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Herrenmodewoche in Paris : Gesprächs-Stoffe

  • -Aktualisiert am

Saint Laurent: Knallenge Reiterhosen hoch über der Hüfte Bild: Gamma-Rapho via Getty Images

Zum Erstaunen vieler Gäste ist Saint Laurent der Höhepunkt der Herrenmodewoche. Hedi Slimane hat die Marke so radikal umgekrempelt, dass die meisten Modejournalisten immer noch entrüstet sind.

          Das Haus Saint Laurent liefert weiterhin den meisten Gesprächsstoff in Paris, wo bis zum Sonntagabend die Herren-Kollektionen für den nächsten Sommer über den Laufsteg gingen. Hedi Slimane hat die Marke so radikal umgekrempelt, dass die meisten Modejournalisten immer noch entrüstet sind. Das Logo wurde verkürzt, die Boutiquen sind im minimalen Schwarz-Weiß-Look gehalten, Werbekampagnen zeigen Freaks wie Courtney Love oder Marilyn Manson, und wichtige Journalisten werden erst gar nicht eingeladen.

          Lanvin: Dieses Mal sollen die Anzüge wie Jogging-Klamotten aussehen

          Ja, das Lied ist alt, aber Hedi Slimane weiß, welchen Ton er anschlägt. Seine Ideen verkaufen sich nämlich hervorragend. Sogar François Pinault, der Chef des Konzerns Kering (früher PPR), zu dem Saint Laurent gehört, ist zur Schau gekommen - sonst sichtet man den Titan der französischen Modebranche in Paris so gut wie nie. „Ich bewundere, was dieser Kerl tut, und freue mich, dass er für uns arbeitet“, sagt der Patron, nachdem er Wangenküsschen links und rechts mit Hedi ausgetauscht hat.

          Rockabilly-, New-Wave- und Rock’n’Roll-Outfits

          Die Zufriedenheit hat gute Gründe. Dieses Mal war Hedi inspiriert von der alternativen Musikszene der Westküste. Seine aus verschiedenen Bands ausgesuchten Jungs stolzieren in Rockabilly-, New-Wave- und Rock’n’Roll-Outfits mit gegelten Tollen und Händen in den Taschen über den Laufsteg im Grand Palais. „Alles Jungs, die es gewohnt sind, auf der Bühne zu stehen“, sagt Slimane, sehr selbstsicher wirkend, nach der Schau. Zum Defilee der Woche wurde die Schau aber vor allem durch die innovative Schneiderkunst. Die Passform ist eng bei Saint Laurent, das ist klar. Aber die knallengen Reiterhosen, die oft mit zwei Bundfalten und hoch über der Hüfte sitzen, zeigen den Könner.

          Wenn Slimane früher das Mikro-Jackett propagierte, dann ist er nun beim weit geschnittenen Zweiknopf-Blazer angekommen. Die Silhouette verändert sich. Der erste Look mit einem weiten, blauen Blazer und enger Jeans hat sogar ein Einstecktuch - ein kleiner Gruß an den Gründer der Marke, der das immer trug. Auch farblich geht die Marke langsam zum Gründer zurück. Die Stiefeletten der Models sind knallpink - die Farbe verwendete auch Monsieur gerne. Und es sah frisch aus, so wie es die Kunden neuerdings an Saint Laurent schätzen. Der Berliner Einkäufer Emmanuel de Bayser vom Luxusgeschäft The Corner meint: „Wir können die Sachen kaum auf Lager halten, so schnell verkauft sich alles - Frauen- und Männerkollektion.“

          Der Sport ist eingekehrt in der Männermode, das ist, wie schon in Mailand eine Woche zuvor, der andere große Trend der Schauen. „Wir haben dieses Mal versucht, unsere Anzüge wie Joggingklamotten zu entwerfen“, sagt Alber Elbaz nach einer starken Lanvin-Schau. Und tatsächlich haben alle geschneiderten Teile wie Anzüge und Mäntel neue Volumen, um dem Träger Luft zu verschaffen.

          Das perfekte T-Shirt von Hermès

          Bei Hermès ist es Veronique Nichanian zu ihrem fünfundzwanzigjährigen Jubiläum in der Firma gelungen, das perfekte T-Shirt zu entwerfen: aus federleichtem Veloursleder. Die Finesse dieser Kollektion verblüfft mal wieder - wie man schon an den Krawattendrucken sieht, die als Inspiration für die Anzüge dienen. Eine ähnlich ausgefallene Quelle seiner Phantasie nutzt dieses Mal Dries van Noten. Er basiert, untypisch für ihn und für Männer generell, seine Kollektion auf Blumenmuster und lässt es trotzdem männlich aussehen. Dabei hilft intelligentes Styling von Militär-Teilen wie Parkas und Bomberjacken. Vor Farben haben die Männer-Modemacher jedenfalls keine Angst mehr. Riccardo Tisci, der Givenchy-Designer, zeigt es eindrucksvoll. Seine Hymne an Tribal-Drucke in Leuchtfarben beweist, dass er einen kurzen Draht zur Straße und zur Jugendkultur hat.

          Kim Jones bei Louis Vuitton schickt sich an, Kollektionen zu machen, die tatsächlich im Laden erscheinen (nicht, dass am Ende wieder nur Lederwaren zu sehen sind). Dieses Mal geht die Reise nach Texas. Der britische Designer (bei Louis Vuitton der Männer-Gegenpart zum Damenmode-Designer Marc Jacobs) schafft es durch den kontrollierten Einsatz aufgenähter Lederflecken, seine Anzüge und Parkas frisch aussehen zu lassen.

          Marc Jacobs ist sichtlich bedrückt

          Marc Jacobs sitzt in der ersten Reihe und ist sichtlich bedrückt ob der guten Schau seines Zöglings. Das wird alle Gerüchte in Paris weiter befeuern, dass er seinen Vertrag beim größten Luxushaus der Welt nicht verlängern könnte. Wird nun wirklich Nicolas Ghesquière sein Nachfolger?

          Von Delphine Arnault, der neuen Statthalterin ihres Vaters Bernard Arnault bei Louis Vuitton, wird er nämlich heiß verehrt. Am Montagnachmittag richten sich bei der Dior-Schau zu Beginn der Couture-Woche solche Fragen denn auch an die Erbin des Imperiums. Sie lässt sie lächelnd an sich abprallen. Hier geht es schließlich um den schönen Schein, und der muss gewahrt werden.

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