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Mode in Mailand und London : Gelb, Geld und ganz viel Gucci

Bild: AFP

Die Modekarawane ist weitergezogen: Vom herbstlich angehauchten London in das weitgehend sonnige Mailand. Aber wer schaut schon aufs Wetter, wenn er am Catwalk sitzt? Neun Eindrücke von den Fashion Weeks.

          Die Zeiten der offensichtlichen Trendtaschen mögen vorbei sein, jene der Objekt-Ohrringe sind erst angebrochen. Die besten Exemplare zeigt Miuccia Prada in Mailand mit ihren skulpturhaften Pelz- und Diskokugelohrringen. Auch auf dem Laufsteg entfalten sie ihre Wirkung: Sie geben den klassischen Kostümen, die sie für Frühjahr und Sommer 2016 vorgesehen hat, eine neue Richtung. Das muss so ein Ohrring erst mal schaffen.

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Ähnlich sieht es bei Stella Jean aus: Hier wölben sich Tukan-Nachbildungen um die Ohrmuschel, bei Gucci hängen lange Strassketten herunter, bei Fausto Puglisi sind es Muscheln. Als Solitär ist so ein Ohrring übrigens noch mehr Objekt als im Doppel.

          In sieben Schritten zum Erfolg

          Sieben Schritte, um eine Marke zu entstauben – am Beispiel von Gucci:

          1.  Kreativ-Direktor und Geschäftsführer feuern.
          2. Rasch einen Nachfolger ernennen, auf ein Talent mit Vision setzen sowie auf einen risikofreudigen Geschäftsführer. Gut, wenn die Vision des Designers nicht dem gängigen Bild von Mode entspricht. So kann der Neue die Mode in eine andere Richtung lenken und dem Haus eine Daseinsberechtigung geben.
          3. Den Designer seine Vision in aller Pracht auf dem Laufsteg ausbreiten lassen – selbst wenn es, wie bei Gucci zur Herrenschau im Januar in Mailand, Schluppenblusen sind. Der Schock sitzt!
          4. Dieselbe Vision sechs Wochen später bei der Damenschau wiederholen. Langsam wirkt das Gift, die Modeleute sind nicht mehr verstört, sondern sprechen begeistert über Guccis Luxus-Flohmarkt.
          5. Kleidungsstücke weiterdenken, bei Gucci ist es der schwarze Loafer – nur ist er hier mit Pelz ausgekleidet und an den Fersen offen.
          6. Die Schau in ungewohnter Location präsentieren – hinter den Bahnhof Garibaldi. Der Industriecharme vermittelt Understatement und Coolness. Dass an dem Septembertag ein Unwetter über Mailand zieht, passt bestens.
          7. Sich über erste Erfolge freuen: Zur Schau tragen auch jene Modeleute bei strömendem Regen ihre Pantoletten mit Pelz-Sohle, die sich früher Gucci nicht genähert hätten.
          Zukunftsweisend: Gucci zeigt, wie man eine Marke erfolgreich entstaubt.

          Neuer Schlappen-Trend

          Jetzt, da Schlappen gesellschaftsfähig sind, dürfen sie auch teuer sein. Man sieht die Luxus-Schlappen bei Santoni: Hier sind sie mit doppelten Monk-Straps versehen und in Krokoleder erhältlich. Man sieht sie auch bei Brunello Cucinelli (Foto). Die Schlappen sehen hier aus, als wären sie in Kooperation mit Adidas entwickelt worden. „Wir haben beim Entwerfen gar nicht an Adidas gedacht“, gesteht der Mann Brunello Cucinelli am Mittwochabend bei der Präsentation der Marke Brunello Cucinelli. Dennoch, wenn man ihm einmal das Stichwort Adilette gibt, sprudelt es aus ihm heraus: Welche Sportler in den Siebzigern in Adidas Medaillen gewonnen haben. Natürlich in Turnschuhen – das muss man heute, in Zeiten des Schlappen-Wahnsinns, besser dazusagen.

          Teure Adiletten: die Schlappen von Brunello Cucinelli

          Ambitionierte Jung-Designer

          Andere dürften sie vorher für verrückt erklärt haben: Eigene Labels gründen, in Mailand, der Stadt der alten Häuser? Die jungen Designer Arthur Arbesser und Massimo Giorgetti haben es trotzdem versucht – mit Erfolg. Heute sind sie nicht nur für ihre eigenen Marken verantwortlich, sie zeigen ihre Debütkollektionen als Chefdesigner großer Häuser: Arbesser knüpft für Iceberg an die knalligen Strick-Teile von einst an und lädt sie mit frischer Energie auf: mit grafischem colour-blocking, silbernen Disko-Teilen, Riesenbroschen. Einfach zu tragen ist das trotzdem. Stichwort Einteiler. Massimo Giorgetti, neuer Chefdesigner von Pucci, setzt ebenfalls auf Effekt-Teile zum schnellen Überziehen und toll Aussehen. Leider scheint er sich eher an unter Dreißigjährige zu wenden. Aber junge Designer können ja dazulernen.

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