https://www.faz.net/-hrx-8lsia

Furlane-Schuhe : Upcycling auf Venezianisch

Außen Samt, unten alte Gummireifen und innen sehr bequem: Furlane aus Venedig Bild: Hersteller

Manchmal muss man im Urlaub Schuhe kaufen. Aber wer hätte gedacht, dass man dabei ausgerechnet in Italien solch bequeme Exemplare findet?

          2 Min.

          Es geschah vergangenes Jahr in Venedig: Die Riemchen rissen. Man nimmt nach Italien ja immer nur die schönsten Schuhe mit, man will ja nicht hinterherhinken, schon gar nicht in flachen Schlappen. Also waren so hübsche wie unpraktische Sandalen im Koffer gelandet. Sie hielten Venedigs Kopfsteinparcours und den schlüpfrigen Brückenstufen genau einen Tag lang stand. Irgendwo zwischen Dorsoduro und Accademia war es auf einer bemoosten Brückenstufe um sie geschehen, die Riemchen des linken Schuhs rissen. Der Rechte hielt sich noch standhaft. Aber vorwärts ging es nur noch hinkend.

          Maria Wiesner
          (marw.), Gesellschaft

          In Mailand hätte sich jetzt eine Taxifahrt ins Hotel angeboten, in Venedig ist das schwieriger. "Es hilft nichts", sagte ich zu meiner Begleiterin. "Wir müssen Schuhe kaufen." Klingt traumhaft. Leider boten die Schuhgeschäfte an der nächsten Straße nur eine kleine, aber teure Auswahl an Zehn-Zentimeter-Stilettos. Das kam nach dem Moos-Stufen-Dilemma natürlich nicht mehr in Frage. Mit Blick auf die vorbeiziehenden Gondeln seufzten wir: "Solche Schuhe müsste man haben." Sie waren flach, manchmal aus schwarzen Samt und schmiegten sich an die Füße, so dass die Gondolieri katzenhaft über die Boote klettern konnten, ohne auszurutschen oder die Schuhe zu verlieren.

          Schuhe wie die Gondolieri

          Gerade war der Beschluss gefasst, barfuß zurück ins Hotel zu tappen, als wir an der nächsten Ecke die Rettung sahen: "Piedaterre" stand auf dem schwarzen Schild über dem Schuhgeschäft, und im Schaufenster lagen die Gondolieri-Schuhe. Drinnen erklärte der Verkäufer, dass diese Schuhe "Furlane" hießen, was im Dialekt "aus dem Friaul" heißt. Dort wurden sie das erste Mal im 19. Jahrhundert von Bäuerinnen hergestellt. Sie benutzten alte Stoffreste, Seile und allerhand anderes gebrauchtes Material, um die flachen, leichten Sommerschuhe anzufertigen. Im vergangenen Jahrhundert kamen die Schuhe dann nach Venedig, wo die Gondolieri sie für sich entdeckten. Als Obermaterial wählten sie schwarzen Samt, als Material für die Sohlen hatten sich die Reste alter Gummireifen durchgesetzt. Diese weiche und zugleich rutschfeste Fläche machte sie ideal für die Gondelführer, denn sie beschädigte die empfindliche Lackierung der Boote nicht.

          Bei "Piedaterre" werden die Schuhe noch heute nach diesem Vorbild per Hand in Udine im Friaul gefertigt. Die Sohlen sind immer noch aus alten Fahrradreifen, der Oberstoff variiert von Jute über Leinen bis hin zu Samt. Man behauptet dort sogar, die Dirigenten und Regisseure im Theater "La Fenice" mit edlen Modellen aus schwarzem Samt zu beliefern. Ich entschied mich an jenem Tag für ein Paar in glänzendem Azur. Es sind die bequemsten Schuhe, die ich jemals getragen habe.

          Für ein Paar Furlane muss man nicht mehr bis nach Venedig fahren. Es gibt sie auch auf Websites wie www.piedaterre-venice.com oder www.vibivenezia.it.

          Weitere Themen

          Zwei junge Gründer über Geld, Ruhm und ihre Start-ups Video-Seite öffnen

          Quarterly Talk : Zwei junge Gründer über Geld, Ruhm und ihre Start-ups

          Geld, Ruhm oder Sinn – warum gründet man wirklich ein Start-up? Darüber reden wir mit zwei Deutschen, die es wissen müssen: Markus Witte, Co-Gründer von Babbel, der erfolgreichsten Sprachlern-App der Welt, und Verena Hubertz, Co-Gründerin der international beliebten Kochplattform Kitchen Stories.

          Topmeldungen

          Geht es bergauf für die SPD? Olaf Scholz bei einer Veranstaltung des DGB zum Tag der Arbeit in Cottbus

          Parteitag vor Bundestagswahl : Was der SPD noch Hoffnung macht

          Seit Olaf Scholz zum Kanzlerkandidaten ausgerufen wurde, bleibt die Zustimmung für die Sozialdemokraten mau. Mit dem virtuellen Parteitag am Sonntag soll sich das ändern.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.