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Modemesse Pitti Uomo : Neue Ideen für die Luxusmode von morgen

Karl Lagerfeld besucht während der Florenzer Herrenmodemesse die Ausstellung seiner Fotos im Palazzo Pitti. An seiner Seite Eike Schmidt, deutscher Direktor des Palazzo. Bild: Helmut Fricke

Zehntausende besuchen in Florenz die wichtigste Messe für Herrenmode auf der Welt. Hier besinnen sich die Italiener auf ihre Stärken – allen Widrigkeiten zum Trotz.

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          Diesem Gast muss Eike Schmidt die Gemälde von Raffael und Tizian nicht lange erläutern. Als der deutsche Direktor der Uffizien und des Palazzo Pitti zu Erklärungen anheben will, sagt ihm Karl Lagerfeld trocken, welche Bedeutung die Raffael-Madonna hat – und dass er schon vor einem halben Jahrhundert hier im Palazzo Pitti war, der Gemäldegalerie über den Dächern von Florenz. Da wiederum war Eike Schmidt noch gar nicht geboren.

          Stephan Finsterbusch

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Alfons Kaiser

          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Florenz ist in Mode. Zur 90. Ausgabe des Pitti Uomo, der wichtigsten Herrenmodemesse der Welt, kamen in dieser Woche Zehntausende in die Stadt am Arno, um die Trends für Frühjahr und Sommer 2017 zu sehen. Und damit auch jeder darüber spricht, hat man zwei Stars der Mode eingeladen: Raf Simons, früher bei Dior und in Zukunft womöglich Chefdesigner von Calvin Klein, präsentierte in der Stazione Leopolda die Kollektion seiner eigenen Herrenmodemarke, und Karl Lagerfeld zeigt im Palazzo Pitti seine Fotos von Chanel-Models zwischen alten Meistern.

          Für Eike Schmidt ist das ein so gelungener Auftakt, dass er in Zukunft regelmäßig Modeveranstaltungen in seinem Museum stattfinden lassen will. Und die „Galleria del Costume“ möchte der Direktor in „Galleria della Moda e del Costume“ umbenennen.

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          Solche Unterstützung kommt der italienischen Mode gerade recht. Denn in der Messe an der Fortezza da Basso geht zwar mit mehr als 30000 Einkäufern alles seinen gewohnten Gang. Aber die lahmende Konjunktur drückt bei vielen der 1222 Aussteller auf die Stimmung. „Diese Sommer-Saison wird ziemlich ruhig ablaufen“, sagt Miguel Nuno Rodrigues vom portugiesischen Modehaus Dielmar. In Europa musste er teils harsche Rückschläge hinnehmen: „In Frankreich brachen die Erlöse regelrecht weg, da haben wir ein Minus von 80 Prozent.“

          Der deutsche Kunde scheint verunsichert

          Aber nicht nur die Terroranschläge in Paris drücken aufs Konsumklima. „Wir haben zwei ziemlich durchwachsene Jahre hinter uns“, sagt Elena Conti vom italienischen Herrenausstatter Bramante. „Nun hoffen wir, dass es ein wenig besser wird, aber so richtig zieht die Nachfrage nicht an.“ Till Reiter, geschäftsführender Gesellschafter des Wiener Schuhhauses Ludwig Reiter, sieht sogar in Deutschland, dem wichtigsten Markt des Familienunternehmens, Zurückhaltung. „Das ist etwas überraschend, denn die konjunkturelle Lage ist gut. Aber der deutsche Kunde scheint verunsichert und rechnet wohl damit, dass eine Krise kommt.“

          Raf Simons präsentierte in der Stazione Leopolda die Kollektion seiner eigenen Herrenmodemarke.

          Auch das schlechte Russland-Geschäft und die Krise in China verderben die Stimmung. Dagegen gibt der japanische Markt mehr Grund zur Hoffnung. „Wir machen in Europa zurzeit keine guten Geschäfte“, sagt Daisuke Ishikawa vom japanischen Lederanbieter Morpho Comp. „Doch wir können die Umsatzeinbußen auf unserem Heimatmarkt gut ausgleichen.“ Länder wie Malaysia und Singapur liefen ebenfalls gut.

          Das Analystenhaus Bain erwartet für die nächsten vier Jahre auf dem globalen Markt für Luxusgüter ein mäßiges Wachstum von zwei bis drei Prozent; in den vergangenen vier Jahren lag der Zuwachs bei jährlich durchschnittlich sieben Prozent. Auf allen Märkten wird die Generation der Babyboomer von jüngeren Generationen abgelöst, und für die müsse man „Einstiegsluxusprodukte“ schaffen. Auch nach Angaben der Marktbeobachter von Statista wird die Luxusgüterbranche nur leicht wachsen. Global erlöst die Branche in diesem Jahr etwas mehr als 250 Milliarden Euro, etwa so viel wie im Vorjahr.

          Die Ausfuhren gehen zurück

          Die Flaute zeigt sich auch in Zahlen des Verbandes Sistema Moda Italia (SMI), der für das erste Quartal einen Rückgang der italienischen Herrenmode-Exporte um 3,5 Prozent errechnet hat. Vor allem die Ausfuhren nach Frankreich, Großbritannien und in die Vereinigten Staaten gehen zurück. Außer der Terrorgefahr scheinen auch politische Unsicherheiten wie die Möglichkeit eines Brexits und der Präsidentschaftswahlkampf in Amerika die Stimmung zu drücken.

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