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Formichettis Diesel-Kollektion : Jeans statt Frischfleisch

Bewährtes aus den Neunzigern kehrt wieder, neu sind die Muster auf dem Jeansstoff Bild: Hersteller

Er ist mehr als ein Designer. Nicola Formichetti präsentiert für Diesel seine erste Kollektion in Venedig. Die Marke soll er zu ähnlich großem Erfolg führen wie zuvor den Popstar Lady Gaga.

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          Flugstreiks? Nicola Formichetti, neuer Kreativ-Direktor der Jeansmarke Diesel, lehnt sich zurück und lacht. Dieser Mann, der die Modeleute ausgerechnet in den Tagen für seine erste Schau nach Venedig hat kommen lassen, da die Lufthansa-Piloten streiken, kennt sich aus. Er, Halbjapaner, Halbitaliener, ist der Sohn eines Piloten und einer Stewardess – die früher beide für Alitalia gearbeitet haben, der Streikfluglinie Nummer eins. „Flugstreiks, o ja, die gab es ständig. Dafür ist Alitalia doch berühmt“, sagt Formichetti und beißt in sein Brötchen mit Tomate-Mozzarella, sein Mittagessen. „Aus Dingen, die am Flughafen schiefgingen, bestand praktisch meine ganze Kindheit.“

          Jennifer Wiebking
          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Aber dass viele der rund 300 geladenen Gäste am Donnerstag über Umwege nach Venedig gelangen, passt eigentlich wunderbar in Formichettis Konzept. Schließlich muss man überhaupt erst einmal nach Venedig kommen, um die Kollektion dieses neuen Kreativ-Direktors zu sehen, der sie ebenso gut Anfang Februar in New York hätte zeigen können oder Ende Februar in Mailand, eben irgendwo dort, wo die Mehrheit der Modemacher ihre Kollektionen für den kommenden Winter präsentiert. Stattdessen ist Formichetti ein bisschen unbequem, ein bisschen verrückt. Er zeigt in Venedig. Die Jeansmarke Diesel könnte mit seiner Haltung an Coolness gewinnen.

          Einer Jeansmarke kann ein verrückter Modemacher dieser Tage nämlich nicht schaden. Einer, der weiß, wie er einen echten Hype um ein Produkt schafft. So einen könnten neben Diesel gerade einige traditionelle Jeansunternehmen brauchen, die im vergangenen Jahrzehnt in der Flut an 50-Euro-Denims von H&M-Schwestermarken, 200-Euro-Jeans von neuen niederländischen und skandinavischen Labels und 300-Euro-Teilen aus Kalifornien eben eine entscheidende Portion Coolness verloren haben.

          Zwei Verrückte finden zusammen

          Nicola Formichetti ist jedenfalls ziemlich cool. Er wurde in Japan geboren, wuchs in Tokio und Rom auf und war damals schon in Gedanken in London. Um wirklich dorthin zu ziehen, schrieb er sich extra für das Fach Architektur ein, studierte dann aber doch eher das Londoner Nachtleben. „Ich flog von der Uni und zog vor allem durch die Clubs“, erinnert er sich heute. Er eröffnete einen Modeladen und lernte dort die Moderedakteurin Katy England kennen, die ihm eine Kolumne für das Magazin anbot, aus dem junge Londoner zu der Zeit ihre Lebensenergie zogen, „Dazed & Confused“.

          Zum Denim gesellt sich jede Menge Leder
          Zum Denim gesellt sich jede Menge Leder : Bild: Hersteller

          Formichetti hat mit seinen heute 36 Jahren bereits einen eigenen Pop-Up-Shop unterhalten, hat für etliche große Modemarken als Stylist gearbeitet und für die japanische Ausgabe der Männer-„Vogue“ als Modechef. Bevor Diesel auf ihn zukam, war er Chefdesigner bei Mugler. Vor allem aber ist er der Mann, der Lady Gaga zu den MTV Music Awards im Jahr 2010 in ein Kleid aus rohem Rindfleisch steckte.

          Deshalb ist Formichetti auch mehr als ein Designer. Er ist ein Modemann. Vier Jahre lang staffierte Formichetti Lady Gaga aus. Dass die sich zwölf Mal am Tag umzieht, rutschte ihm mal nebenbei heraus. In ihren frühen Phasen, als Gaga für viele noch unbekannt war, rief er bei Modemarken an und gab vor, Kleider für ganz andere Leute zu bestellen. Schritt für Schritt bauten er und die Sängerin ein Image auf. Viele halten Formichetti für ihren eigentlichen Manager, der sich im vergangenen Jahr von seinen Aufgaben für die Musikerin zurückzog. Dass es seitdem ruhiger um sie geworden ist, spricht nur dafür. Der Mann, der Lady Gaga vielleicht zum größten Popstar unser Zeit machte, soll jetzt schließlich das Image von Diesel aufpolieren.

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