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Hochzeitsmode : Diese Brautkleider sind ganz schön schlicht

Ein Augenblick der Modegeschichte: Das frisch getraute Ehepaar Sussex; die Herzogin trägt ein schlichtes Givenchy-Kleid. Bild: dpa

Ist weniger wieder mehr? Das minimalistische Kleid erobert die Hochzeitsmode immer weiter. Die Verantwortung dafür trägt unter anderen auch die Duchess of Sussex.

          Als Erstes blitzte auf der Rückbank des Rolls-Royce Phantom IV, mit dem die Braut in Windsor vorgefahren wurde, ein U-Boot-Ausschnitt hervor. Dann stieg sie aus, und die Kommentatorin Kirsty Young von BBC 1, die an diesem Tag im Mai vergangenen Jahres die royale Hochzeit von Meghan Markle und Prinz Harry begleitete, setzte zu einer Hymne der Look-Beschreibung an: „Es sieht aus wie ein exquisit geschnittenes, in vielerlei Hinsicht minimalistisches und traditionelles Kleid.“ Von einer „großen Romanze“ war die Rede, von „souveränem Chic“ und den Haaren, die Meghan Markle im Dutt trage. Mal abgesehen davon, dass hier gerade schätzungsweise knapp zwei Milliarden Menschen vor den Bildschirmen zusahen, wie eine amerikanische Schauspielerin einen britischen Prinzen heiratete, wurden sie auch Zeugen eines fashion moment.

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Es war ein Augenblick, der Modegeschichte schreiben und gleichermaßen ein Stück weit für Veränderung sorgen würde. Den folgenden Satz konnte man also schon in dem Moment notieren, als Meghan Markle in Givenchy die Treppenstufen der St George’s Chapel in Windsor emporstieg: Das minimalistische Kleid erobert die Hochzeitsmode. Elf Monate und somit ein Hochzeitsjahr später kann man sagen: Vielen Bräuten scheint jetzt weniger mehr zu sein.

          Das minimalistische Brautkleid verdrängt somit auch den Trend zum Spitzenkleid, der sich zuvor jahrelang hielt – also ziemlich genauso lange, wie die Bilder der Hochzeit von Kate und William das aktuellste Material waren, was das britische Königshaus in Sachen Vermählung so zu bieten hatte. Zur Erinnerung: Kate Middleton heiratete den britischen Thronfolger im April 2011 in einem Kleid von Alexander McQueen, das die Designerin Sarah Burton aus Spitze von der französischen Firma Sophie Hallette gefertigt hatte.

          Simpler Schnitt, große Wirkung: Ein minimalistisches Brautkleid von Kaviar Gauche

          Bei Sophie Hallette setzte man sich noch am selben Tag zusammen, um mehr von dieser Spitze zu produzieren; es war klar, dass Spitze Konjunktur haben würde. Kate Middleton hatte mit ihrer Wahl die Mode geprägt. Insofern galt schon vorab als so gut wie sicher, dass Meghan Markle nun alles, nur keine Spitze tragen würde. Dass ihr Kleid „exquisit geschnitten, in vielerlei Hinsicht minimalistisch“ sein würde, ein Kleid von „souveränem Chic“.

          Ein Prominenter als Identifikationsperson

          Natürlich, Brautkleid bleibt Brautkleid, egal ob es aus Spitze ist oder sehr schlicht, beides sind Klassiker. Es heiraten auch weiterhin viele Frauen in Spitze, und dagegen ist nun wirklich nichts einzuwenden. Zum Beispiel die Designerinnen von Kaviar Gauche, Johanna Kühl und Alexandra Roehler, haben aber beobachtet, wie sich die Bedeutung des minimalistischen Kleides verändert hat. Die beliebtesten Kleider seien schon immer die schlichteren gewesen; nur hätten viele Kundinnen das erst für sich erkannt, nachdem sie schon eine ganze Reihe anderer, aufwendigerer Modelle anprobiert hatten. „Die Frauen kommen jetzt mit einer anderen Einstellung zu uns in die Stores“, sagt Kühl. „Vorher haben sie zunächst nach allen möglichen Kleidern gefragt.“

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          Beim Termin zur Anprobe in einem der drei Läden, die das Berliner Unternehmen mittlerweile in Deutschland unterhält, bereiten die Mitarbeiter von Kaviar Gauche dann auf Basis der Wünsche eine Auswahl vor, stellen aber auch sicher, dass ein paar schlichtere Kleider dazwischenhängen, und genau dafür würden sich dann viele am Ende auch entscheiden. „Jetzt fragen sie häufig direkt nach reduzierteren Modellen, sie wünschen sich von Anfang an ein cleanes Kleid. Viele haben erkannt, dass man nicht so viel draufsetzen muss, dass man für sich selbst strahlen kann.“ Ein schlichtes Kleid, ein Hauch von Glow auf den Wangen, die Haare zum Dutt, das ist auch das Vermächtnis der Braut Meghan Markle.

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