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GNTM-Kolumne : Wer wird Modelkanzlerin von Area 51?

  • -Aktualisiert am

Die verbliebenen Kandidatinnen der 17. Staffel von Germany’s next Topmodel Bild: ProSieben/Richard Hübner

In der achten Folge von Germany’s next Topmodel müssen die Kandidatinnen ihre Social-Media-Kompetenz unter Beweis stellen – und Produkte wie eine Klorollen-Mütze bewerben. Beim „Elimination Walk“ wird es extraterrestrisch.

          5 Min.

          Herzlich Willkommen zur großen ProSieben Walk-WM. 17 Kandidatinnen sind noch im Rennen, zwei davon wird Heidi Klum heute nach Hause schicken. In nur acht Wochen von 40 runter auf 15, das kennt man sonst nur vom Bundestagswahlkampf der CDU. Klum, die Angela Merkel des Privatfernsehens, startet ihr Auswahlverfahren diese Woche mit einem Assessment-Center für Instagram-Storys. Die angehenden Models müssen in 45 Sekunden-Clips ein erfundenes Produkt anpreisen und ihre Texte dafür selbst schreiben. Eine Aufgabe, so realitätsnah wie die Lippen von Donatella Versace. Warum also? Marketing-Koryphäe Klum referiert dazu: „Eine gute Vermarktung in den sozialen Medien ist heute wichtiger denn je“. Wichtiger also als beispielsweise 2006, als Lena Gercke die erste Staffel von Germany’s next Topmodel gewann. Vor allem, weil es Facebook und Instagram damals in Deutschland noch gar nicht gab.

          Während also alle Modelaspirantinnen fleißig Werbetexte schreiben, versichert Lou-Anne ihrer Mutter Martina, dass auch was Witziges dabei ist. Aufatmen im Feuilleton: Dieter Nuhr also schon Mal nicht. Beworben werden übrigens ein Schlaf-To-Go-Kissen, ein Lächel-Trainer und eine Klorollen-Mütze. Was man bei ProSieben eben lustig findet. Eine Atmosphäre wie Karneval am Ballermann, nur halt ohne Sangria-Eimer. Und alle bleiben angezogen. Auch die Handbremsen, denn als begabte Gagschreiberinnen entpuppen sich die wenigsten.

          Luca, Anita und Paula (von links nach rechts) in Aktion
          Luca, Anita und Paula (von links nach rechts) in Aktion : Bild: ProSieben/Richard Hübner

          Lediglich die Bewerbungs-Bemühungen für das Kissen fördern ein paar interessante Sätze zutage. Etwa den Klassiker: „Ihr könnt es auch im Stehen machen“. Ferkeleien bei GNTM – und das noch vor 21 Uhr. Zu den wenigen Gewinnerinnen dieser 1:1 am echten Modelleben orientierten Challenge zählt Lieselotte. Sie hat das Redeschwall-Gen von Thomas Gottschalk auf Baldrian. Sie redet pausenlos, allerdings in der Geschwindigkeit einer narkotisierten Schildkröte. So bekommt sie ihr gesamtes Schmunzel-Portfolio in 45 Sekunden gar nicht unter: „Ich hatte noch mehr Witze in der Tasche gehabt“. Direkt neben ihrem Lieblingsbuch, dem Grammatik-Tutorial „Heidi Klum hatte das Plusquamperfekt neu erfunden gehabt“.

          Drei Produkte für ein Halleluja

          Für die meisten Lacher, leider zumeist unfreiwillig, sorgt der Grinsetrainer. Das ist nicht etwa ein aufdringlicher Single-Mann, der den Models im toxischen Flirtmodus dauernd „Lach doch mal!“ empfiehlt, sondern ein Stück buntes Plastik, das man sich in den Mund schiebt, um die Mundwinkel nach oben zu drücken. Wenn man ihn anwendet, sieht man ein bisschen aus wie jemand, der sich besoffen versehentlich seine Zahnschiene hochkant eingesetzt hat. Jedes Mal, wenn eine Kandidatin den Grinsetrainer einssetzt, hängt irgendwo ein Kieferchirurg seinen Job an den Nagel.

          Vor allem für Perfektionistin Anita eine Herausforderung: „Ich merke, dass mich meine Zunge schon überschlägt“. Und jedes erfolgreiche Model weiß: Wenn dich sogar deine Zunge überschlägt – gar nicht gut. Schlimmer ist eigentlich nur noch, wenn sich dein Kopf um den Kragen redet. Anita ist entsprechend unzufrieden: „Ich habe das Ding in die Kamera gehalten wie so ein Opfer“. Sätze, die man sonst auch nur auf einem Exhibitionisten-Kongress hört.

          Reden ist Silber, Schweigen geht aber auch nicht

          Um dieses Opfer-Gefühl auch auf den Rest des Kaders zu erweitern, ruft Klum anschließend zum Social Media Interviewtraining. Traditionell wühlt sich dabei ein, naja, Journalist durch die Instagram-Kanäle der Kandidatinnen und versucht diese dann mit kompromittierenden Bildern aus der Reserve zu locken. Nach einigen ins Mobbing ausgearteten Versuchen mit diversen „Taff“-Moderatoren schickt Reiseleiterin Klum dieses Jahr die Sat.1-Journalismushoffnung Claudia von Brauchitsch ins Rennen.

          Heidi Klum mit dem Design-Duo „The Blonds“
          Heidi Klum mit dem Design-Duo „The Blonds“ : Bild: ProSieben/Richard Hübner

          Eine gute Wahl, denn von Brauchitsch hat Erfahrung mit Interview-Partnern, die dringend ein TV-Casting gewinnen wollen. Immerhin hat sie im letzten Bundestagswahlkampf das „Triell“ moderiert. Dort hat Annalena Baerbock sie scheinbar am meisten beeindruckt, denn von Brauchitsch trägt heute Grün. Die Farbe der Hoffnung. Nur nicht für das Gendern, denn das ist für von Brauchitsch keine Option. So steht sie dann also vor 17 Frauen und sagt: „Wenn ich eine Frage an den einen oder anderen stelle, dürfen alle antworten“. Juliana sieht direkt aus, als würde sie denken: „Nee, das Brauchitsch jetzt nicht“.

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