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Berliner Modewoche : Man sagt: Viel Spaß damit!

Zwischen überdekoriert und minimalistisch

Was tut man da als junger Designer in Berlin? Weil die deutsche Mode in der Krise steckt, haben viele Talente hierzulande zuletzt versucht, den Einkäufern betont kommerziellere Entwürfe schmackhaft zu machen. Die Folge: Viele Teile sahen so aus, als bekäme man sie in jeder Fußgängerzone oder in jedem Online-Shop. Dabei muss Mode Begehrlichkeiten wecken. Auch weil schon diese Ausgabe der Fashion Week zeigt, dass einige Designer wieder mehr zu sich selbst finden, weil es nun eine Lobby für jene Talente gibt, das neugegründete German Fashion Design Council (GFDC), könnte es vielleicht bald einen Aufschwung geben.

Ein gutes Beispiel dafür ist auch die Arbeit von Dawid Tomaszewski, der seit Jahren in Berlin zeigt, zunächst auf betont üppige Entwürfe setzte und dann zuletzt eher kommerziell wurde. Seine aktuelle Kollektion, die er am Dienstagabend im Berliner Kronprinzenpalais zeigt, ist die beste, die er je entworfen hat, und sie liegt genau in der Mitte, zwischen überdekoriert und minimalistisch. Das letzte Stück, ein schwarzer Mantel mit einem Goldfaden-Muster, das anmutet, als betrachte man bei Nacht aus dem Flugzeug eine Großstadt von oben, verkaufe sich schon jetzt. „In den ersten 24 Stunden sind dreißig Bestellungen eingegangen“, erzählt er einen Abend später auf der Party der „Vogue“.

Oder man schaut sich die Entwürfe von Marina Hoermanseder an: Es gibt wohl kaum eine Designerin in Berlin, die mit mehr Mut an ihre Kollektionen geht. Ihre Inspirationen holt sie sich aus der Orthopädie, mit dieser sonderbaren Idee ist ihre Mode das Gegenteil von beliebig, am Ende aber doch tragbar. Wie wäre es zum Beispiel mit einer Bondage-Beuteltasche? Mit Jacken und Pullovern, aus denen wie scheinbar selbstverständlich Rucksäcke und Taschen aus Leder herauswachsen?

Ein Anruf bei Iris Berben

Auch Augustin Tebouls düster-schwarze Entwürfe mit reichlich Kristallapplikationen und Häkelspitze würde man auf den ersten Blick nicht in einem Modeladen vermuten, sondern als Teil einer Kunstinstallation in einer Galerie. „Jetzt wollen wir zeigen, dass unsere Mode auch tragbar ist“, sagt Annelie Augustin, eine Hälfte des Duos. Am Montagabend steht sie zwischen den Bildern ihrer Ausstellung „Sounds of Black“. Der Fotograf Stefan Milev hat für die Marke inspirierende Menschen in Augustin Teboul fotografiert, darunter Iris Berben und Angelika Taschen. Wie sie die bekommen hat? „Einfach angerufen, hallo, ich bin Annelie“, erzählt sie im Erdgeschoss des Berliner Kronprinzenpalais.

Hier findet sich nicht einmal 24 Stunden später, am Dienstagnachmittag, gefühlt ein Großteil der deutschen Mode ein. Im Berliner Salon, den „Vogue“-Chefredakteurin Christiane Arp und Marcus Kurz von der Produktionsfirma Nowadays zum ersten Mal organisiert haben, treffen junge Labels wie de Hillerin oder Hoermanseder auf etablierte deutsche Marken. Viele von diesen Häusern kehren Berlin seit Jahren den Rücken. Es ist zum Beispiel sieben Jahre her, dass Talbot Runhof auf der Berliner Modemesse Premium zeigte. „Die Gemeinsamkeit in Deutschland fehlt“, sagt Adrian Runhof. Würden die Modemacher also beim nächsten Mal wieder dabei sein? „Auf jeden Fall.“ Auch Andrea Karg, Gründerin des Kaschmirlabels Allude, spricht vom Flaggezeigen, im Rücken läuft ihre Videoinstallation mit dem Strickmuster im Großformat. Und Tim Labenda, der zur Fraktion der jungen Talente gehört, haben in der ersten halben Stunde gleich zwei Einkäufer besucht.

Besonders für die Händler könnte deutsches Design nämlich am Ende die große Chance sein, gerade jetzt, da die Mode immer beliebiger wird. Zu den meisten Produkten lässt sich eine ganz reizende Geschichte erzählen. Stichwort Să-l porți sănătoasa. Das hat zumindest schon ein Amerikaner erkannt. Nadahl Shocair, Investor mit einer Vorliebe für Start-ups, schaut sich im Berliner Salon sehr genau um. „Das Einzige, was der Mode hier fehlt, ist das Geld.“ Da könnte er aushelfen, Mode habe ähnliches Potential wie die Start-ups der Stadt. Auch diese Szene ist schnell gewachsen. „Maximal zwei bis drei Jahre würde es dauern. Die Mode hier hat ihre eigene Seele.“

In Berlin wird sie in dieser Woche von innen nach außen gekehrt. Was man hier sieht, ist wertzuschätzen. Warum trägt man es dann also auch nicht so? Să-l porți sănătoasa.

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