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Neues Trend-Muster Glencheck : Die Phantasie webt mit

  • -Aktualisiert am

Der Tagseite der Mode zugewandt, besitzt der Glencheck einen erheblichen Pragmatismus und in seiner ausgehärteten Form einigen Glanz. Dann gehört er Katharine Hepburn und James Bond, Winston Churchill und Diane Kruger. Bild: akg-images

Auf den ersten Blick ist traditioneller Glencheck das Trendmuster dieses Winters. Wer zweimal hinschaut, erkennt aber mehr darin: ein Netz aus Alltag und Abenteuer.

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          Und wieder schickt einem die Mode eine Einladung, es genau zu nehmen. Lächerlich genau, auf dass keiner das Detail verachte, das vermeintlich Nebensächliche, das es niemals aufnehmen könnte mit den großen Fragen und wichtigen Meinungen. Gerade deshalb nimmt man die Einladung gern an. Sie kommt in Gestalt eines Musters, einer spezifischen Kombination aus Quadraten, die sich, so ist es im Scottish Register of Tartans zu lesen, auf einer kurzen Liste der einflussreichsten Karos findet. Diese Liste ist alt. Und sie ist neu. Man kann es gar nicht übersehen.

          Auf dem Laufsteg zum Beispiel, wo man den Glencheck bei Off-White an hochgeschlitzten, engen Röcken, an Mänteln, Jacken, an Bustiers und, ja sogar an Stulpenstiefeln sieht. Man trifft ihn bei Ralph Lauren und in schöner Subtilität bei Veronique Branquinho, die den Glencheck wie Nachmittagsmelancholie um die Körper spielen lässt. Bei Antonio Marras erwischt man das selbstbewusste und doch niemals auftrumpfende Muster im Zwiegespräch mit floralen Stoffen und Spitze und bei Tibi in nüchterner Businesstauglichkeit. Die Aufzählung ließe sich fortsetzen; will, so scheint es, momentan doch niemand ohne diese Karos sein.

          Im Webrahmen entstehen sie aus abwechselnd zwei hellen, zwei dunklen, vier hellen und vier dunklen Fäden in Kette und Schuss. Um ein Grundquadrat in Hahnentritt legen sich Rechtecke und Quadrate in Pepita. Der offizielle Name: Glenurquhart Estate Check.

          Eingetragen wurde er am 1. Januar 1840, und als Erfinderin ist Elizabeth Macdougall aus Lewiston vermerkt, einem Dorf in der Nähe des Ufers von Loch Ness. Sie soll Probleme gehabt haben, dem Weber William Fraser die innovative, weil zweifache Kombination verständlich zu machen, und das Muster schließlich mit einem Stock in den schlammigen Boden gezeichnet haben. So will es jedenfalls die Legende, die überhaupt manches will, wenn es um die Highlands geht. Die Phantasie webt eben mit. Die Encyclopædia Britannica warnt.

          Man solle sich hüten, in jedem karierten Stoff das Banner der Tradition oder die Fahne Schottlands zu erkennen. Das Karo sei als dekorative Grundform immer auch Teil einer allgemeinen Geschichte der Mode und nicht ausschließlich durch englisch/schottische Auseinandersetzungen zu erklären.

          Einfachheit als Vorteil

          Nach der Schlacht von Culloden 1746 und dem endgültigen Scheitern des Versuchs der Jakobiten, die Thronfolge für das katholische Haus Stuart zurückzuerobern, hatte die britische Regierung im sogenannten „Dress Act“ allen Männern Schottlands, sofern sie nicht als Offiziere oder Soldaten in der königlichen Armee dienten, bei Androhung schwerer Strafen untersagt, die Zeichen der Clans zu tragen. 1782 endete das Verbot der Tartans und Kilts und machte den Weg frei für zahlreiche neue Karos.

          Tartans, wie der Shepherd’s Check und (als seine Weiterentwicklung) der Glenurquhart Estate Check, wurden erfunden, weniger repräsentative Webmuster, die ihren Namen mit einer Gegend, einer Landschaft, nicht aber mit einem Clan verbinden. Ihre Einfachheit erwies sich als Vorteil, denn wie Wandergesellen waren sie bereit, sich von der Mode kapern oder wenigstens von einer gewissen Lady Seafield adoptieren zu lassen.

          Die Ehefrau des 7. Earl of Seafield soll den Glencheck für die Uniformen der Wildhüter ausgesucht und dadurch in Umlauf gebracht haben, und auf einem seiner regelmäßigen Jagdaufenthalte in Abergeldie House soll ihn der älteste Sohn Königin Victorias, der spätere Edward VII, kennengelernt und sofort ins modebewusste Herz geschlossen haben. Seinen Eltern eine ewige Enttäuschung, hat „Bertie“ den Glencheck durch seine Begeisterung nobilitiert. Ein zartes farbiges Überkaro wurde eingefügt, und man sprach vom Prince of Wales Check, oder auch vom Prince de Galles. Man hätte das Muster auch „Uncle of Europe“ nennen können. So lautet der Spitzname Edwards, der den Trendbeobachtern ausgesprochen gut in die Prognose passt. Sie nämlich interpretieren die Beliebtheit des Glencheck als ein Ja zu offenen Grenzen und kosmopolitischem Geist.

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