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Herrenmode : Eine kleine Revolution

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Hedi Slimane ist mehr als ein Modedesigner, er ist ein totalitärer „creative director“. Auch im Hause Saint Laurent hat er schnell mit der Vakuumpumpe alles auf Linie gebracht - von der Kollektion über den Ladenbau und die Kampagnen (die er zum Teil selbst fotografiert) bis zu den Körpern der Models. Auf seine Linie. Ja, Slimane ist jemand, der für das männliche Geschlecht eine klare Vision hat. Aber eben nur eine. Seit Jahren zeigt er uns in genialen Modenschauen, Bildbänden und Ausstellungen Variationen derselben engen Silhouette und desselben Themas: Kids, Drugs and Rock & Roll. So auch diesmal: Jungs. In der Phase der Adoleszenz, in der das Muskelwachstum weit hinter dem Knochenwachstum zurück bleibt. Spielen in Rock-Bands. Und nehmen Drogen. Vermutlich, um die Schmerzen zu ertragen, die ihre unfassbar engen Hosen ihnen bereiten.

„Who wants to fuck sponge bob?“

Eng mit der Silhouette verbunden, gab es auch nur noch ein einziges modisches Vorbild: den Rockstar. Also kauften sich etablierte Modehäuser wie Yves Saint Laurent und Kenneth Cole für ihre Männer-Kampagnen nicht mehr Fußballspieler oder Schauspieler, sondern Indie-Rocker wie Marilyn Manson und Velvet Revolver. Inzwischen prägen Möchtegern-Rockstars in allen Preislagen unsere Fußgängerzonen und Shopping-Malls: Nieten- und Tattoo-geschmückt, in engen schwarzen Röhrenhosen und engen schwarzen Lederjacken.

Ein sicheres Zeichen dafür, dass der Undersize-Look langsam vorbei ist und es höchste Zeit wird für ein paar frische Oversize-Looks. Und so versuchen sich die Designer in Weite und Breite. Aber bisher hat das einfach niemand gekauft. Vielleicht kam es zu früh. Vielleicht stimmten aber auch einfach die Proportionen noch nicht. Denn nicht nur die Konsumenten müssen sich an die neue Silhouette erst einmal gewöhnen. Auch die Designer taten sich schwer mit dem neuen Volumen. Im ersten Anlauf waren oft die Stoffe zu steif für die weiten Schnitte; die Hosen saßen zu tief auf der Hüfte und trugen auf; die Oberteile gerieten zu kurz und kastig. Auch diesmal noch sehen zum Beispiel die Blazermäntel bei Paul Smith einfach nur zu groß aus. Und auch bei Louis Vuitton laufen immer noch kastige Oberteile aus pappigen Stoffen auf dünnen, kurzen Beinen über den Laufsteg. „Who wants to fuck sponge bob?“, murmelt die Dame neben mir am Ende der Show. Eine neue Silhouette ist eben schwierig. Ein Retro-Look, ein Comeback der Sechziger, Siebziger, Achtziger, Neunziger, das ist einfach. Aber etwas wirklich Neues, das braucht Zeit.

Zurückholen, was man einst den Frauen überlassen hat

Alber Elbaz und Lucas Ossendrijver machen für Lanvin Homme kein Geheimnis daraus, dass sie diese Saison auch nicht so recht wussten, wie sie sich an das Neue herantasten sollten. Deshalb gibt es zur Sicherheit von allem etwas. Ein paar Sechziger-, ein paar Siebziger- und ein paar Achtziger-Jahre-Outfits. Aber Letztere haben es in sich. Denn sie erinnern uns daran, dass es in der Männermode schon einmal tolle weite Schnitte gab. Und sie erinnern uns daran, dass die achtziger Jahre eben nicht nur ein einziger greller Video-Clip waren. Sie waren auch das Jahrzehnt, in dem italienische Modemacher wie Giorgio Armani und Nino Cerruti die Männermode revolutionierten, indem sie mit fließenden Stoffen und lässigen Schnitten den klassischen, steifen Männeranzug von seinem Rosshaar-Korsett befreiten. Alber Elbaz, mit seinen Lanvin-Frauenkollektionen ein Meister der fließenden Silhouette, lässt das jetzt wieder aufleben. Und beschert uns so mit seinem Eighties-Revival die modernsten und gleichzeitig schönsten und tragbarsten Anzüge der Saison.

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