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Germany’s next Topmodel : Kinderfasching mit Fremdschäm-Momenten

Am Ende ging’s dann doch noch mal kurz um den Wettbewerb: Simone (rechts) setzte sich gegen Sayana durch. Bild: dpa

Simone ist Germany’s next Topmodel 2019. Doch darum ging es in der Finalshow am Donnerstagabend nur am Rande – stattdessen wurde Feminismus propagiert und geheiratet.

          Es gab mehrere Theorien, warum GNTM-Kandidatin Vanessa kurz vor der Finalshow überraschend ausgestiegen ist: Schwangerschaft war eine davon, eine andere besagt, ihre Teilnahme sei lediglich Kalkül gewesen, um bekannt zu werden, und eigentlich wollte sie nie Germany’s next Topmodel sein. Oder, auch eine Möglichkeit, sie fürchtete, nur auf Platz zwei, hinter Konkurrentin Simone, zu landen. Am Donnerstagabend kam eine weitere dazu: Vanessa hat den Showplan gesehen – und gerade noch rechtzeitig die Flucht ergriffen.  

          Julia Anton

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET

          Das 14. GNTM-Finale war so voll von Fremdschäm-Momenten, dass man auch am Tag danach immer noch nicht so recht glauben mag, was man da gesehen hat. Das Konzept war es offenbar, die 2,57 Millionen Zuschauer derart in Schockstarre zu versetzen, dass sie nicht mehr in der Lage waren umzuschalten. 

          Ist Gott eine Frau – oder ein riesiges rotes Baiser?

          Dass man zunächst die Finalistinnen Ansprachen über Feminismus und weibliche Solidarität halten ließ und den bereits ausgeschiedenen Kandidatinnen alberne Kampfschilder in die Hand drückte, war dabei noch harmlos. Natürlich können auch Models Feministinnen sein. Aber in einer Sendung, in der eine Frau andere Frauen permanent bewertet und jungen Mädchen eingeredet wird, sie hätten nicht genug „personality“, ist das schon reichlich absurd. Später wurde jeder Feminismusgedanke auch gleich wieder über Bord geworfen, indem halbnackte Tänzer zu Objekten degradiert wurden, während Heidi Klum ihnen mit einem Laubbläser den Schweiß vom Körper pustete, und man Frauen aufs Heiraten reduzierte.  

          Worum ging’s nochmal?

          Damit nämlich auch wirklich jedes junge Mädchen versteht, wie toll das mit dem Heiraten ist, wurde es gleich auf der Bühne vorgeführt. Sämtliche Kandidatinnen der Staffel wurden in Brautkleider gesteckt und der Verlobte von Top-Ten-Kandidatin Theresia auf die Bühne gezerrt. Ehe der Arme sich auch nur versehen hatte, schritt Theresia in Weiß auf ihn zu, ein Teppich wurde ausgerollt und eine Kanzel herbeigeschafft, und Heidi Klum persönlich traute die beiden. Als wäre das nicht schlimm genug, bekam der überrumpelte Bräutigam ein Murmeltiermaskottchen als Trauzeugen an die Seite gestellt. Selbst Entertainer Thomas Gottschalk schien so perplex, dass er seinen Einsatz als Ringträger verpasste. Die völlig überdrehte Heidi Klum kommandierte ihn an Ort und Stelle: „Thomas! Die Ringe! Jetzt, jetzt, jetzt!“ Zu guter Letzt war dann noch Spucke nötig, um den zu kleinen Ring des Bräutigams auf dessen Finger zu quetschen. 

          Thomas wollte seine Freundin Theresia eigentlich erst in zwei Wochen heiraten – doch Heidi Klum war schneller. Immerhin gab’s eine Reise nach Mexiko geschenkt.

          Was das mit „Germany’s next Topmodel“ zu tun hat? Keine Ahnung. Die Finalistinnen waren in der mit Einspielern überfrachteten Sendung so wenig zu sehen, dass man als Zuschauer zwischendurch vergaß, wer überhaupt noch im Rennen war – oder welche Sendung man gerade schaute. Am Ende waren dann gerade noch fünf Minuten Zeit, um die Siegerin zu küren. Es wurde die 21 Jahre alte Simone Kowalski aus Stade. Sie war die Heulsuse der Staffel, die vor allem Angst hatte, die Aufgaben aber dann doch mit Bravour löste. Von den anderen Kandidatinnen wurde sie deshalb ein paar Folgen lang gemobbt – bis sich die Probleme in der vorletzten Episode scheinbar in Luft auflösten, was den Eindruck hinterließ, der Zickenkrieg sei lediglich geskriptet gewesen. 

          Gutes lässt sich nicht mal über die Outfits sagen, Gottschalk beschrieb sie an einer Stelle mal ganz treffend als „Kinderfasching“.  

          Das Schlimmste an der Sendung ist dabei noch gar nicht erwähnt: Es war das Wissen, dass „Germany’s next Topmodel“ noch lange nicht zu Ende ist. Wie Heidi Klum wenige Tage vor der Finalshow verkündete, hat sie bei ProSieben für sechs weitere Jahre Modelsuche unterschrieben.

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