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Design-Newcomer : Problemlöser nicht nur zum Wohl von Alten und Kranken

Newcomer des Jahres beim German Design Award: David Wojcik ist selbständiger Produktdesigner in Augsburg. Bild: Adrian Beck

Seine Bachelor-Arbeit brachte ihm den Preis als Newcomer des Jahres beim German Design Award ein: David Wojcik entwickelt Medizinprodukte, die Menschen einfach und kostengünstig helfen – egal, ob jung oder alt.

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          Ein Zeitungsartikel brachte David Wojcik auf das Thema seiner Bachelor-Arbeit: Schwangere in Entwicklungsländern haben, wenn sie ihre Kinder gebären, oft einen starken Blutverlust. Dilettantisch und unhygienisch wird in vielen Fällen dann zwar noch versucht, das Blut aufzufangen, es notdürftig zu filtern und per Transfusion dem Körper wieder zuzuführen – allerdings meist mit genauso fatalen Folgen für die Frauen. Das müsste nicht sein, dachte sich Wojcik und fing an zu recherchieren. Schnell stellte er fest, dass auch in einem hochentwickelten Land wie Deutschland bei Operationen viel Blut verloren geht, weil es nicht aufgefangen wird.

          Peter-Philipp Schmitt
          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Genau da setzte der damalige Student an und entwickelte Bloop, ein einfaches und vor allem kostengünstiges Produkt, das austretendes Blut aufsammeln und wieder aufbereiten kann, so dass es später zur Verfügung steht. Bloop war Wojciks Abschlussarbeit an der Hochschule für Gestaltung (HfG) Schwäbisch Gmünd – und schaffte es auch in eine Ausstellung im Wissenschaftsmuseum in London. Es brachte Wojcik nun den Preis als Newcomer des Jahres beim German Design Award ein, der vom Rat für Formgebung in Frankfurt vergeben wird.

          „Bloop“ fängt während einer Operation aus der Wunde austretendes Blut auf und bereitet es wieder auf.
          „Bloop“ fängt während einer Operation aus der Wunde austretendes Blut auf und bereitet es wieder auf. : Bild: David Wojcik

          Hebix und Balloo entstanden während des Studiums

          Wojcik, der 1989 in Augsburg geboren wurde, fand Medizinprodukte schon immer spannend. „Da habe ich den meisten Input, wenn ich Menschen helfen kann.“ Sein Hebix zum Beispiel ist eine Hebehilfe, mit der man Personen, die gestürzt sind und selbständig nicht mehr auf die Beine kommen, in eine sitzende Position bringen kann. Das zusammenklappbare Produkt wird der am Boden liegenden Person angelegt und dann an zwei Griffen wie bei einer Sackkarre aufgerichtet. Die dafür benötigte Kraft entspricht nur etwa einem Viertel des Körpergewichts der anzuhebenden Person. Hebix ist inzwischen erfolgreich auf dem Markt und wird von der Firma Aacurat im baden-württembergischen Hüttlingen produziert, die auf Hilfsmittel für die Alten- und Krankenpflege spezialisiert ist.

          „Hebix“: Eine Hebehilfe, mit der man Personen, die gestürzt sind und selbständig nicht mehr auf die Beine kommen, in eine sitzende Position bringen kann.
          „Hebix“: Eine Hebehilfe, mit der man Personen, die gestürzt sind und selbständig nicht mehr auf die Beine kommen, in eine sitzende Position bringen kann. : Bild: David Wojcik

          Eine weitere Erfindung von Wojcik ist Balloo, eine Art Hilferufer für Großveranstaltungen wie das Oktoberfest. Dort verletzt sich im Schnitt alle zehn Minuten eine Person. In so einem Notfall weist Balloo für die Rettungskräfte den Weg. Das Gerät, das aussieht wie eine große Taschenlampe, setzt per Knopfdruck einen weithin sichtbaren Signalballon frei, der sich mit Helium füllt und auf 3,5 Meter Höhe steigt, zusammen mit einer blinkenden LED, die den Ballon beleuchtet. Am Boden zieht zugleich ein Laser um den Hilflosen einen Lichtkreis, was im Gedränge zur Rücksicht anhalten soll.

          „Ich wollte nicht Party und Ablenkung“

          Auch Balloo entstand schon während des Studiums. Wojcik hatte sich nach dem Abitur bewusst für Schwäbisch Gmünd und gegen Berlin entschieden. „Ich wollte nicht Party und Ablenkung“, sagt der Zweiunddreißigjährige. Zudem sei die HfG, die sich in der Tradition des Bauhaus und der Hochschule für Gestaltung Ulm sieht, dafür bekannt, dass sie lehrt, Probleme zu lösen. „Styling ist dabei nicht so wichtig.“ Wojcik freut an der Auszeichnung als Newcomer des Jahres besonders, dass er von seinem Professor für seine guten Werke nominiert wurde.

          Apropos Problemlösung: In Augsburg, wo er lebt und als Produktdesigner selbständig arbeitet, hat er mit Freunden 2015 ein Start-up gegründet, mit dem er die Innenstadt beleben will. Boxbote ist eine Online-Plattform, über die bei Einzelhändlern eingekauft werden kann, Fahrradboten bringen Lebensmittel, Blumen oder Medikamente dann nach Hause. „Wir haben mittlerweile 80 Angestellte“, sagt Wojcik. Noch in diesem Jahr wollen sie nach Ulm und Nürnberg expandieren.

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