Zuschlag bei 52 Millionen Dollar, was einen Endpreis von 58,4 Millionen Dollar bedeutete. Bleibt hier anzumerken: Der Hammer des Auktionators fiel für beide Werke bei 80 Millionen Dollar. Was den „Rabbit“ auf die Überholspur bringt, ist also das Aufgeld, das der Käufer bezahlen muss und das in der Zwischenzeit wieder einmal erhöht wurde. Weshalb – brutto, gewissermaßen – Jeff Koons nun wieder die Nase vorn hat, mal sehen, wie lange. Den entschieden lustigsten Beitrag zum Thema lieferte ein Sprecher der Auktionsfirma: Der „Rabbit“ sei ein „Anti-David“ – gemessen an Michelangelo, versteht sich. Was denn auch sonst?

          Der Hase und sein Schöpfer: Jeff Koons Kunstwerk hat bei einer Auktion einen Rekord aufgestellt.

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