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Herbert Grönemeyer : „Eine gute Uhr ist wie ein Kunstwerk“

  • -Aktualisiert am

Herbert Grönemeyer ist Sänger, Komponist, Schauspieler - und nun auch Uhrendesigner. Gemeinsam mit Wempe hat der Zweiundsechzigjährige die „Zeitmeister Stahl 1“ entwickelt. Bild: Hersteller

Herbert Grönemeyer ist Schauspieler, Musiker, aber kein Designer. Er hat nun trotzdem eine Uhr gestaltet. Woher seine Affinität zu Uhren kommt und warum er selbst eine designen wollte, erzählt er im Interview.

          Herr Grönemeyer, wann haben Sie begonnen, sich für Uhren zu interessieren?

          Schon früh. Mein Vater war ein Fan von Wanduhren. Er ging immer mit einem Schlüssel durch die Wohnung, um all unsere Wanduhren aufzuziehen. Außerdem hatte er einen großen Freundeskreis, da habe ich bei den Männern immer geguckt, welche Uhr sie tragen. Meine erste eigene Uhr habe ich zur Konfirmation bekommen. Daran kann ich mich noch gut erinnern: eine Mido Commander mit blauem Zifferblatt.

          Ein stolzes Geschenk.

          Ja, sehr nobel. Meine Patentante war Chefsekretärin bei Karmann in Osnabrück, Tante Margret, eine tolle Frau.

          Wahrscheinlich mit gravierter Widmung?

          Nein, eine Geschenkgravur gab's nicht. Das folgte dieser protestantisch-calvinistischen Einstellung, dass man nichts unnötig verziert.

          Haben Sie die Uhr noch?

          Nein, die hat man mir leider geklaut. Insgesamt sind mir drei Uhren weggekommen, alle hatten ein blaues Blatt: außer der Mido noch eine Seiko und eine Rolex Datejust.

          Wo wurden Sie beklaut?

          Immer bei der Arbeit. Einmal im Theater, einmal im Studio und einmal während eines Konzerts. Ich lege meine Uhr beim Arbeiten immer ab. Gerade beim Klavierspielen stört mich eine Uhr. Auf die Mido wollte ich aber nicht verzichten. Mir hat das puristische Design und das feine Milanaise-Band der Commander so gut gefallen, dass ich mir später wieder eine gekauft habe. Das hat wohl mein Faible für Stahluhren geprägt.

          Die rechteckige Uhr wird in zwei Varianten gebaut - mit blankem Stahlgehäuse und blauem Zifferblatt (2850 Euro) und mit schwarzem PVD-beschichteten Stahlgehäuse mit grünem Blatt (2950 Euro). Die Uhren sind auf jeweils 250 Exemplare limitiert.

          Wie wählen Sie die Uhr für den Tag aus?

          Ich trage eine Uhr eine gewisse Zeit, die ist dann wie ein Amulett für mich. Und wenn die Stimmung fällt oder ich mich über etwas sehr ärgere, gehe ich an meinen Stahlschrank und suche mir eine andere aus, die meine Stimmung wieder hebt. Eine Uhr muss mich heiter stimmen. Andersherum gibt es Uhren, die ich mit tragischen Ereignissen verbinde, die trage ich dann auch nicht mehr.

          Die Uhr als Stimmungsbarometer?

          Nicht nur. Ich halte Uhren für kleine Kunstwerke. Mich fasziniert die Mechanik. Ich finde es bemerkenswert, wie Menschen sich Gedanken um das Zusammenspiel dieser winzigen Einzelteile machen und dann etwas erschaffen, was über Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte Bestand hat.

          Viele Sammler haben spezielle Sammelgebiete. Sie auch?

          Ich sammle nicht nach einem bestimmten Thema. Ich kaufe mir eine Uhr nach Gefallen. Am meisten mag ich Stahluhren, gerne mit Automatikuhrwerk und bevorzugt mit einem ruhigen Zifferblatt. Wobei ich mich bei manchen Uhren heute frage: Wann hab' ich die jemals getragen? Ich war ja schon mit 14 Jahren so groß wie heute, spielte Tennis und hatte deshalb schon immer mächtige Pranken. Da wirkt eine zierliche Uhr wie etwa meine wunderschöne IWC am Handgelenk schon etwas verloren. Aber es macht Spaß, das zu beobachten. Man sieht, wie man sich mit den Uhren entwickelt.

          Was fasziniert Sie an der Mikromechanik?

          Wie man komplexe Zusammenhänge wie beispielsweise einen Ewigen Kalender mechanisch umsetzen kann. Ich frage mich: Was geht im Kopf eines solchen Konstrukteurs vor? Wie schafft er es, diese komplexen Gedanken auf kleinstem Raum umzusetzen? Ich bewundere die Menschen, die das können. Das heißt nicht, dass ich es auch kaufe. Ich bin nicht so der Kalender- oder Mondphasentyp. Aber Chronographen finde ich toll – wenn sie ruhig und pur sind.

          Sie haben jetzt auch den Uhrmachern in Glashütte über die Schultern geschaut. Würde es Sie reizen, sich selbst an den Werktisch zu setzen?

          Nein. Für so feine Arbeiten bin ich ungeeignet.

          Wie sind Sie darauf gekommen, eine eigene Uhr zu gestalten? Haben Sie nichts Passendes gefunden?

          Bei rechteckigen Stahluhren halte ich das Angebot tatsächlich für sehr überschaubar. Da gibt es vielleicht eine Jaeger-LeCoultre Reverso oder eine Cartier Santos, ansonsten ein paar klobige Sachen. Deshalb habe ich mich schon vor Jahren mal hingesetzt, um eine Uhr nach meinem Geschmack zu entwerfen. Anfangs war es eher eine fixe Idee. Ich hätte nicht gedacht, dass das mal klappt. Aber ich habe einfach mal angefangen und auch einen Uhrenhersteller gefunden, der sich interessiert zeigte, aber dann ausgestiegen ist. Das fand ich schade, es ging mir auch nie so richtig aus dem Kopf. Manchmal hat man dann Glück und findet doch noch den richtigen Partner wie in meinem Fall die Firma Wempe.

          Sie sind Schauspieler, Musiker, aber kein Designer. Was gab Ihnen die Gewissheit, eine Uhr gestalten zu können?

          Ich fühle mich sicher nicht allmächtig und meine, nur weil ich als Künstler in bestimmten Bereichen erfolgreich bin, könnte ich nun alles. Aber ich spiele auch nicht Bass oder Schlagzeug, und weiß trotzdem, wie es sich anhören muss. So war das bei der Uhr auch. Ich habe mich eben schon lange mit Uhren beschäftigt und daher eine Idee, wie eine Uhr aussehen könnte. Aber auf dem Weg zum fertigen Produkt brauche ich natürlich Hilfe. Das Blatt habe ich gemeinsam mit Walter Schönauer entworfen, einem befreundeten Grafiker. Den Rest habe ich mit den Spezialisten von Wempe gemacht.

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          Wie lange dauerte die Entwicklung?

          Etwa zwei Jahre. In der Berliner Wempe-Niederlassung hatte ich Uwe Beckmann getroffen, der damals dort Chef war und ein großer Uhrenkenner ist, ebenso übrigens wie sein Kollege Bernhard Stoll. Die beiden haben das dann in die richtigen Bahnen gelenkt.

          Kaufen Sie neue Uhren oder auch mal Oldtimer?

          Nicht nur Neues. Auf Auktionen war ich zwar bisher noch nicht, aber ich stöbere zuweilen im Netz. Und wenn ich eine Uhr kaufe, dann ist das hochdramatisch. Ich habe nach so einem Kauf schon schweißgebadet den Laden verlassen. Eine gute Uhr ist wie ein Kunstwerk, das kauft man nicht einfach so.

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