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Schuhe : High Heels so bequem wie Pantoffeln

Eine Frage des Trainings: Luna Schröer hat genug Kraft, um eine Sohle von Hand einzustechen. Bild: Gilli, Franziska

Die schönsten Schuhe werden neuerdings von Frauen gefertigt. Die bedienen keine Illusion, sondern entwerfen Schuhe, in denen man als Frau ohne Schmerzen laufen kann.

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          Ausgerechnet ein Mann brachte Mariela Schwarz Montiel auf die Idee mit den Schuhen. In den neunziger Jahren war die junge Frau aus Paraguay Studentin an der Universität der Künste in Berlin und dachte an eine Karriere als Modemacherin - bis sie zum ersten Mal Fritz Unützer begegnete, dem Gründer und Chef der gleichnamigen Schuhmarke.

          Jennifer Wiebking
          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          „Er hat mich mit den Leisten spielen lassen und mir die Liebe zu den Schuhen und für das Handwerk gezeigt“, sagt die Designerin heute. „Schuhe wurden damals vor allem von Männern gefertigt.“ Unützer erzählte Schwarz Montiel von seiner Zeit beim Edelschuhmacher John Lobb in London und überzeugte die Studentin. „Bis dahin gehörten für mich Schönheit und Ästhetik zu den wichtigsten Eigenschaften eines Produkts.“

          Schönheit und Ästhetik - wer sich die 15-Zentimeter-Pumps mit funkelnden Schnallen von Manolo Blahnik anschaut, wer einmal darauf achtet, wie die roten Schuhsohlen bei Christian Louboutin überraschenderweise immer mit den weiteren Farben der Modelle harmonieren, dem Puderrosa, dem Königsblau, den verrückten Mustern, der weiß, dass auch Schuhe schön und ästhetisch sein können.

          Ästhetik war auch für Schuhdesigner stets eine wichtige Eigenschaft. Nur den Komfort der Modelle beflügelte sie dabei nicht unbedingt. „Viele Männer, die Schuhe fertigen, sind nicht daran interessiert, dass Frauen darin bequem laufen können“, sagt auch Schwarz Montiel, die mittlerweile 43 Jahre alt ist und als Chefdesignerin in Unützers Firmenzentrale in der Nähe von Venedig arbeitet.

          Mehr Frauen machen Schuhe

          Schwarz Montiel ist dabei keine weibliche Ausnahme in einer Branche, die sie selbst als ehemals „absolute Männerdomäne“ beschreibt. Zu den Louboutins von heute, zu den angesagtesten Schuhdesignern, gehören die Britinnen Charlotte Olympia und Sophia Webster, Tabitha Simmons, die ehemalige Stylistin der amerikanischen „Vogue“, oder Jimmy Choos Kreativdirektorin Sandra Choi - allesamt Frauen. Die schönsten Schuhe werden zurzeit von den Frauen gefertigt, die sie selbst gleich anziehen. Dass auch die Designerinnen darin einen Abend überstehen wollen, aus dem Schuh also ein Maximum an Komfort herausholen, ist beinahe selbstredend.

          So geht es auch den Schuhmacherinnen in den Handwerksbetrieben, wo die Zahl der weiblichen Lehrlinge ebenfalls steigt. Im Jahr 2011 entschieden sich von 96 Lehrlingen 25 Frauen für den Beruf, so hat es der Zentralverband des Deutschen Handwerks ermittelt. Im vergangenen Jahr waren unter 93 Auszubildenden dann 31 Frauen.

          Eine davon ist Luna Schröer, 21, die im zweiten Ausbildungsjahr in der Schuhmacherei Lenz im Frankfurter Bahnhofsviertel arbeitet. Die Bewerbungsunterlagen, die Schröers Chef Jürgen Dohn in diesem Jahr erhalten hat, seien sogar zu zwei Dritteln von Frauen gewesen. „Wir hatten hier in diesem Jahr genauso viele Praktikantinnen wie Praktikanten“, sagt auch die angehende Schuhmacherin Schröer. Sie habe etwas Handwerkliches machen wollen. Gut möglich, dass sie angesichts eines wachsenden Bedürfnisses nach Handgemachtem und Nachhaltigkeit in Teilen der Gesellschaft als Schuhmacherin einen Beruf mit echter Zukunftsperspektive erlernt.

          Männliche Designer waren lange Zeit präsenter

          Die Schuhmachereien erleben dieser Tage ihre eigene Renaissance. „Gestern habe ich eine Sohle mit der Hand eingestochen“, sagt Schröer und spricht damit das Argument an, Männer würden über mehr Kraft verfügen, seien also geeigneter für den Beruf des Schuhmachers: „Um solche Arbeiten auszuführen, brauche ich mehr Zeit als männliche Schuhmacher. Aber am Ende läuft es dennoch auf das gleiche Ergebnis hinaus.“ Es sei vor allem eine Sache des richtigen Trainings, sagt Schröers Chef Dohn.

          „Schuhe zu fertigen ist etwas Physisches“, meint auch Mariela Schwarz Montiel, die Chefdesignerin von Unützer, und den Beweis dazu liefert ihre angehende Kollegin Schröer: „Schauen Sie sich meine Hände an. Ich habe Hornhaut an den Fingern und überall Farbe, die selbst nach dem Duschen noch nicht heruntergewaschen ist.“

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