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Frauen in Spitzenpositionen : Macht Platz!

„Was wird einer jungen Generation Schmuck in 50 Jahren bedeuten?“ Sabina Belli (Pomellato) Bild: Hersteller

Schmuckmarken richten sich zwar vor allem an Frauen. Die Geschäfte lenkten aber meist Männer. Das ändert sich jetzt – ausgerechnet in kritischen Zeiten.

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          Eine Frau, die sich einen Schutzhelm aufzieht, um auf einer Baustelle zu prüfen, wie die Arbeiten vorangehen, ist heute keine Seltenheit mehr, zum Glück. Aber Geschlechtergleichheit herrscht trotzdem so wenig wie umgekehrt im Lehrerzimmer von Grundschulen. Das hat natürlich nicht nur mit Chancen zu tun, sondern vor allem mit Interessen.

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Hélène Poulit-Duquesne ist jedenfalls eine Frau, die sich alle paar Tage den orangefarbenen Schutzhelm aus dem Regal in ihrem Büro nimmt und sich zur Baustelle aufmacht. Dort prüft sie, wie die Arbeiten vorangehen. Bis Ende des nächsten Sommers ziehen sie sich in jedem Fall noch, sagt sie. Dabei arbeitet Hélène Poulit-Duquesne auf dieser Baustelle gar nicht als Ingenieurin. Sie ist eher so etwas wie die Bauherrin, als Geschäftsführerin der Luxusschmuckmarke Boucheron.

          Der Schmuckmarkt ändert sich

          Die Branche hatte bis vor nicht allzu langer Zeit an der Spitze etwa so viele weibliche Führungskräfte zu bieten wie die Baubranche. Ausgerechnet, könnte man sagen, denn das Interesse an Diamanten ist ja seit Jahrhunderten ebenfalls recht eindeutig geschlechterspezifisch.

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          Lange verhielt sich die Aufteilung in Sachen Schmuck etwa so: Eine Frau trug den Schmuck, den für gewöhnlich ein Mann ihr geschenkt hatte. Zuvor war er von einer Frau oder einem Mann entworfen worden, in enger Abstimmung mit der Geschäftsleitung, an deren Spitze wie selbstverständlich ein Mann stand. Heute nimmt man Schmuck anders wahr, die Märkte ändern sich, und diese Aufteilung verschiebt sich ebenfalls. Immer mehr Frauen kommen auf den Chefetagen der Schmuckmarken an. Jetzt scheint man ihnen die Aufgabe zuzutrauen.

          Mehr Frauen an der Spitze

          Es ist noch nicht alles weiblich verantwortet, was glänzt. Aber es wird immer mehr. Da wäre Hélène Poulit-Duquesne, die seit zwei Jahren ihren Job bei Boucheron in Paris ausübt. Da wäre Sabina Belli, die ebenso lange in der gleichen Position bei Pomellato in Mailand arbeitet. Und Eva-Lotta Sjöstedt, die seit vergangenem Jahr bei Georg Jensen in Kopenhagen die Geschäfte führt. Oder Chabi Nouri, seit Anfang dieses Jahres bei Piaget in Genf.

          Diese Frauen sind nicht einfach so vom Himmel auf ihre Chefsessel gefallen. Sie haben sich ebenso bewiesen wie ihre männlichen Konkurrenten, mindestens. Chabi Nouri hat lange bei Cartier gearbeitet, Eva-Lotta Sjöstedt hat zuvor Karstadt geleitet, und das war wahrlich kein einfacher Job. Bei Georg Jensen ist sie jetzt die erste Frau an der Spitze, so wie Hélène Poulit-Duquesne bei Boucheron und Sabina Belli bei Pomellato.

          „Das Verhalten unserer Kundinnen zeigt uns: Schmuck ist auch ein Geschenk an sie selbst.“ Eva-Lotta Sjöstedt (Georg Jensen)

          Sie sollen es richten

          Chabi Nouri ist sogar die einzige Frau, die eine Marke des Richemont-Konzerns führt, und macht schon mit neuen Marketingaktivitäten und dem Aufbau des Online-Geschäfts von sich reden. Dass es bald mehr Frauen in Führungspositionen werden könnten, daran soll der Präsident der Gruppe, Johann Rupert, im November vergangenen Jahres keinen Zweifel gelassen haben.

          Die Ergebnisse waren 2016 nicht so richtig berauschend ausgefallen. Gegenüber Investoren sagte der südafrikanische Unternehmer daraufhin angeblich, er wolle künftig weniger graue Männer sehen und insbesondere weniger graue französische Männer. Es fehle ihnen an Frauen und überhaupt an Vielfalt.

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