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Fränkischer Herrenausstatter : Die Regent-Retter

Der Chef: Peter Krampf Bild: Andreas Müller

Der Herrenausstatter aus Franken hatte den Faden verloren. Ein Unternehmensberater nimmt ihn wieder auf. Bei der Wiederbelebung helfen Designer, Fertigungsleiter – und der gute Ruf.

          7 Min.

          Hätte er einen Wunsch frei, dann hätte Peter Krampf gern Dirk Nowitzki als Markenbotschafter. Besser könnte der Name Regent nicht in die Welt getragen werden. Aus Leidenschaft müsste der Basketballspieler das machen, nicht wegen des Geldes. Ein James-Bond-Schauspieler wäre als Werbe-Ikone zu teuer und würde an der Zielgruppe vorbeizielen. „Aber Nowitzki: ein Franke, kommt aus Würzburg, ist bescheiden und hat außergewöhnliche Körpermaße.“

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Der 2,13 Meter große Profi der Dallas Mavericks wäre eine Herausforderung für einen maßgefertigten Anzug aus feinstem Garn. Leicht verarbeitet, könnte das Sakko lässig wirken. Aufs Schulterpolster würde verzichtet, Schulter hat Nowitzki schließlich genug. Ein Jackett aus Jersey, mit 200 Gramm das leichteste überhaupt, könnte dem Riesen Fülle nehmen und Eleganz verleihen.

          Einziger deutscher Herrenausstatter, der Luxusanzüge per Hand näht

          Peter Krampf spricht gerne vom „Koffer-Sakko“, also einer Jacke aus Jersey oder gar Seide, die eingeknautscht in einem vollen Koffer überlebt. Ein Sakko aus Jersey? Kein anderer Hersteller luxuriöser Herrenmode hat es bislang kopiert, nicht einmal Brioni. Die Qualität erkennt man auch daran, dass das Innenfutter genäht ist und nicht geklebt, so dass die Jacketts ihre besondere Form behalten.

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          Die Galerie der Markenbotschafter bei dem fränkischen Unternehmen ist noch klein. Immerhin wirbt Martin Strobel aus Überzeugung für die Marke, ohne Geld zu verlangen. Der 30 Jahre alte Handballspieler trug zum Beispiel auf dem „Ball des Sports“ in Frankfurt einen Anzug aus der Kollektion, wenige Tage nachdem er mit der Nationalmannschaft Europameister geworden war.

          Der Fertigungsleiter: Martin Kury

          Damit steht er für eine neue Zielgruppe. Detlev Diehm, der Designer von Regent, spricht von der „postitalienisch orientierten Altersgruppe“ zwischen 35 und 45 Jahren, die das „Handmade in Germany“ cool findet. Regent ist der einzige deutsche Herrenmodeausstatter, der einen Anzug der Luxusklasse per Hand näht. Nach mehr als 10.000 Handstichen ist er fertig. Jedes Karo im Muster wird genau vermessen, jeder Streifen deckungsgleich gelegt. Ein Industrie-Sakko, sagt Krampf, ist nicht nach 20, sondern schon nach zwei Stunden zusammengenäht.

          Ein legendäres Markenzeichen

          Ein Freund sagte während eines Besuchs in der Manufaktur im fränkischen Weißenburg zu Krampf: „Bei dir fühlt man sich nach zehn Minuten ausgezogen.“ Will meinen: Mit dem in Singapur maßgeschneiderten „China-Kittel“ (Krampf) fühlt man sich richtig schlecht. Man schämt sich in den archaisch anmutenden Schneider-Räumen im ersten Stockwerk, in denen betagte Pfaff-Nähmaschinen rattern, die Mitarbeiter konzentriert vor sich hin nähen und Stoffteile an Stehpuppen hängen.

          Der Designer: Detlev Diehm

          Man fühlt sich an eine alte Schneiderei erinnert, und hier geht es auch um Maßarbeit, für Einzelkunden, die ein Drittel des Geschäfts ausmachen. Zwei Drittel entfallen auf Kollektionen, die Händler verkaufen. Das Innenfutter oder ein Ärmel wird standardisiert an spezialisierten Arbeitsplätzen angenäht. Es bleibt aber Handarbeit. Selten ist das Wort „Manufaktur“ so berechtigt. Legendär das Markenzeichen: Der Knopf mit drei Löchern, der von Hand angenäht wird, denn Maschinen können nur Knöpfe mit vier Löchern.

          Lange Liste berühmter Kunden

          Eine Etage tiefer, im Erdgeschoss, führt ein langer Flur zum Präsentations- und Konferenzraum. An der Wand hängen windschief Kundenfotos. Trotz lächelnder Gesichter wirkt die Galerie lustlos. Dabei hat der vor genau 70 Jahren gegründete Herrenausstatter viele Prominente aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft als Kunden. In einer früheren Zeit, vor dem Eigentümer Peter Krampf, gab es tatsächlich einen James Bond. Roger Moore geht indes in der Fülle ebenso unter wie Mario Adorf, Anthony Hopkins, Michael Caine, John Cleese, Otto Waalkes oder die Boxer-Brüder Klitschko. Helmut Schmidt, Franz-Josef Strauß und José Carreras wecken Erinnerungen. Als hätte es keinen anderen Platz mehr gegeben, wurde über all diese Bilder Prinz Willem-Alexander gehängt, der zu seiner Krönung als König der Niederlande im Jahr 2013 einen Frack aus Weißenburg trug.

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