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Gisele Bündchen : Nicht zu süß und nicht zu dünn

Ihr letzter Auftritt auf dem Laufsteg: Gisele Bündchen am Mittwoch in Sao Paulo Bild: dpa

Gisele Bündchen, die das Ende ihrer Laufbahn auf dem Laufsteg verkündet hat, ist ein einzigartiges Model. Hätte ihr Agent aber nicht so ein gutes Auge bewiesen, wäre sie womöglich als Unterwäschemodel geendet.

          Gisele Bündchen hätte ein besseres Ende ihrer Laufbahn auf dem Laufsteg verdient gehabt. Verständlich, dass sich das brasilianische Model die Modewoche in São Paulo ausgesucht hat für ihren letzten Auftritt auf den Brettern, die nicht die Welt bedeuten. Denn im Alter von 14 Jahren hatte sie dort auch ihren ersten Auftritt. Und am Mittwochabend konnten wegen der Heimatnähe auch ihre Eltern, ihr Ehemann Tom Brady und ihre Schwestern im Publikum sitzen.

          Alfons Kaiser

          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Aber auf einer zweitklassigen Modewoche musste sie sich eben auch mit einer zweitklassigen Marke begnügen, wenn sie es selbst auch nicht bemerkt haben mag. Wer wollte schon Mode von Colcci sehen, selbst wenn Gisele sie mit aller Macht präsentierte? Unwürdig auch ihre Tränen, nur weil plötzlich viele Models den Laufsteg stürmten, die T-Shirts mit einem aufgedruckten Bündchen-Bild trugen – denn sie hießen nicht mal Naomi, Claudia oder Linda.

          Im Januar 2005 für das Label Triton Bilderstrecke

          Ach, was hatte sie schon für Auftritte! Paris, Mailand, New York! Chanel, Valentino, Versace, Boss! Leicht hätte sie sich auf internationaler Bühne verabschieden können. Aber die Vierunddreißigjährige aus Horizontina in Rio Grande do Sul ist eben auch heimattreu – das gehört zu ihrem Image wie der Bikini zu Ipanema.

          Die brasilianische Abstammung (mit deutschen Wurzeln) ist auch Teil ihres Erfolgs, der sich allein im vergangenen Jahr in einem Verdienst von 47 Millionen Dollar niederschlug. Modelmanager John Casablancas, der sie entdeckt hatte, schob mit ihr den „brazilian moment“ in der Modelgeschichte an, der jahrelang anhielt. Gisele kam Mitte der Neunziger im richtigen Moment – als nämlich das Supermodel-Zeitalter langsam endete, der Heroin-Chic schon nervte und die mageren Osteuropäerinnen mit den hohen Wangenknochen zu der Frage im Publikum führten: War das jetzt Natasha, Olga oder Natalia?

          Gisele erkannte man sofort. Sie ist präsent auf dem Laufsteg, kann lächeln ohne Kitschverdacht, hat ein nicht zu süßliches hübsches Gesicht und eine Figur, von der sich Magermodels etwas abschneiden könnten. Wenn Casablancas nicht das Auge und die Macht gehabt hätte – sie hätte durchaus als Katalog- oder Unterwäschemodel enden können. Irgendwie hat sie das dann sogar auch noch gepackt: Wie nebenbei verdiente sie als Engel von „Victoria’s Secret“ himmlische Gagen. Ihrem Ansehen hat es nicht geschadet. Dem Aussehen auch nicht.

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