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Gästepantoffeln : Alles nur geklaut

  • -Aktualisiert am

Hingucker: Hotel-Pantoffeln gibt es auch in grün. Bild: vario images

Weg mit den Wegwerfschlappen: Luxushotels suchen nach neuen Wegen für ihre Gästepantoffeln. Die einen setzen auf ausgefallene Modelle, die anderen auf recyclebare Materialien.

          3 Min.

          Stillgestanden“, möchte man an einem Samstagnachmittag in einem x-beliebigen Wellnesshotel in den Alpen rufen. Denn die Gäste im Spa-Bereich sind fast ausnahmslos in weiße Uniformen gehüllt: weiße Bademäntel, weiße Badeschlappen.

          Mit den Bademänteln ist das so eine Sache. Sie werden gern geklaut. Im Drei-Sterne-Hotel. Aber auch im Fünf-Sterne-Hotel. Die Begeisterung für dieses Hobby kennt keine Klassenschranken. In der Tasche der Mäntel steckt deshalb meistens ein Hinweis, dass man die Wellness-Roben bei Gefallen an der Rezeption „käuflich erwerben“ könne. Eine amerikanische Firma bietet inzwischen sogar einen waschbaren Mikrochip an. Der kann in Bademäntel, Handtücher und Bettlaken eingenäht werden, um sie aufzuspüren.

          Bei den Slippern verhält es sich anders. Auch wenn es nicht explizit draufsteht: Die meisten Gäste gehen davon aus, dass das Einwegprodukte sind, die zum Wegwerfen oder Mit-nach-Hause-Nehmen gedacht sind. So wie die kleinen Fläschchen im Bad: Die werden am Ende des Urlaubs mit großer Selbstverständlichkeit flächendeckend in die Kosmetiktasche geschaufelt. Im Film „Besser geht’s nicht“ mit Jack Nicholson räumt Helen Hunt diese sogenannten „Bath Amenities“ mit einem Lächeln ab.

          Kein sozialistisches Standard-Modell für alle

          Bei den Best Western Hotels heißt es: Die Pantoletten seien zu 100 Prozent Einwegprodukte, Mitnehmen gehe in Ordnung. Das Reinigen der Puschen sei zu aufwendig und werde von den Lieferanten deshalb auch nicht angeboten. Ansonsten lasse man den einzelnen Mitglieder-Hotels der Kette durchaus Raum für Individualität. Jedes Haus bestelle selbst sein Wunschmodell, es gebe keine Vorgaben, kein sozialistisches Standard-Modell für alle. Suiten-Bucher dürfen sich deshalb nicht automatisch darauf verlassen, in ihrem Schrank den Ferrari unter den Pantoffeln zu finden.

          Der Ferrari, das wäre zum Beispiel der „Slipper Chateau für Hotel, Spa und Wellness“ – zehn Paar für 24,90 Euro, hier zu beziehen. Eher zum Drei-Sterne-Hotel passt vielleicht das Einsteiger-Modell „Schlappen OT, Art.-Nr.: 7120005“: Slipper aus Baumwollvliesstoff mit geschlossener Schuhbrücke, für 63 Cent ab 1000 Stück Bestellmenge. Man kann dort gleich noch das Nähset (ab fünf Cent) und den Kamm (ab 8 Cent) mitordern.

          Rund 100.000 Paar Schlappen – so viele in Folie eingeschweißte Einwegslipper hat die Accor-Hotelgruppe, die 330 Häuser unterschiedlicher Marken von Budget bis Luxus in Deutschland betreibt, im Jahr 2012 bestellt. Das Mitnehmen sei erlaubt, aus hygienischen Gründen verbiete sich ein Zweiteinsatz, erklärt Pressesprecher Eike Kraft. Je nach Hotelkategorie gebe es unterschiedliche Modelle. Sie heißen zum Beispiel „Passat“, „Tornado“ oder „Scirocco“. Pullman- und Sofitel-Gäste erhalten besonders hochwertige Slipper mit Logo. Bei den Steigenberger Hotels sieht das ähnlich aus: Hier werden sogar 180.000 Paar pro Jahr – in zwei verschiedenen Ausführungen – bestellt.

          Ganz schön viele Pantoffeln sind das, die da auf dem Müll landen. Die ersten Öko- und Bio-Hotels haben deshalb damit begonnen, sich des Themas ernsthaft anzunehmen. Das „Naturhotel Waldklause“ in Längenfeld im Ötztal zum Beispiel gibt künftig wiederverwendbare, nicht eingeschweißte Wellness- und Hauslatschen an seine Gäste aus. Die etwas dickeren Schaumstoffschlappen kommen nach Gebrauch in die Hotelwäscherei.

          Es gibt auch recyclebare Schlappen

          Auch das ganz aus Holz gebaute Hotel „Forsthofalm“ in Leogang im Salzburger Land ist bei dem Thema nachdenklich geworden. Derzeit kommen Slipper zum Einsatz, die keine Plastikteile enthalten und somit als Papiermüll entsorgt und recycelt werden können. Weil die Müllvermeidung jedoch ebenfalls ein wichtiges Thema für die „Forsthofalm“ sei, überlege man, den Gästen künftig Filzschuhe anzubieten, die sie am Ende ihres Urlaubs mit nach Hause nehmen könnten. Auch waschbare Badeschlappen habe er erwogen, sagt Hotelchef Markus Widauer. Allerdings ist er unsicher, was für die Umwelt weniger belastend ist: Papiermüll oder der Verbrauch von Wasser und Strom fürs Waschen.

          Im Prinzip ist das Wiederverwerten eine gute Idee. Nur: Dann muss den Gästen aber auch klargemacht werden, dass die Slipper nicht zum Mitnehmen gedacht sind. Das indes dürfte schwierig werden, glaubt man der Beichte von Urlaubern auf einem britischen Online-Portal. Demnach haben ganze 68 Prozent der Befragten schon einmal Hotel-Handtücher geklaut. Beschämende 57 Prozent fummelten Batterien aus der TV-Fernbedienung und schraubten Glühbirnen aus den Leuchten. Etwa die Hälfte stahl schon einmal Essen und Besteck aus dem Hotel, jeder Siebte versorgte sich in der Bibliothek der Herberge mit neuestem Lesestoff für zu Hause.

          Was vielleicht nur Tee trinkende Briten verstehen: Einer von fünf Urlaubern klaute sich sogar einen Wasserkessel für die heimische Küche.

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