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Meghans „Vogue“ : Als die Herzogin mal Chefredakteurin war

Editorial and royal Bild: Reuters

Zu viel politische Positionierung für das britische Königshaus? Als Gast-Chefredakteurin setzt Herzogin Meghan 15 starke Frauen auf das Cover der „Vogue“ – und erntet dafür Kritik.

          Dafür, dass die Herzogin von Sussex aktuell im Mutterschutz ist, gab es allein im Juli eine Menge Aufhebens. Da war die Taufe des Sohnes, von der das Paar die Öffentlichkeit ungewöhnlich streng ausschloss. Da war der Auftritt in Wimbledon, zu dem sie in Jeans kam und bei dem sie nur ihrer Freundin Serena Williams zuguckte statt auch dem Briten Andy Murray. Und dann erschien in diesen letzten Julitagen die Septemberausgabe der britischen „Vogue“, ausnahmsweise mit zwei Chefredakteuren, mit Edward Enninful wie üblich – und der Herzogin von Sussex als „Guest Editor“.

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die giftigen Stücke des Boulevards ließen nicht lange auf sich warten: „Warum Meghan Markles linksgerichtete ,Vogue‘-Ausgabe zeigt, dass sie sich so wie Kate Middleton aus der Politik raushalten muss“ („Sun“). „Me-Me-Meghan“ („Daily Mail“). Die Abgeordnete der Brexit-Partei im Europaparlament Ann Widdecombe wetterte: „Mitglieder des Königshauses müssen sich nicht nur aus der Politik raushalten, sie müssen auch so gesehen werden.“

          Prinz Charles war im vergangenen Jahr Ko-Chefredakteur von „Country Life“, der Leser bekam einen Eindruck von seinen Gütern und Gärten. Störte niemanden. Meghans „Vogue“ ist jetzt anders. Kern der Auseinandersetzung sind die 15 Frauen auf dem Cover – Greta Thunberg zum Beispiel und die Schriftstellerin Chimamanda Ngozi Adichie („We Should All Be Feminists“) – persönlich ausgewählt von der Herzogin und im Heft gefeiert als „forces for change“. Frauen, die zweifelsohne mit wichtigen Fragen befasst sind, die dafür viel Aufmerksamkeit erfahren. Ist es also der Job der Herzogin, diese Frauen zu bestärken, oder sollte sie lieber in Brennpunktvierteln und Krankenhäusern Umarmungen verteilen?

          Ihr eigenes Profil wird sie wohl mehr schärfen, indem sie, wie ebenfalls jetzt bekannt wurde, mit drei britischen Filialisten eine philanthropische Modekollektion lanciert. Oder mit den Promi-Aktivistinnen auf dem Cover der „Vogue“. Das überließ sie ihnen. Sich selbst habe sie da nicht gesehen. „Zu prahlerisch.“ Als wäre sie nicht eh Stammgast auf Titelseiten.

          Mehr erwarten die meisten Briten von ihren Royals, die sie nicht gewählt haben und trotzdem mitfinanzieren, ja gar nicht. Nett lächeln. Nähe zeigen. Gute Bilder liefern. Dinge tun, die eine Gesellschaft vereinen, statt sie womöglich weiter zu spalten. Doch die Grabenkämpfe, mit denen dieses Land unter dem Eindruck des Brexits schon genug zu tun hat – hier die Weltoffenen, Entspannten, dort die von Zukunftsängsten und dem Verlust ihrer nationalen Identität Besessenen – werden auch zunehmend an ihrer Personalie entlanggeführt. Die Herzogin eint die Briten nicht. Sie denkt größer, weil globaler, erreicht mit der „Vogue“ aber recht wenig.

          Man betrachtet schöne Schwarzweißaufnahmen von den 15 Frauen, die mehr zu sagen hätten, als Statements wiederzugeben. Man liest, wie Michelle Obama ihre Mutterschaft erlebt und dass Prinz Harry „maximal zwei Kinder“ möchte. Abgesehen von ihrer weltverbessernden Agenda, mit der sie die Debatte um ihre Person noch mal schön befeuert, erfährt man über die Herzogin nicht viel. Im Heft steht auch ein Gedicht, „A Note From the Beach“ von Matt Haig. Es geht um den weiten Strand und die kleinen Menschen. Immer wieder ist die Rede vom Körper. Zum Beispiel: „I am entirely indifferent to your body mass index. I am not impressed that your abdominal muscles are visible to the naked eye.“ Eines ihrer Lieblingsgedichte, steht daneben. Man schaut sich die Bilder der Herzogin an und kann ihr das nicht so recht abnehmen.

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