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Gucci-Schau in Mailand : Magier der Puppen

  • -Aktualisiert am

Am Ende der Show stehen die Models am Rande des Karussells und starren mit totem Blick in die Zuschauerreihen. Bild: Helmut Fricke

Alessandro Micheles Traumtheater bei der Mailänder Modewoche bringt Gucci abermals ins Gespräch. Seine Show ist auch eine Hommage an die Arbeit hinter der Kulisse der Modeschauen.

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          Fast ist Alessandro Michele an diesem Nachmittag ein Designer zum Anfassen. Jeder Besucher der Gucci-Show läuft  an den Tischen vorbei, an denen die Models geschminkt werden und Michele noch letzte Hand anlegt, hier eine Haarsträhne leicht zur Seite schiebt, dort das Make-up verändern lässt. Später, als alle Zuschauer um eine Art Manege sitzen, öffnet sich der Vorhang, und zum Vorschein kommt kein Laufsteg, sondern eine Art Drehkarussell, auf dem die Models zur Musik von Ravels Bolero angekleidet werden und sich nach und nach an den Manegenrand begeben. Es ist aber mehr als ein Making of einer Modenschau, das Alessandro Michele in einer riesigen Industriehalle am Rande der Stadt präsentiert.

          Anke Schipp

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Er ist der Magier unter den ansonsten kühl kalkulierenden Designern bei der Mailänder Modewoche, die in diesen Tagen Kollektionen für den nächsten Herbst und Winter zeigt. Sein Blick hinter die Kulissen ist daher eher eine theatralische Inszenierung, bei der nichts dem Zufall überlassen wird. Im Kern ist die Szene real, am Ende aber doch artifiziell, spätestens als die Models in ihren romantischen und romantizierenden Kleidern puppenhaft am Rande des Karussells stehen und mit totem Blick in die Zuschauerreihen starren.

          Am Ende hört man aus dem Off die Stimme von Frederico Fellini, der surreale Märchenerzähler, der den italienischen Film der fünfziger Jahre bestimmte. „Ich bin ein Fan von Fellini“, gesteht Michele nach der Schau „Ich mag seine Stimme. Wie ein Kind macht er simple Dinge, die aber auch eine große Kraft haben.“ Manchmal schaue er sich Youtube-Videos des Regisseurs an, nur um seine Stimme zu hören.

          Für alle sichtbar: So sieht das Treiben hinter den Vorhängen der Laufstege aus. Bilderstrecke

          Die Gucci-Schau ist aber auch eine Hommage an Micheles Team, das sonst nur im Hintergrund agiert, jene vielen Männer und Frauen, die Details entwerfen, Models schminken, frisieren und ankleiden. „Wir gehören zum gleichen Zirkus“, erklärt Michele. „Wir kreieren Mode und verbringen Zeit zusammen. Das ist sehr intim.“ Am Ende sei es ein Ritual, fast ein religiöses, das er mit seinem Team, aber auch mit jedem einzelnen teile, der während der Schau auf der anderen Seite der Glasscheibe gesessen habe. Ein Designer zum Anfassen. Und zum Träumen.

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