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GNTM-Kolumne : Eine flog über das Castingnest – Die Topmodel-Krönung 2022

  • -Aktualisiert am

Lebende Buchstaben: Martina (v.l.n.r.), Luca, Noella und Martinas Tochter Lou-Anne tagen beim Finale von „Germany’s Next Topmodel» G-, N-, T- und M-Kleider. Bild: dpa

Im Finale der GNTM-Familie lässt sich Heidi Klum weder von ihrem Top-Ehemann noch von einem neuen Zerstörungsvideo Rezos beirren. Anita muss als Erste gehen, Luca und Lou-Anne halten bis zur Fledermaus-Challenge durch.

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          Was für ein Finaltag für Heidi Klum und ihre Entourage aus angehenden Laufsteg-Legenden und jovialen Gastjuror- Grandseigneurs. Die traditionell ungetrübte Vorfreude auf den großen Schlussakkord der dreimonatigen Treibjagd auf das nächste „Harper's Bazaar“-Covergirl war der GNTM-Familie diese Saison nicht gegönnt. Stattdessen findet sie sich in einem PR-Desaster wieder. Pünktlich zur Krönungs-Zeremonie muss sich die selbstreflektorisch eher desinteressierte Topmodel-Bubble statt mit zahllosen Gefälligkeits-Artikeln, stimmgewaltigen Lobeshymnen und schockbegeisterterten Kommentarspalten-Claqueuren plötzlich mit Enthüllungs-Videos und Kritik an zweifelhaften Umgangsformen auseinandersetzen.

          Ärger im Plusquamperfekt-Paradies? Was war denn da passiert gewesen? Na ja, Ex-Kandidatin Lijana beschuldigt in einem bis zum Finale bereits mehr als 2,4 Millionen Mal abgerufenen YouTube-Enthüllungsvideo Topmodel-Redakteurinnen der Manipulation. Parallel dazu beherrscht ein heutzutage vermutlich als misogyn gecanceltes Zitat von Roger Willemsen den öffentlichen Diskurs und zahllose Familien-WhatsApp-Gruppen. 2009 wollte Willemsen gerne „elegant und stilsicher, wie der Dichter sagt, sechs Sorten Scheiße aus Heidi Klum rausprügeln – wenn es bloß nicht so frauenfeindlich wäre“. Sogar die Investigativ-Ikone der Generation „lieber blauhaarig als blauäugig“ meldet sich zu Wort. Rezo, hauptberuflich eigentlich für die Zerstörung der CDU zuständig, widmet sich ausnahmsweise dem Format GNTM. Und natürlich Heidi Klum, dem Philipp Amthor der Casting-Moderatorinnen.

          KriTikTok ist kein Influencer-Video

          Ziemlich fragile Gesamtgefühlslage also bei Publikum, Protagonistinnen und Boulevard-Begleitjournalisten, als Heidi Klum zur Eröffnung der Live-Finalshow in einem Traum aus explodierten Eisbären im Klavierduett mit „Germany's Next Top-Ehemann“ Tom Kaulitz den offiziellen Titelsong „Chai Tea with Heidi“, naja, singt. Schnell wird klar: Kaulitz ist nicht Igor Levit, Klum nicht Céline Dion. Vollkommen erschöpft von ihrer Opening-Performance gibt Klum dann die Moderation bis auf Weiteres an Ex-Kandidatin Sophie weiter, die es dieses Jahr zwar nicht ins Finale, dafür aber zum Personality-Award gebracht hat.

          Eine eher verblüffende Personalentscheidung. Sophie moderiert zwar enthusiastisch, allerdings vor lauter Realitätsüberdosis nur so souverän, wie der HSV Relegations-Heimspiele absolviert. Bei Vorjahresfinalistin Soulin ist das egal. Sophie erwischt die Hamburgerin in ekstatischem Vorfreuderausch: „Ich kann es nicht abwarten, alle Finalisten zu sehen.“ In welches Schnappatmungs-Level sie wohl eskaliert, wenn sie später auch noch die fünf Finalistinnen sieht.

          Schnell hinein also in die Abschlussprüfung dieser Staffel „Germany's Next Topmodel by Heidi Klum“, die aber gar nicht bei Heidi Klum stattfindet, sondern in den MMC Studios in Köln. Die Halle ist gerecht aufgeteilt in fünf Fanlager der verbliebenen Anwärterinnen auf den mit 100.000 Euro und einem Designer-Knebelvertrag dotierten Topmodel-Titel: Team Anita, Team Martina, Team Luca, Team Lou-Anne und Team Noëlla.

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