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Hochzeit mit Tom Kaulitz : Schlicht ist Heidis Sache nicht (mehr)

  • -Aktualisiert am

Vor Capri heirateten Heidi Klum und Tom Kaulitz auf der Yacht „Christina O“ Bild: dpa

1000 Blumen, Sonnenuntergang in Italien und eine legendäre Yacht. Alles hätte so schön sein können bei der Hochzeit von Heidi Klum und Tom Kaulitz. Aber Heidis Kleid war es nicht. Eine Stilkritik.

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          „Und go und go, Vorsicht auf der Treppe, Kopf hoch, Schultern runter, auf die Boobies achten“, möchte man Heidi Klum ihre eigenen, sicher stets wohlmeinenden Ratschläge aus der Sendung „Germanys Next Topmodel“ zurückgeben. Auf den öffentlich gewordenen Paparazzi-Fotos, die sie barfuß an Deck der Luxusjacht „Christina O“ zeigen, wirkt sie ungewohnt unsicher im blütenbesetzten Batist ihres Hochzeitskleids.

          Das Bustier scheint leicht verrutscht, vielleicht niedergezogen von den riesigen Ärmeln, die am Oberteil befestigt sind, aber – heiditypisch – Schlüsselbein, Hals und Schultern freilassen. Der U-Boot-Ausschnitt, den Meghan Markle im Mai vergangenen Jahres beliebt machte, ist hier so tief gerutscht, dass er nicht mehr als solcher zu bezeichnen ist. Auf dem Hochzeitsfoto, das Heidi am Montag auf Twitter für uns postete, sitzt aber alles da, wo es soll.

          Sie und Tokio-Hotel-Gitarrist Tom Kaulitz küssen sich an Deck der legendären Luxusjacht „Christina O“. Schon Jackie Kennedy und Aristoteles Onassis hatten dort ihre Ehe gefeiert, ebenso wie Grace Kelly und Rainier III. von Monaco. In der Historie des Schiffs war dieses Hochzeitsfest wohl nicht mehr als eines der winzigen Steinchen im minoischen Mosaik der Tanzfläche auf dem Achterdeck. Vielleicht um angesichts dieser historischen Vorläufer die eigene Nichtigkeit zu camouflieren, entschied sich Heidi Klum, nun Kaulitz, für ein umso ausladenderes Kleid, in dem sie am Samstag vor den mit Phantasie-Priestergewand angetanen Bill Kaulitz, ihren künftigen Ehemann und die 100 geladenen Gäste trat.

          Es war nicht die Jungfernfahrt des 100 Jahre alten Schiffs – und Braut und Bräutigam schworen nicht zum ersten Mal ewige Liebe. Dennoch entschied sich Heidi wie bei ihren zwei Hochzeiten zuvor für ein weißes Kleid, aufgelockert nur von pastellfarbenen Blütenapplikationen auf der Schleppe, die sich im blumenumrankten Hochzeitsbogen wiederfinden. Während Heidi in der Vorschau ihrer Sendung bei ProSieben von Jahr zu Jahr weniger trägt, wurden ihre Brautkleider über die Jahre immer pompöser. Trotz der Menge an Stoff gelingt es ihr, wie stets, viel Haut zu zeigen. Dass Nacktheit allein nicht den dramatischen Auftritt kreiert, den sie sich für ihre „Mädchen“ stets wünscht, bemerkte auch Hochzeitsgast Wolfgang Joop einmal während seiner Zeit als Juror der Show. Aber so wie dort tut das Set sein Übriges.

          Vor der traumhaften Kulisse der mondänen italienischen Insel Capri hätte es wohl auch ein schlichteres Kleid getan – wie das, welches sie 1997 bei ihrer Hochzeit mit Ric Pipino trug. Brünett und mit klassischer Hochsteckfrisur erinnerte sie damals an Jackie Kennedy bei ihrer ersten Hochzeit. Auch bei der Feier mit Seal galt noch „weniger ist mehr“, wo heute „mehr ist mehr“ der Leitspruch zu sein scheint. Ein schlichtes Kleid von Vera Wang trug sie angeblich zur Zeremonie am Strand Mexikos. Wissen kann man es nicht, denn das Foto-Verbot konnte damals effizienter durchgesetzt werden. Bis zur Scheidung wiederholte sie mit ihrem Mann Seal Jahr für Jahr das Ja-Wort in unterschiedlichen Locations und Kleidern, gerne mit einem Motto wie bei ihren gefragten Halloween-Partys.

          Nun scheint sie es noch einmal wissen zu wollen, frei von Koketterie und Ironie. Befreit leider auch von der lässigen Eleganz, für die sie zu ihren besten Zeiten stand. Stattdessen Kitsch unter Blumengirlanden. Braut und Bräutigam beide mit langem offenem Haar, möglicherweise tatsächlich barfuß auf der Luxusjacht in der untergehenden Abendsonne. Für das Deck ist das sicher besser, für die Hippie-Bewegung das definitive Ende. Für Heidi ist es hoffentlich die letzte Hochzeit: Ein voluminöseres Kleid ist schwer zu finden.

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