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Karl Lagerfeld über Literatur : „Man muss Triviales lesen“

„Das Interessante in der Literatur ist die Sprache. Worum es darin geht, spielt keine Rolle.“

„Meiner Meinung nach ist das wichtigste an einem Schriftsteller, dass er seine eigene Sprache findet.“

„Das Papier hat einen Geruch, das kein Schirm ersetzen kann. Es tut mir leid, ich liebe iPads, aber Bücher sind besser.“

„Ich benutze iPads, um zu zeichnen, und zwar habe ich eine Technik entdeckt, die genau wie Kupferstich ist. Das dauert lange, aber es ist toll und es ist nicht so langweilig wie Kupferstich, was sehr, sehr ermüdend ist. Man kann die gleiche Technik für iPads finden. Aber für die Lektüre, tut mir leid: Ich will umblättern und das Papier anfassen und riechen.“

Karl Lagerfeld vor seinen Büchern

„Ich liebe illustrierte Bücher als hübsche Objekte, aber im Grunde guckt man den Text an, und die Illustrationen sind eine Visualisierung von jemandem, der nicht unbedingt die gleiche Visualisierung hat wie der Leser. Ich bin dafür, mir das in meinem Kopf selbst auszumalen, etwas zu sehen, was meistens keine Beziehung dazu und Begrenzungen hat. Es geht auch ohne Illustrationen, auch wenn ich illustrierte Bücher liebe. Ich illustriere gerne. Aber schöne Texte, da brauche ich keine Bilder.“

„300.000 Bücher, das sind nicht nur Lesebücher. Das ist auch alles, was im Bezug auf Kunst, Malerei, Bildhauerei, Architektur, Mode in den letzten 30, 40 Jahren erschienen ist. Das Literarische daran, das sind wahrscheinlich wenige.“

„Ich habe sogar — das habe ich aber leider verkauft, weil ich nichts damit anfangen konnte —, ich habe sogar das Schloss besessen, das der Familie Volland gehörte, der Freundin von Diderot, wo Diderot viele seiner Bücher geschrieben hat. Das lag in einer Gegend, die unmöglich ist, in der Nähe von Épernay, die gefährlichste Gegend Frankreichs. Da kamen Diebe nachts, die dem Hauswart die Autoreifen abmontierten. Man konnte nachts nicht mit offenen Fenstern schlafen. Ich habe das zehn Jahre lang gehabt, und ich bin zweimal da gewesen zum Schlafen.“

„Ich hasse das Wort ,Sachliteratur‘. Das Wort ,Belletristik‘ gibt es auch nur in Deutschland. Im Grunde lege ich auf Geschichten keinen großen Wert. Ich liebe Analysen und Essays.“

„Ich gehe oft an all meinen Bücherborden vorbei und lerne visuell auswendig, wo die Sachen sind. Und wenn ich etwas brauche, kann ich anrufen und beschreiben: in dem Bord, fünftes Regal und so weiter. So muss das sein.“

„Ich will hier nicht als alter Lehrer stehen. Ich will oberflächlich wirken.“

„Es freut mich, wenn die Leute lesen – aber ich bin kein Apostel. Ich schlage vor, aber die Leute machen, was sie wollen. Es kommt darauf an, wie man das sagt. Man darf das nicht wie so ein Pauker sagen. Es kommt darauf an, mit wem Sie sprechen. Man muss sich in die Leute reinversetzen und ihnen dann einen Komplex geben, dass sie automatisch sagen:,Irgendwas fehlt mir doch.‘ Das ist gesunde Perversität. Irgendwie zu finden, dass die jungen Leute selbst sagen: ,Ich muss vielleicht doch mal lesen.‘“

„Wenn man mir sagt: ,Das muss man lesen‘, dann lese ich es bestimmt nicht.“

Über Marquis de Sade: „In Frankreich heute ist alles verboten. Nur das gilt als intellektuelle Lektüre. Würden die Leute machen, was da im Buch steht, sie wären alle im Gefängnis. Das ist nicht meine Lieblingsliteratur. Ich bin nicht sehr auf betont erotische Literatur eingestellt. Die ,Venus im Pelz‘, die können Sie behalten.“

Aufgezeichnet von Johanna Christner.

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