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Frauen in Spitzenpositionen : Macht Platz!

Frauen sollen es also richten, in kritischen Zeiten. Der Bedarf an Luxusuhren ist allmählich gesättigt, die Nachfrage nach Schmuck wächst. Seltsamerweise haben aber die Unternehmen noch kein rechtes Verständnis von Marken. Ausgerechnet Schmuck ist eine der letzten Branchen, in denen Marken noch immer eine untergeordnete Rolle spielen. Schuhe, Küchentische, Lippenstifte, Baby-Bodys, Kugelschreiber - hinter fast jedem Produkt stehen in globalisierten Zeiten große Marken, die sichtbar sein wollen und mit ihrer Selbstdarstellung auch Kunden locken. Bei Schmuck ist das anders.

Ritratto-Ringe von Pomellato

Die Marken müssen sich ihren Platz erkämpfen

Aber es ändert sich, und zwar schnell. Waren vor zehn Jahren nach Meinung vieler Fachleute noch 90 Prozent des Marktvolumens nicht von Marken dominiert, sind es heute nur noch 80 Prozent. Um so aggressiver müsste dieser Aufbau nun betrieben werden.

Bei Boucheron steht im kommenden Jahr das 160. Jubiläum an. "Das ist ein großes Ereignis für uns", sagt Hélène Poulit-Duquesne, die an diesem Vormittag in ihrem Eckbüro an der Rue de la Paix in Paris sitzt. "Wir wollen zeigen, wer wir sind und wer wir sein werden." Daher ist es ihr so wichtig, auf der Baustelle an der Place Vendôme, ein paar Meter weiter, präsent zu sein. "Wir verändern dort alles, die Boutique wird größer, mit einer dritten Etage, und darüber zieht das Atelier."

Kundinnen kaufen sich den Schmuck einfach selbst

Der Gründer des Hauses, Frédéric Boucheron (1830 bis 1902), war der erste Juwelier an diesem Platz. Hélène Poulit-Duquesne glaubt weiter an diesen so feinen wie teuren Ort, das zeigen die aufwendigen Renovierungsarbeiten. Aber sie weiß auch, wie wichtig die Präsenz in der virtuellen Welt ist. Seit sie Chefin ist, gibt es hier eine Digitalstrategie.

Nevesta-Ring aus der Serie L’Anneau d’Or von Boucheron

Am Empfangstresen mag an diesem Vormittag noch eine Tüte bereitstehen, die gleich ein Kurier abholt. Der Empfänger: ein Mann. Die Adresse: das Hotel Park Hyatt um die Ecke. Aber die Luxushäuser erleben nun, Jahrzehnte nach anderen kundennahen Branchen, dass Frauen die kostbaren Stücke nicht nur besitzen, sondern auch selbst in den Läden kaufen wollen. Es sind jetzt nicht mehr vornehmlich Männer, die viel Geld für etwas ausgeben sollen, das später verschenkt wird. Frauen machen sich diese Freude immer öfter selbst. Sie verdienen ja genug.

Der Kontakt ist direkter

Die Boucheron-Chefin erzählt von Frauen, die nicht auf Weihnachten warten, sondern sich beschenken, nachdem in der Bank oder im Unternehmen die Boni verteilt wurden. Und Eva-Lotta Sjöstedt sagt, viele ließen sich das Schmuckstück sogar einpacken, als Geschenk an sich selbst. "Das sehen wir am Verhalten unserer Kundinnen in den Boutiquen."

„Als Frau betrifft mich Schmuck direkt.“ Hélène Poulit-Duquesne (Boucheron)

Die Chefinnen der Schmuckmarken können viel direkter mit diesen Kundinnen reden, von Frau zu Frau. "Ich hatte nie das Gefühl, als Frau in dieser Branche benachteiligt zu sein", sagt Hélène Poulit-Duquesne, die früher für den LVMH-Konzern arbeitete, 1998 zur Richemont-Marke Cartier wechselte und seit Herbst 2015 auf dem Chefsessel bei Boucheron sitzt. "Dass wir jetzt mehr sind, ist großartig, denn als Frau, die mit Schmuck zu tun hat, denkt man automatisch darüber nach, wie etwas zu tragen ist."

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