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Fotograf Vincent Peters im Interview : „Am Ende nimmt man doch lieber einen DiCaprio oder Clooney“

  • -Aktualisiert am

Schauspielerin Cameron Diaz Bild: Vincent Peters

Schöne Frauen, meist leicht bekleidet – für seine Vision hat sich Modefotograf Vincent Peters auch mal mit Wolfgang Joop gestritten. Jetzt verrät er, was ihn an Celebrity-Fotografie reizt und warum er keine deutschen Promis fotografiert.

          Erstaunlich, wer sich vor Ihnen schon alles ausgezogen hat. Wie viele Moderedakteurinnen haben Ihnen schon ,Sexismus’ vorgeworfen?

          In meinem Beisein noch keine. Ich zwinge ja auch keine Frau dazu, sich auszuziehen. Sie muss schon zustimmen! Die Aktfotografie hilft dabei, Ehrlichkeit und Verletzlichkeit auszudrücken. 

          Sie arbeiten viel mit Celebrities – Segen oder Fluch?

          ,Segen’ ist ein zu großes Wort, ich würde eher von einer glücklichen Situation sprechen. Die Frage, welche Person gerade berühmt ist, sagt viel über den Zeitgeist einer Epoche aus. Im Moment werden – bedauerlicherweise – der Populismus und das Vulgäre zum Mainstream: Trump wird Präsident, und Kim Kardashians Po oder Busen sind für Millionen von Fans offenbar so interessant, dass sie ihr in den sozialen Netzwerken folgen.  Ich würde sie niemals fotografieren. Bei diesem Trend mache ich nicht mit. Aber insgesamt mag ich die Herausforderung der Celebrity-Fotografie, bei der ich mich mitunter so fühle, als müsste ich aus einem fahrenden Zug heraus eine ruhige Landschaftsaufnahme machen: Alles muss sehr schnell gehen!

          Warum findet man bei Ihnen kein einziges Foto einer deutschen Berühmtheit? 

          Es gibt keine, oder? Im Ernst: Ich habe dieses Land vor mehr als 20 Jahren verlassen und kenne mich mit deutschen Promis nicht aus. Ich kann mir keinen „Tatort“-Kommissar auf einem „GQ“-Cover vorstellen. Man nimmt am Ende doch lieber einen DiCaprio oder Clooney...

          Gibt es so etwas wie ein deutsches Stilmerkmal in der Modefotografie?

          Ich denke, schon. Der Deutsche sucht immer nach Ausdruck im Bild, sein Ansatz ist expressiv und psychologisch, im Unterschied etwa zum französischen, der eher kontemplativ ist. Hier reicht es aus, dass ein Bild einfach schön ist. Es ist wie im wirklichen Leben, wenn ein Deutscher und ein Franzose an einem wilden Garten vorbeigehen. Der Franzose sagt: „Wie schön!“ Und der Deutsche: „Was man aus diesem Stück Land alles machen könnte...“

          „Ich mag ein eher klassisches Bild“: die französische Schauspielerin und Model Laetitia Casta von Vincent Peters aufgenommen. Bilderstrecke

          Sie haben sicherlich kistenweise Fotos zu Hause. Nach welchen Kriterien haben Sie die Bilder für Ihre Ausstellung ausgesucht?

          Ich habe vor einiger Zeit angefangen, nach Shootings noch ein paar zusätzliche Aufnahmen zu machen, nur für mich und das Model. Ich kann dann einfach freier arbeiten, als wenn dreißig Leute um mich herum stehen, die alle mitreden wollen. Die meisten Fotos der Ausstellung sind auf diese Weise entstanden.

          Fühlen Sie sich bei Modeaufnahmen oft eingeengt?

          Natürlich muss ich mich nach den Wünschen der Kunden richten. Dafür werde ich schließlich bezahlt. Früher konnte ich ziemlich rebellisch werden, wenn jemand meine Vorstellungen in Frage stellte. Wolfgang Joop hat das mal zu spüren bekommen. Wir hatten uns vorgenommen, Nadja Auermann als sportliche Amazone zu inszenieren. Am Set fühlte er sich dann aber plötzlich an Leni Riefenstahls Dokumentation der Olympiade von 1936 erinnert und verlangte von mir, das Topmodel – ohne das sportive Element – nunmehr einfach vor einer weißen Wand zu fotografieren. Daraufhin habe ich einen ganzen Tag lang gestreikt.

          Nadja Auermann vor Weiß. Das klingt doch nach einem passablen Konzept ...

          Das war’s ja auch. Joop-Kampagnen gehörten damals zu den freiesten Produktionen überhaupt. Ich war sehr verwöhnt und unerfahren. Man wird mit den Jahren zum Glück diplomatischer. Außerdem suche ich mir meine Jobs genau aus. Bei Shootings für die „Vogue“ oder den „Esquire“ darf ich relativ frei agieren. In der Werbung dagegen heißt es auch mal, das Model möge den Arm noch etwas anheben, damit man dieses oder jenes Accessoire besser sehe. Ein eigener fotografischer Stil ist heutzutage eher unpopulär. Man soll vor allem flexibel sein. Früher war das anders: Als ich mich Ende der neunziger Jahre bei der „Face“ vorstellte, musste ich den Redakteuren erst einmal meine fotografische Vision erläutern.

          Haben Sie denen dann einen Vortrag über alte Schwarz-Weiß-Filme gehalten?

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