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Willy und Andreas Gursky : „Alle Techniken, die er anwendete, habe ich mir zu eigen gemacht“

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Willy Gursky – hier im Jahr 2010 mit seinem Sohn Andreas – wurde 1921 als Sohn eines Fotografen geboren. Bild: Burkhard Maus

Fotograf Andreas Gursky über die Prägung durch seinen Vater, die Schwierigkeiten beim Fotografieren von Bier – und seine frühere Gleichgültigkeit gegenüber dem Beruf.

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          Mein Vater und seine Profession haben mich stark geprägt. Bis zu meinem zehnten Lebensjahr verbrachte ich meine Kindheit im Studio, weil schlichtweg kein Wohnzimmer geschweige denn Privatheit existierte. Ich erinnere mich noch genau, wie ich gelegentlich nachts geweckt wurde und für Aufnahmen posieren musste. Auf diesem Foto studiere ich, auf dem Boden liegend, die Arbeitsweise meines Vaters und seiner Angestellten. Man könnte meinen, ich sei sehr interessiert an der Welt der Fotografie, aber es ist ja nun mal inszeniert und kein authentisches Abbild der wirklichen Situation.

          Meine heutige Affinität zur Fotografie steht also paradoxerweise im krassen Gegensatz zu einer eher gleichgültigen Haltung in meiner Kindheit und einer zunehmend ablehnenden Haltung in meiner Jugend. Alles in allem begleitete mich wohl ein ambivalentes Gefühl in der Wahrnehmung von Fotografie. Erst als ich sie mit eigenen Inhalten besetzen konnte, entwickelte ich eine Leidenschaft, die auch mein Vater sein ganzes Leben lang begleitete.

          Alle Techniken, die mein Vater anwendete, habe ich mir zu eigen gemacht. Da es keine richtige Spezialisierung in der Ausrichtung des Studios meines Vaters gab, wurde oft groß um gebaut. Sehr beeindruckend fand ich immer das Fotografieren von Bier, wobei es mein Vater wohl zu einer Meisterschaft gebracht hatte. Mit Hilfe von Glycerin erreichte er, dass ein herrlich gezapftes Pils den Temperaturen des heißen Lichts trotzte und über einen längeren Zeitraum frisch aussah. Es wurde zwar geblitzt, aber zur Kontrolle der Lichtführung war das warme Einstelllicht unersetzbar.

          Das Leben fand auch für den jungen Andreas Gursky im Studio statt. Bei der Vorbereitung von Werbeaufnahmen schaute er seinem Vater zu - und wurde so selbst zum Werbemotiv. Bilderstrecke

          Leider habe ich keine dieser Aufnahmen mehr, aber die hier gezeigte Weinbrand-Werbung lässt auch ganz gut die Schwierigkeiten bei der fotografischen Umsetzung erahnen. Die Aufbauten solcher Stillleben waren sehr aufwendig und erforderten viel Geduld. Bei der Belichtung eines 8 x 10 Diapositivs musste alles auf den Moment hin stimmen, da ja im Nachhinein nichts mehr verändert werden konnte. Die Betrachtung eines perfekt belichteten Großbilddias mit dem endgültigen Ausschnitt auf dem Leuchttisch war dann der absolute Hochgenuss. Später habe ich meinem Vater häufig meine neuen Bilder gezeigt und ihn nach seiner Meinung gefragt. Wir haben uns weiterhin ausgetauscht. Dafür bin ich ihm dankbar.

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