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Herrenmode : Eine kleine Revolution

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Auch Dries van Noten ist ein Meister darin, aus der Vergangenheit Inspirationen für die Gegenwart zu schöpfen. Er trifft das Hier und Jetzt wie kaum ein anderer. Er schöpft aus dem Vollen, aus Kunstgeschichte, Völkerkunde, Kostümkunde. Seine Ideen kommen oft von entlegenen Orten oder aus längst vergangenen Zeiten. Dass seine exotischen Einfälle trotzdem tragbar sind, liegt an ihrer Verwirklichung. Dries van Noten kann alles: weit und eng, Männer und Frauen, schlicht und opulent, lässig drapiert und präzise konstruiert, nostalgisch und innovativ. Und er beherrscht das Produkt wie seine Inszenierung: Das Licht im Zuschauerraum wird gedimmt, und es wird so still, dass man ein Schallplattenknistern hört. Zu den ersten Takten eines alten Liebeslieds öffnet sich ein Tor, und dann läuft alles über den Laufsteg, was an Männerkleidung einmal schön und prächtig war, und was wir den Frauen überlassen haben: phantasievolle Seide der Krawatten und Halstücher, leuchtende Farben und goldene Posamenten der Husarenuniformen, exotisch bedruckte wattierte Hausjacken und -mäntel. Selbst der elfenbeinfarbene Smoking, den Marlene uns gestohlen hat. Dries stiehlt ihn für uns zurück. Und spätestens wenn das zarte Liebeslied seinen Refrain erreicht, schmilzt die ganze Coolness der Mode dahin.

Der Hosenbund wandert nach oben

Vor allem die tollen Mäntel bleiben in Erinnerung: Eigentlich sind das schon gar keine Mäntel mehr, sondern Gewänder. Schluss mit diesen kleinen schwarzen Gehröcken mit den nervösen Schultern, neidischen Krägen und geizigen Revers! Warum nur haben wir jahrzehntelang so viel Geld für so wenig Stoff ausgegeben? Das ist jetzt vorbei. Die neuen Mäntel erinnern uns daran, dass Luxus Überfluss ist, viel von allem, viel Stoff. Schön großspurig und theatralisch, mit lässigen Schultern und großzügigen Krägen, den breiten Übertritt zweireihig geknöpft, wehend und wadenlang. Wie bitte? Mit solchen Mänteln kann man nicht Fahrrad fahren? Stimmt. Tauchen auch nicht. Und es kommt sogar noch schlimmer: Diese Mäntel passen nicht zu allem. Sie bieten nicht die traditionellen Mantelfarben: sicher-schwarz, tarngrau, senioren-beige. Im Gegenteil: Sie sind prächtig geschmückt (Dries van Noten) und gemustert (Louis Vuitton), bestickt (Givenchy) und beschriftet (Raf Simons), zeigen Materialmix (Valentino) und Patchwork (Paul Smith) und sind außerdem noch farbenfroh gefüttert (Dries van Noten). Sie ordnen sich nicht unter, sondern haben zu allem eine eigene Meinung. Sie sind statement coats.

Fast genauso prächtig wie die neuen Mäntel sind die neuen Hosen: Was für lässige und männliche Beinkleider! Sie werden über dem Hüftknochen zu großzügigen Bundfalten gerafft. Von dort fallen üppige Stoffmengen so gerade wie eine Karatehose (Juun.J) und so schwer wie ein Theatervorhang (Balmain) bis auf den Boden, wo sie die Schuhe fast vollständig unter sich begraben. Ja, Sie haben richtig gehört: Um die Fallhöhe zu maximieren, müssen diese Hosen oberhalb des Hüftknochens oder sogar in der Taille (Damir Doma) getragen werden. Dafür muss man schlank sein? Täusche ich mich, oder haben Sie dasselbe gesagt, als der Hosenbund in den neunziger Jahren nach unten gewandert ist?

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