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Hotpants : Manche mögen’s heiß

Daisy Dukes – getragen von Sternchen Jessica Simpson, die auch beweist: Für Hotpants braucht man gute Beine Bild: action press

Kurze, sehr kurze Hosen prägen in diesem Sommer die Fußgängerzonen. Die Hotpants haben den Minirock abgelöst. Und ein Ende des Trends ist noch lange nicht in Sicht.

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          Bei Röcken hieß es stets: Je kürzer, desto besser läuft es mit der Konjunktur. Aber nie interessierte sich jemand für die Hosen. In diesem Sommer könnte die von dem britischen Ökonomen George Taylor in den zwanziger Jahren aufgestellte These allerdings auch auf Hosenbeine zutreffen. Warum sonst laufen in diesem Sommer Heerscharen von Mädchen und jungen Frauen auf Fußgängerzonen, Fanmeilen, in Parks, Eisdielen und Shoppingmalls in Hotpants herum? Klar: Die deutsche Wirtschaft boomt. Und wir sind Weltmeister geworden!

          Anke Schipp

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Kurz, kürzer, am kürzesten. Hotpants haben in dieser Saison dem Minirock den Rang abgelaufen. „Auf 100 Shorts im Verkauf kommen fünf Miniröcke“, sagt Justin O’Shea, Chefeinkäufer des Luxus-Online-Shops mytheresa.com. Besonders beliebt sind die sogenannten Cutoffs, jene Höschen, die mal eine Hose waren und mittlerweile so kurz sind, dass sie die Pobacken kaum bedecken und schon ein neues Wort dafür gefunden werden musste: der Underbutt.

          „Der Trend liegt einfach in der Luft“, sagt O’Shea. Die kurzen Hosen passten zu dem Gefühl, sich unkompliziert kleiden zu wollen. „Short sind ein Kleidungsstück, das du immer tragen kannst.“ Sie vermittelten außerdem ein Gefühl von Freiheit, „ein bisschen Western Style, ein bisschen Rock ’n’ Roll“. Es passt zu dem Casualtrend in dieser Saison: bequeme Shirts und flache Schuhe. Die neue Art, sich anzuziehen.

          Das demokratischste aller Warmwetter-Modestatements

          Hotpants gibt es schon lange, aber ihr Comeback ins Rollen gebracht haben jene Popdiven, die nicht nur stimmlich um die musikalische Vorherrschaft kämpfen, sondern auch auf textiler Ebene: Rihanna, Beyoncé und Miley Cyrus wollen auffallen, provozieren, einzigartig sein. Und warum nicht Cutoffs tragen, die einen Teil der Schamlippen freilegen (Miley Cyrus)? Oder die abgeschnittenen Jeans in der Form eines winzigen Strings zur Party präsentieren (Rihanna)? Demgegenüber zeigte sich Beyoncé noch verhältnismäßig keusch, als sie im Juni in Miami auf die Bühne trat und Hotpants zu Netzstrümpfen trug, die Nicola Formichetti, ehemaliger Lady-Gaga-Stylist und neuer Chefdesigner der Jeansmarke Diesel, entworfen hatte.

          Die ersten Hotpants kamen von Mary Quant, London Bilderstrecke
          Die ersten Hotpants kamen von Mary Quant, London :

          Hotpants sind hot bei den Stars. „Sie machen vor, dass man mit einer abgeschnittenen Jeanshose cool aussieht“, sagt O’Shea. Und es mache sie zu normalen Menschen, wie Rihanna, die in gelber Bluse und Cutoffs zur WM nach Brasilien reiste und wie eine normale Touristin die Christus-Statue in Rio de Janeiro besuchte. Es sei das demokratischste aller Warmwetter-Modestatements, kommentiert die amerikanische „Vogue“.

          Stewardessen in Hotpants

          Knapp, knapper, am knappsten. Die einschlägigen Online-Shops wie Asos, Topshop oder H&M quellen über mit ihrem Shorts-Angebot: ausgefranste Denims, bedruckte Hotpants, Hotpants aus Spitze, in Batik, Blumenoptik, oder Leoprint zum Durchschnittspreis von 29,90 Euro. 529 unterschiedliche Modelle hat Asos im Angebot, mehr als bei der Rubrik Miniröcke, die über Jahre als Bestseller bei der Zielgruppe zwischen 14 und 29 Jahre alten Mädchen und Frauen galten.

          Es gibt aber auch die Edelversionen wie die Moschino Satin-Hotpants mit Rüschen für 535 Euro. Oder die elegante Acne-Shorts aus Satin mit Pailletten besetzt, die zu den Bestsellern bei mytheresa.com gehören und die man, sagt jedenfalls O’Shea, auch schon mal zu einer Hochzeit tragen kann.

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