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Givenchy : Hauskatzen statt Rottweiler

Givenchy-Models posieren mit Hauskatzen. Bild: Givenchy

Clare Waight Keller zeigt mit einer ersten Botschaft, in welche Richtung sie das Traditionshaus Givenchy als neue Kreativdirektorin führen wird.

          2 Min.

          Das Sprichwort, „Wo Rauch ist, da gibt es auch Feuer“, kann man in der Mode eigentlich nicht oft genug anwenden. Wenn ein Designer einmal als neue Personalie für ein großes Haus gehandelt wird, ist er so gut wie Kreativ-Direktor dort. Aber diesen Rauch nahm bis zu dem Zeitpunkt vor vier Monaten wirklich niemand allzu ernst. Den Gerüchten zufolge sollte Chloé-Chefin Clare Waight Keller auf Riccardo Tisci folgen. Beide bewegten sich bis zu diesem Zeitpunkt, in zwei verschiedenen Welten der Luxusmode. Jeder für sich war zwar erfolgreich darin, Kunden für die jeweilige Marke zu begeistern – und doch unterschieden sich ihre Herangehensweisen grundlegend.

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Auf der einen Seite Clare Waight Keller, die bei Chloé mit ihren empathischen Entwürfen sechs Jahre lang direkt von Frau zu anderen Frauen sprach, die ihre Art zu entwerfen unter dem Motto „Chloé Girls“ in dieser Zeit systematisiert hatte. Auf der anderen Seite Riccardo Tisci, unter dessen kreativer Leitung, Givenchy in den vergangenen zwölf Jahren seinen Platz im Herzen der Hip-Hop-Szene hatte. Sein Rottweiler-Sweatshirt ist - auch dank etlicher Abbildung auf Streetstyle-Bildern - legendär. Seine großen Fans hießen Rihanna und Kanye West.

          Tiere als neue Modeaccessoires

          Wie nähert man sich dem als Designer, wenn man zuvor jahrelang an Variationen der Schluppenbluse gearbeitet hat, dem Markenzeichen von Chloé? Wenn man Mode in dieser Zeit so sehr als Ausdruck von Freiheit verstanden hat - mit der ein oder anderen Lederjacke dazwischen - ohne dabei aber den hübsch zurechtgemachten Auftritt zu vernachlässigen? Die erste Antwort von Keller, die jetzt wirklich die neue Kreativdirektorin von Givenchy ist, und sich damit das Rauch-und-Feuer-Sprichwort einmal mehr bestätigt: Sie kann auch Tiere unterbringen. Zwar keine Rottweiler, aber doch tragen Models wie Kolton Bowen, Elias Bouremah und Saffron Vadher im Übrigen noch recht neue Gesichter, in den ersten Kampagnenbildern, die jetzt von ihrer Mode kursieren, liebliche bis leicht irritierende Hauskatzen auf dem Arm. Darunter viel nackte Haut, eine Herren-Tuxedohose, ein transparentes Spitzenhemd mit langen Ärmeln.

          Dieser Umfang spricht für sich: Es ist nur eine Ankündigung, richtig los geht es erst im Herbst, wenn die Britin ihre Version von Givenchy beim Prêt-à-porter der Damen in Paris zeigt. Aber schon jetzt deuten die Bilder in Kellers neue Richtung, die an die toughe Phase von Riccardo Tisci anknüpft und dabei das kreative Erbe von Hubert de Givenchy, der das Haus im Jahr 1952 gegründet hatte, wieder stärker berücksichtigt. Zeitlich passt es, da Givenchy in diesem Jahr seinen 65. Geburtstag feiert, und solche Jubiläen für eine Modemarke stets eine schöne Möglichkeit sind, sich mit diversen Feierlichkeiten ganz auf sich selbst zu beziehen.

          So gesehen haben selbst die vier Hauskatzen auf den Bildern, die ansonsten nur zwei Kleidungsstücke zeigen sowie sieben Accessoires – Ringe, Ketten, Tierhalsbänder – ihre Berechtigung. Ein Jahr nach Gründung setzte Hubert de Givenchy Katzendrucke auf seine Entwürfe. Keller geht jetzt also zurück zu den Wurzeln, zurück zu den Katzen. 

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