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Politisches Kleidungsstück : Im Namen der Hose

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Zsa Zsa Gabor 1953 in Las Vegas: Der weibliche Kampf um männliche Privilegien begann als Kampf um die Hose.

Dort entstanden Hosen als das, was man Funktionskleidung nennt: Sie schützten vor Kälte und Verletzung und gewährten gleichwohl Beinfreiheit. Jenseits der Zivilisation, wo man auch in grauen Vorzeiten nicht viel Wert auf Stil legte, trug man sie zuerst beim Reiten und Jagen. Sie waren nicht wie der reiche Faltenwurf der Gewänder und Togen an öffentliches Auftreten gebunden, sondern an alltägliches Funktionieren, an Arbeit.

Die Römer in ihrer Toga übernahmen den Vorbehalt gegen die Hose von den Griechen. Hosenträger waren auch bei ihnen schlicht Barbaren. Doch die Vorteile der Beinlinge stellten sich auf Feldzügen als unentbehrlich heraus: Die kriegführenden Römer legten in der späteren Antike notgedrungen Beinkleider an und taten es den Barbaren nach.

In der Moderne wurde die Hose zum Erotikschlager

Erst in der Neuzeit stand der Hose eine steile Karriere bevor. Heute wird die Welt von keiner gens togata, sondern von Hosenträgern beherrscht. Im Mittelalter und erst recht in der Moderne wird die Hose vom praktischen, aber ungeliebten, unpassenden und sicher nicht eleganten Kleidungsstück zum gesellschaftlichen Standard, ja zum Erotikschlager. Den Männern der herrschenden Klassen war die Hose, was der Minirock der Sechziger den Frauen. Was die waffentragenden, reitenden, jagenden Männer in Spätmittelalter, Renaissance und bis um die Französische Revolution trugen, müssen wir uns wie die heutigen weiblichen Leggings vorstellen.

Sie zu tragen verbot die Fluggesellschaft Delta vergangenes Jahr ihren Angestellten, weil sich darin alles wie nackt abzeichne. In hautengen Seidenhosen waren es in vergangenen Zeiten die Herren der Schöpfung, die, phallisch aufgerüstet, zur Schau stellten, was die Frauen noch durchs 20. Jahrhundert verhüllen mussten: Beine, Po, Geschlecht. Die Konstellation Rock versus Hose, Verhüllen versus Entblößen, war verbindliche Norm geworden.

Die Hosenrollen in Oper und Theater, wo Frauen Männer spielten, bezogen ihren unwiderstehlichen Reiz daraus, dass man sah, was sonst nie zu sehen war: die Schönheit entblößter weiblicher Beine. Die Hosenrollen spielen deshalb bis ins 20. Jahrhundert in einer historischen Zeit und vorzugsweise in der Renaissance, wo die Herren noch ihre Beine zur Schau stellten, statt sie in Röhren zu verhüllen.

Nur durch die Hose kam es zu Geschlechtertravestien

Bis vor 300 Jahren, zu Zeiten Ludwigs des XIV., war durch Verordnungen nicht nur geregelt, was jeder Stand, sondern auch, was jedes Geschlecht zu tragen hatte. Nur auf dem Hintergrund einer Kleiderordnung konnte es zu Klassen- und Geschlechtertravestien kommen. So zogen sich bis ins 18. Jahrhundert hinein die Frauen als Männer an, weil sie auf die Weise konnten, was sonst den Männern vorbehalten war: alleine reisen, auf Schiffen segeln, beim Reiten fest im Sattel sitzen oder in den Krieg ziehen.

Die prominentesten Beispiele dieser Art funktionalen Crossdressings sind Jeanne d'Arc, deren Männerkleider maßgeblich zu ihrer Verurteilung beitrugen, und Christina von Schweden, beide Hosenträger. Einen der Kleiderskandale, welche die Modekönigin Marie Antoinette inszenierte, hing an der culotte: Hoch zu Pferde ließ sich die Königin gewissermaßen en travestie abbilden, mit hautenger Kalbs-Culotte und Seidenstrümpfen, Dreispitz und Dolch, angezogen wie ein Mann, das Pferd zwischen den Beinen, Schenkel und Waden für jedermann zu bewundern.

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