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Innenarchitektur : Ein Restaurant-Designer gestaltet Hamburg neu

Matte Oberflächen, dezente Optik: Vom Restaurant „Clouds“ in den „Tanzenden Türmen“ aus kann man weit über Hamburg blicken. Bild: Stefan Finger

Florian Kienast richtet Restaurants und Bars so ein, dass sich Gäste wohlfühlen. Dabei vertraut er auf die Formeln der Harmonie.

          Es gibt Orte in einer Stadt, auf die sich alle einigen können. Die von alteingesessenen Einwohnern so geliebt werden wie von frisch Zugezogenen und Touristen. Die man einfach immer anschauen kann. Hamburg hat viele solcher Orte, viele solcher Sehenswürdigkeiten. Und es gibt besondere Plätze, von denen aus man diese Sehenswürdigkeiten aus neuer Perspektive betrachten kann. Florian Kienast hat solche Räume in der Hansestadt geschaffen und gestaltet. Die besten Plätze für die beste Sicht.

          Matthias Wyssuwa

          Politischer Korrespondent für Norddeutschland und Skandinavien mit Sitz in Hamburg.

          „Wir haben natürlich großes Glück gehabt, dass wir immer Top-Locations gehabt haben“, sagt Kienast. „Wenn Räume eine besondere Eigenschaft haben, versuchen wir, diese Eigenschaft herauszuarbeiten.“ Und manchmal ist es einfach der Blick, den sie bieten.

          Kienast sitzt an einem sonnigen Herbstmorgen in einer dieser Top-Locations, dem Restaurant „Heritage“ im Hotel Le Méridien. Ganz oben, direkt an der Außenalster. Eine riesige Fensterwand gibt den Blick frei auf den glitzernden See, die Sonne scheint kräftig, träge schieben sich ein paar Segelboote übers Wasser. Hamburger Postkarten-Blick. Und Kienast durfte den Zuschauerrang einrichten. Wobei das fast zu wenig gesagt ist. Kienast richtet nicht nur ein, er inszeniert Räume.

          Im Méridien hat er sich noch zurückgehalten. Seine Neugestaltung des Restaurants, sein Redesign, knallt nicht, es kommt geschmeidig daher. Dunkle Farben, klare Linien, edle Holztische, Paneele mit güldenem Muster an der Decke. Nichts soll vom Ausblick ablenken. Wo lange die unbeliebten Plätze in der zweiten Reihe an der Wand waren, hat er den ganzen Bereich erhöhen lassen. Jetzt sitzt man hier geschützt und erhaben in einer Nische und kann über die Köpfe der anderen hinweg und hinaus schauen. Man glaubt, trotz des großen Restaurants den Blick für sich allein zu haben. Kienast sagt, wenn er in einen Raum kommt, brauche er meist nur fünf Minuten, um zu wissen, was er damit machen würde.

          Alles in Form: Im Restaurant „Casa di Roma“.

          Der Dreiundvierzigjährige ist groß und sportlich. Er gerät schnell in eine Art sachliches Schwärmen, wenn er über seine Arbeit spricht. Vor gut 17 Jahren hat er das Einrichtungs- und Designbüro Formwaende mitgegründet. Zu dritt waren sie und fast schon naiv, sagt Kienast. Doch der Erfolg kam bald. Mehr als 300 Projekte haben sie bislang verwirklicht, auch international. Heute kann Kienast einen ganzen Tag lang durch die Locations der Hansestadt führen, in denen sein Büro sich austoben durfte. Ob im Restaurant „Clouds“ mit Rooftop-Bar ganz oben in den „Tanzenden Türmen“, den Hochhäusern am Eingang zur Reeperbahn, ob im „Störtebeker“ in der Elbphilharmonie, wo man genauso gerne rein- wie rausschaut, oder eben hier im Méridien. An diesen Orten fällt auf, was seine Arbeit auszeichnet: Alles ist zurückhaltend geradlinig, unkitschig behaglich und detailverliebt.

          Kienast wuchs zunächst in Hamburg auf, dann zog die Familie hinaus in die Lüneburger Heide, aufs Dorf. Seine Eltern kauften ein altes Bauernhaus und bauten es um. Alte Pferdeställe wurden zu Wohnräumen, die Türen wurden aufgearbeitet, die Balken freigelegt, ebenso das Mauerwerk. Auch wenn Architektur nie ein Thema bei ihm zu Hause gewesen sei, sagt Kienast, so kam er ihr doch schon früh nahe. Denn alle mussten mithelfen.

          Immer schön auf dem Teppich bleiben

          „Ich glaube, das hat mich geprägt: Räume zu schaffen, die eine gewisse Geborgenheit und Wohlfühlatmosphäre ausstrahlen.“ So macht er es bis heute. Und natürlich musste es dann so kommen, dass auch der erste Kunde seines Büros ein altes Bauernhaus besaß, mit Reetdach und kleinen Fenstern. Mit seinen Kollegen kümmerte er sich um alles, von der Dusche bis zum Nachttisch. Der Kunde ließ sie machen. „Er hat nur gesagt, dass er uns vertraue – und nach den Kosten gefragt.“

          Kienasts Projekt „Casa di Roma“: Alle Gestaltungselemente stehen unter einem großen Konzept.

          Später traf Kienast einen Hersteller von Outdoormöbeln, für den er Messestände und Verkaufsräume entwarf. Er schickte ihn zu internationalen Messen und zu Kunden in Deutschland. So fand er mit seinem Büro Zugang zur Welt der Hotels, gestaltete Terrassen neu, Tagungsräume – und Restaurants. Wenn er ein Projekt übernimmt, bespricht er mit dem Auftraggeber, wer die Zielgruppe ist und was die Geschichte zu Restaurant, Raum und Angebot sein soll. Dann erzählt er sie mit seinem Design.

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