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Gastronom mit Stil : Ein Gentleman im Brauhaus

  • -Aktualisiert am

Von wegen betont sportlich, künstlich jugendlich: „Ich finde, man sollte in Würde altern.“ Bild: Stefan Finger

Edler Zwirn, feine Slipper, markante Knöpfe und rauher Charme: Das sind die Markenzeichen von Peter Christoph. Denn der Gastronom im Düsseldorfer Lokal „Himmel & Ähd“ achtet nicht nur beim Essen auf Details.

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          Schon von weitem ist auf der Düsseldorfer Nordstraße die leuchtend rote Markise des „Himmel & Ähd“ zu sehen. Neben dem namensgebenden Traditionsgericht aus Kartoffelpüree, gebratener Blutwurst und Apfelmus stehen hier vor allem bodenständige Gerichte und natürlich Altbier auf der Karte. Das in schlichtem Schwarz gekleidete Personal bahnt sich den Weg durch das zu jeder Tageszeit volle Lokal und tauscht mit schnellen Handgriffen leere Gläser gegen frischgezapftes Alt aus. Wenn Spiele von Fortuna Düsseldorf im Fernsehen übertragen werden, herrscht im vorderen Teil dichtes Gedränge. Herbes Fußballkneipen-Flair und Fans in Jogginghose und Achsel-Shirt sucht man hier dennoch vergebens. Dafür sorgt ein Mann, der mit wachem und manchmal auch strengem Blick, aber immer im bis ins kleinste Detail durchdachten Outfit über das Lokal wacht: Peter Christoph.

          „Manche halten mich für arrogant, andere für bekloppt“, sagt er, um die Reaktionen auf seinen Kleidungsstil zu beschreiben. Der entspricht dank perfekt sitzender Dreiteiler, des nie fehlenden Einstecktuchs, Hemden mit Haifischkragen und polierter Lederschuhe eher dem Dresscode eines Sterne-Restaurants als dem eines rheinländischen Brauhauses. Auch heute prüft Christoph im Sakko mit dezenten blauen Streifen über einem strahlend weißen Hemd und mit farblich auf die blau-rot gemusterte Krawatte abgestimmtem Tuch in der Brusttasche die Bestellungen am Tresen, begrüßt Stammgäste und rückt zwischendurch mit geübtem Griff die blauen Manschettenknöpfe zurecht.

          Zurückhaltung à la Peter Christoph

          Details sind ihm wichtig: „Wenn in meiner Jacke Blau auftaucht, muss auch der Rest dazu passen. Mit einem schwarzen Gürtel oder einer Uhr mit schwarzem Zifferblatt zu blauen Streifen auf dem Anzug könnte ich nicht das Haus verlassen. In dieser Hinsicht bin ich schon etwas extrem“, gibt Christoph zu. Seine Umgebung nimmt solche Details auf den ersten Blick meist gar nicht wahr. Für ihn ist das Nebensache: „Ich tue das für mich selbst, damit ich mich wohlfühle.“ Erst dann sei das sichere Auftreten möglich, mit dem er seit fast 14 Jahren das „Himmel & Ähd“ leitet.

          Dass er inmitten der eher leger gekleideten Gäste auffällt, ist ihm natürlich bewusst. Vor allem im Sommer, wenn die Herren am liebsten in kurzärmligen Hemden, Polo- und T-Shirts auftauchen und er selbst trotz hoher Temperaturen nicht auf Sakko und geschlossene Schuhe verzichten mag. Dann ersetzt er höchstens die Krawatte durch ein leichtes Tuch. „Ich trage immer irgendeine Jacke. Wenn ich mich an einen Tisch setze, kann ich sie ja immer noch ausziehen“, erklärt er ganz pragmatisch. Den Anblick von Männern in Hemden mit kurzen Ärmeln verschmerze er zwar, tragen würde er selbst sie aber nie, fügt er entschieden hinzu.

          Für seine eigene Garderobe gelten Regeln, die er auch im Urlaub und an freien Tagen nicht bricht: Ohne Gürtel, Manschettenknöpfe und Einstecktuch geht er nicht aus dem Haus, Marken-Logos sieht man an ihm ebenso wenig wie laute Knallfarben: „Ich will ja nicht wie ein Papagei aussehen. In drei Monaten werde ich 70, da muss man ein bisschen aufpassen, dass man es nicht übertreibt mit Mustern und Farben. Ich versuche, auf zurückhaltende Weise aufzufallen.“

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