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Mats Hummels : „Fußball hat etwas von Religion“

„Ich glaube schon, dass sich viele Leute daran orientieren, was die Fußballer so abseits des Platzes tragen“: Mats Hummels im schicken Boss-Laden in der Maximilianstraße in München. Bild: Jan Roeder

Privat ist er fast so präsent wie auf dem Platz: Mats Hummels über den Style von Fußballspielern, das Kicken mit Freunden an Weihnachten, welche Musik auf seinen Kopfhörern läuft und den Besuch beim Papst.

          Drei Sekunden lang steht man tatsächlich allein mit Mats Hummels in der Kabine. Gut, es handelt sich um eine Umkleidekabine, und zwar im Boss-Store an der Münchner Maximilianstraße, Untergeschoss. Hier wartet man auf Mats Hummels zum Interview, auch der Fotograf wird seinen Platz brauchen. Also besser die Tasche und den Mantel in der Umkleidekabine abstellen. Auftritt Mats Hummels, er schüttelt die Hände, steuert dann zielstrebig diese Kabine an, zum Umziehen bei Boss in Boss. Also läuft man hinterher. „Wenn Sie mir vertrauen, lassen Sie Ihre Sachen jetzt hier stehen“, sagt Hummels und lacht. Wer, wenn nicht unseren Spielern kann man dieser Tage noch vertrauen? Andererseits, die Umkleide ist wirklich klein, nicht zu vergleichen mit den üblichen Spielerkabinen. Also raus mit Tasche und Mantel. „Okay, Sie vertrauen mir nicht.“ So setzt man sich 25 Minuten später zum Interview zusammen.

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Herr Hummels, ich würde gerne mit einem Swag-Test beginnen, so wie seit einiger Zeit der Style der Fußballspieler beschrieben wird. Wie viele Paar Sneakers besitzen Sie?

          20 bis 22. Das geht doch, finde ich.

          Wann haben Sie zuletzt richtig dicke Kopfhörer getragen?

          Die trage ich oft. Manchmal tun es auch die normalen Stöpsel, aber gerade vor dem Spiel sind die dicken Kopfhörer schon besser, weil man damit mehr alleine ist, sich besser fokussieren und abschalten kann.

          Was läuft dann so für Musik?

          Ich mag gerne deutsche Musik, weil ich da gut mitsingen kann. Ich bin jemand, der beim Musikhören gerne mitsingt oder zumindest mitsummt. Gerne auch deutschen Hip-Hop, in der Regel ohne den ganz harten „Gangster-Rap“. Da ziehe ich schon eine Grenze. Aber es gibt auch aus dieser Kategorie vereinzelt Lieder, die mir so gut gefallen, dass ich mitsinge. Das fällt dann natürlich dezenter aus, wenn der Text entsprechend hart ist.

          Modebewusst: Mats Hummels trägt bei einem Fotoshooting Hugo Boss. Bilderstrecke

          Beobachten Sie, dass dem Style von Fußballern immer mehr Aufmerksamkeit zuteil wird?

          Ja, es gibt beispielsweise bei Facebook viele lustige Seiten wie „Fußballer, die den Swag aufdrehen“. Das ist unterhaltungstechnisch großartig. Gerade durch die sozialen Netzwerke ist die Aufmerksamkeit so viel größer als noch vor zehn Jahren. Ich glaube schon, dass sich viele Leute daran orientieren, was die Fußballer so abseits des Platzes tragen. Sie sind ja oft Vorbilder.

          Sie landen regelmäßig auf den Ranglisten der bestaussehenden Fußballspieler, der sexiest Fußballspieler ganz weit oben. Nervt Sie das gelegentlich?

          Nein, ich wüsste nicht, warum.

          Vielleicht, weil man als Fußballspieler schnell in die Kritik geraten kann, dass der Lifestyle wichtiger sein könnte als der Sport. Wie viel Glamour verträgt der Fußball denn?

          Viele Spieler verknüpfen das für sich gerne miteinander, aber da ist eine Fußballmannschaft auch ein ganz normaler Querschnitt der Gesellschaft. Aus einem Kreis von zwanzig mögen das manche gerne, andere überhaupt nicht, ein paar ist es egal. Wichtig ist, dass der Sport an erster Stelle steht.

          Ist diese Zunahme an Style unter den deutschen Fußballern auch symptomatisch für die Event-Kultur, die um den Fußball entstanden ist?

          Ja, gerade bei den großen Turnieren der Nationalmannschaft wird jedes einzelne Spiel schon zum Event. Es wird tagelang, vorher und nachher diskutiert, dazu noch der Hype rund um die Spiele an sich.

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