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Klum lässt im Knast laufen : Heidis Frauenknast

Ganz normaler Laufsteg: Szene aus der neuen Folge, die am Donnerstag läuft Bild: ProSieben

Heidi Klum lässt ihre Models durch Gefängnisszenarien laufen. Aber ist das schon Skandal genug in dieser schnelllebigen Zeit? Wir hätten da noch ein paar Vorschläge.

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          So wie das Trash-Jahr seinen traditionellen Lauf nimmt (Dschungelcamp, Bachelor, GNTM, Bachelorette, Bauer sucht Frau, dann alles von vorn), so hat auch jede dieser Shows die immer gleiche Dramaturgie. Beim Dschungelcamp etwa kann man sich in der ersten Woche oft kaum wach halten, ehe das Ganze dann doch noch Fahrt aufnimmt. Aber Heidi Klum haut den größten Kracher von GNTM notgedrungen in einer der ersten Folgen raus: das Umstyling. Weinende junge Frauen und eine stählerne Klum, die sie auslacht, weil, haha, sie hat ja doch nur so getan, als würde sie ihnen die Mähne abschneiden – ProSieben schwelgt jedes Mal im Quotenglück.

          Julia Bähr
          Audience Managerin bei FAZ.NET.

          Aber danach wird es schwierig. Gut, es gibt noch das Nackt-Shooting, aber seit da nicht mehr so viele der Models moralisch entrüstet sind oder weinen, interessiert das auch keinen mehr. Um die nackten Körper geht es beim Anschauen nun wirklich nicht, man muss es ja heutzutage eher aktiv vermeiden, wenn man nicht dauernd die bloßen Leiber junger Frauen auf irgendwelchen Plakatwänden oder im Internet sehen will. Kein Mensch schaltet dafür extra den Fernseher ein. Es muss also was ganz Neues her, ein Tabubruch. Was könnte man denn da mal machen?

          Man könnte zum Beispiel Models in Abendkleidern in einem stillgelegten Gefängnishof auf und ab gehen lassen, während Statisten in orangefarbenen Sträflingsklamotten sie von rechts und links durch den Maschendraht anstarren. Weil das doch Stil hat, nicht wahr, und dann gibt’s da diese Serie „Orange Is the New Black“, lustiger Titel, da kann man was draus machen. Prompt zieht die „Bild“-Zeitung empörte Vergleiche mit Guantanamo und zeigt ein Bild von dort, auf dem Häftlinge zwischen ebensolchen Gittern knien. Welch praktische Anregung fürs nächste Jahr, wenn Heidi Klum die Ideen ausgehen, mit denen man garantiert in den Schlagzeilen landet: Wie wär’s, wenn die Models mal in Orange so knieten?

          Und dann gäbe es noch die ikonografischen Fotos vom Abu-Ghraib-Folterskandal 2004, das geht doch inzwischen bestimmt wieder als popkulturelle Referenz, also einfach eine junge Frau mit schwarzem Umhang und schwarzer Haube auf eine Kiste stellen mit Drähten an den Händen, und dann sehen, ob sie eine schöne Kurve mit dem Körper hinkriegt, „ganz toll machst du das!“, könnte Klum kreischen und in die Hände klatschen. Außerdem hat GNTM noch nie ein spontanes Street-Shooting in Bademoden in einem ultraorthodoxen Viertel Jerusalems gemacht – warum eigentlich? Wie weit müsste man wohl reisen für so eine richtig elende Pelzfarm, und können die Models dann nicht auch gleich für die Dauer der Dreharbeiten in diesen Käfigen wohnen, damit sie mal sehen, dass auch sie ganz unten anfangen müssen?

          Die Jury von GNTM: Michael Michalsky, Heidi Klum und Thomas Hayo
          Die Jury von GNTM: Michael Michalsky, Heidi Klum und Thomas Hayo : Bild: ProSieben

          Ach, es gäbe so viele Möglichkeiten. Die einzig wirklich unerhörte, die den Verantwortlichen dann doch zu weit gehen würde, ist aber diese: Eine Show, die sich gesellschaftlich und dramaturgisch zu Tode gelaufen hat, abzusetzen und etwas Neues zu versuchen. Notfalls eine Show, in der Menschen unter Tränen umgestylt werden, gern auch jede Woche, wenn das doch so gut funktioniert. Heidi Klum könnte es sogar moderieren. Und mit dem Umstyling von GNTM-Juror Thomas Hayo könnte sie direkt anfangen.

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