https://www.faz.net/aktuell/stil/mode-design/friedrich-liechtenstein-im-stil-fragebogen-13206122.html

Stil-Fragebogen: Friedrich Liechtenstein : „Die Leute strahlen mich an“

  • Aktualisiert am

Friedrich Liechtenstein Bild: Pein, Andreas

Die Einkaufshymne „Supergeil“ hat Friedrich Liechtenstein über Deutschland hinaus bekannt gemacht. Dabei strengt ihn Einkaufen eigentlich sehr an. Was ihm Freude macht, verrät er im Stil-Fragebogen.

          3 Min.

          Als Flaneur ist er viel unterwegs. Friedrich Liechtenstein, dessen Einkaufshymne „Supergeil“ ihn über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt machte, lebt weitgehend besitzlos in Berlin, einmal abgesehen von seiner beachtlichen Garderobe. In lichten Momenten zieht es den Schmuckeremiten, der häufig fotografiert wird, nach Bad Gastein. Dem Kurort in Österreich widmete er gar ein eigenes Album. Vielleicht klärt der Schauspieler, Musiker und Unterhaltungskünstler, der 1956 geboren wurde, in seinem gerade erschienenen Buch „Selfie Man“ endlich die Frage: Wie wird man eigentlich Eskapist?

          Was essen Sie zum Frühstück?

          Kaffee und Wasser.

          Wo kaufen Sie Ihre Kleidung ein?

          In Mitte und in Westberlin, zum Beispiel bei Chelsea Farmer’s Club.

          Hebt es Ihre Stimmung, wenn Sie einkaufen?

          Einkaufen strengt mich sehr an. Aber es muss ja.

          Was ist das älteste Kleidungsstück in Ihrem Schrank?

          Ich habe keinen Schrank, sondern zwei rollbare Garderoben. Die meisten Kleidungsstücke darin sind nicht sehr alt oder nicht meine.

          Was war Ihre größte Modesünde?

          Eine lange braune Lederhose. Das war 1994, und ich dachte, das sei cool. Ich hatte sie eine Zeitlang an, meine Kinder haben sich sehr dafür geschämt. Ich habe relativ schnell gemerkt, dass sie nicht cool ist, aber sie trotzdem weiter getragen. Damals war ich noch viel schlanker.

          Tragen Sie zu Hause Jogginghosen?

          Nein.

          Haben Sie Stil-Vorbilder?

          Julian Schnabel. Wir sind von ähnlicher Statur, ich mag die Lässigkeit, mit der er Morgenmantel und Schlafanzug trägt. Und Wes Anderson, weil ich den Style seiner Protagonisten mag: Etwas zu knappe Sakkos und schöne Farben.

          Haben Sie jemals ein Kleidungs- oder Möbelstück selbst gemacht?

          Hosen und Regale und einen Pullover für meine Kinder. Ich habe auch viel kombiniert: eine Cordhose aufgeschnitten und die Beine als Ärmel verwendet. Und das andere wie einen Westover gestrickt. Ich kann bestimmt noch stricken, aber ich habe es ewig nicht gemacht. Ich habe sehr gerne gestrickt und als Kind auch einen runden Teppich gehäkelt.

          Besitzen Sie ein komplettes Service?

          Nein, nicht mehr. Ich habe mich abgespeckt und bin froh darüber, nichts zu besitzen. Das Service habe ich auf meine Kinder aufgeteilt.

          Mit welchem selbst zubereiteten Essen konnten Sie schon Freunde beeindrucken?

          Das sprengt den Rahmen dieses Fragebogens. Es sind unendlich viele. Es ist blöd, jetzt nur eines zu nennen, darf ich zwei? Das erste: jüdischer Fleischtopf. Rindfleisch, Schalotten, Rosinen, Rotwein, Tomatenmark, fett und viel. Die ganze Flasche Rotwein in einen Topf und das Ganze in die Röhre schieben. Nach einer Weile, ich messe nicht die Zeit, das unterscheidet den Koch vom Bäcker, gucke ich rein, und es ist eine dunkelbraune, saftige, schokoladige Soße, und das Rindfleisch zerfällt auf der Gabel. Das zweite Gericht: Coq au Vin, gut, aber langweilig. Es muss ein gutes Huhn sein, und der Wein muss auch gut sein, kein Kochwein, dann ist das unglaublich lecker. Ich mache auch Pastasoßen, und Suppe esse ich gern. Ich koche sehr viel.

          Welche Zeitungen und Magazine lesen Sie?

          Alles, was mir zwischen die Finger kommt. In guten Zeiten gute Texte, in schlechten Zeiten Schrott-Texte.

          Welche Websites und Blogs lesen Sie?

          Keine.

          Wann haben Sie zuletzt handschriftlich einen Brief verfasst?

          Einen Brief? Ich kann mich nicht erinnern.

          Welches Buch hat Sie am meisten beeindruckt?

          „Orinoko“ von Akardy Fiedler. Es ist das erste Buch, an das ich mich erinnere. Eine prächtige Dschungelwelt, saftig grün. Es fing an, sexuell geladen zu sein, aber wenig. Das erste dickere Buch, das ich gelesen habe.

          Ihre Lieblingsvornamen?

          Franz, Fritzi und Henriette.

          Ihr Lieblingsfilm?

          „Parapluies de Cherbourg“ von Jacques Demy. Es zerreißt mir das Herz. Ein schöner Liebesfilm. Mir gefällt das Eskapistische, die Farbenwelt und das Gesungene. Und das Finale: Eine Esso-Tankstelle im Winter, Catherine Deneuve trifft ihren Ex. Großartiger Film.

          Fühlen Sie sich mit oder ohne Auto freier?

          Beides geht. Ich habe kein Auto, ich suche auch keines. Ich würde auch einen Newtimer nehmen, die machen weniger Probleme. Ich könnte mir gut eine vergoldete G-Klasse von Mercedes vorstellen.

          Tragen Sie eine Uhr?

          Selten. Wenn, dann eine Rolex.

          Tragen Sie Schmuck?

          Sehr selten. Ich habe eine Zeitlang eine goldene Kette unter meinen Klamotten getragen.

          Haben Sie einen Lieblingsduft?

          „Vetiver“ von Guerlain.

          Was ist Ihr größtes Talent?

          Hm. Ich kann dazu nichts sagen.

          Was ist Ihre größte Schwäche?

          Die Sterblichkeit.

          Womit kann man Ihnen eine Freude machen?

          Wenn man mich freundlich anschaut. Die Leute auf der Straße strahlen mich an, das finde ich toll.

          Was ist Ihr bestes Smalltalk-Thema?

          Gott und die Welt.

          Sind Sie abergläubisch?

          Ich weiß nicht, ob das noch Aberglaube ist: Ich glaube an ein anderes System von Zusammenhängen, das sich nicht an der Erdoberfläche abspielt. Aber Bühnen-Aberglaube macht auch Spaß. Harmlosere Dinge.

          Wo haben Sie Ihren schönsten Urlaub verbracht?

          Frankreich, am Atlantik. Gerne auch Marseille und Italien. Aber zu einem guten Urlaub gehören nicht nur der Ort, sondern auch andere Zutaten.

          Wo verbringen Sie Ihren nächsten Urlaub?

          Bad Gastein. Da freue ich mich schon drauf. Der Kurort inspiriert mich sehr. Bisher war Bad Gastein immer mit Arbeit verbunden. Jetzt mache ich dort einmal Urlaub und sehe, wie es ist, wenn man sich da pflegen lässt.

          Was trinken Sie zum Abendessen?

          Wein, Bier, Wasser, Cola, Mate, Schnaps, Champagner.

          Weitere Themen

          Topmeldungen