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Steingut statt Porzellan : Schöne neue Geschirrwelt

  • -Aktualisiert am

Drehen für die Gleichmäßigkeit: Bild aus einer Töpferei in Thüringen Bild: dpa

Geschirr aus Keramik hatte lange keine Chance gegen das blütenweiße Porzellan. Doch immer mehr Restaurants setzen auf Teller und Tassen aus Ton und Lehm. Viele Gründe sprechen dafür.

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          Es war einmal ein Arme-Leute-Geschirr. Es wurde mit Wasser aus Ton und Lehm geformt und anschließend gebrannt. Man nannte es Steingut oder auch Keramik. Lange Zeit hindurch gab es nichts anderes. Das änderte sich, als auch in Europa das Porzellan erfunden wurde und fortan die Tafeln in den Salons der besseren Gesellschaft schmückte. Weiß und strahlend. Licht und fein. Das alte Steingut war von nun an nur noch etwas für die einfachen Milieus.

          Und heute? Blättert man in den einschlägigen Foodmagazinen oder besucht gleich die dort empfohlenen Restaurants, könnte man fast an einen Aufstand von unten denken. Das Porzellan ist von seinem hohen gastronomischen Podest gestoßen und Keramikgeschirr offenbar als der neue König in unseren Restaurants inthronisiert worden. Mit Blau-, Rot-, Grün- und Grau-Lasuren, egal ob als flache Teller, tiefe Teller, Schalen oder Becher, macht es deutlich auf sich aufmerksam. Die Formensprache ist einfach, die Optik bodenständig, die Haptik handfest. Es riecht förmlich nach Erde und Untergrund. In nahezu allen Restauranttypen vom Mittelbau aufwärts bis hoch zu den Sternelokalen ist es mittlerweile fast die Norm. Was ist geschehen?

          Keramik taugt auch für Designer-Vasen.
          Keramik taugt auch für Designer-Vasen. : Bild: Stijlmarkt

          Wie es aussieht, eine zweite große Zäsur in der Geschirr-Ästhetik innerhalb kurzer Zeit. Es waren die 2000er Jahre, als die führenden Porzellanhersteller, national wie international, neue Kreationen auf den Markt brachten. Eckige Teller, wellige Teller, in allen Längs- und Querformen, manchmal wie kleine Skulpturen gearbeitet. Das neue Geschirr für die neue Küche war geboren. Für neue Anrichteweisen, für eine neue Optik, für eine neue, verfeinerte Idee des Essens. Und vor allem schneeweiß.

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          Und jetzt schon wieder ein Umbruch? „Porzellan hatte lange Zeit ein Alleinstellungsmerkmal“, sagt Benedikt Faust, bis 2019 Küchenchef des „Kuno 1408“ in Würzburg. „Diese Zeiten sind vorbei.“ Ein Blick auf die gastronomische Landkarte Deutschlands bestätigt, dass die Bewegung durchgreifend ist. Keramik dominiert die Restauranttische von Sylt bis München, von Düsseldorf bis Berlin. Ist das einfach nur eine Modeerscheinung, weil in schnelllebigen Zeiten in einem umtriebigen Gewerbe die Launen und Vorlieben gerne rasch wechseln? Als die Keramikteller in der Gastronomie das erste Mal in größeren Mengen gesichtet wurden, sagte der Fernsehkoch Roland Trettl in einem Interview, das alles werde auch ganz schnell wieder verschwinden; er habe bereits wieder auf weißes Porzellan umgestellt.

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